Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht in der Synagoge mit Küf Kaufmann, Ruth Röcher und Nora Goldenbogen
Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) spricht in der Synagoge mit den Gemeindevorsitzenden Küf Kaufmann, Ruth Röcher und Nora Goldenbogen (v.l.). Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Ministerpräsident besucht Synagoge Einsatz für jüdischen Religionsunterricht

von Wolfram Nagel

Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht in der Synagoge mit Küf Kaufmann, Ruth Röcher und Nora Goldenbogen
Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) spricht in der Synagoge mit den Gemeindevorsitzenden Küf Kaufmann, Ruth Röcher und Nora Goldenbogen (v.l.). Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Sachsens neuer Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich am Montag in Dresden mit den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden von Chemnitz, Leipzig und Dresden getroffen. Ein Thema war die Bemühung, jüdischen Religionsunterricht als Schulfach einzuführen. Kretschmer sprach sich dafür aus, auch kleineren Gruppenunterricht, jenseits der Mindestanzahl von acht Schülern, zu ermöglichen.

Nicht an der Schülerzahl festhalten

Der jüdische Religionsunterricht solle an den Schulen angeboten werden, in denen es jüdische Kinder gibt. "Wir wissen, dass die Zahl der Schüler am Anfang klein sein wird. Trotzdem wollen wir den Unterricht ermöglichen, weil das ein ganz wichtiger Beitrag ist, Religion und Kultur zu vermitteln", so Kretschmer. Bisher hatte die sächsische Staatsregierung strikt an einer Untergrenze von sieben bis acht Schülern festgehalten. Weil diese Teilnehmerzahl nicht erreicht wird, findet an vielen Schulen beispielsweise kein katholischer Religionsunterricht statt.

Der Holocaust gehört zur deutschen Geschichte.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Ein weiteres Thema des Treffens war die Jugendarbeit. "Das sei doch entscheidend  für die Zukunft der Gemeinden", betonte Nora Goldenbogen, Vorsitzende der Dresdner Gemeinde. Es gebe nicht einen fest angestellten Jugendarbeiter. Den könne man sich nicht leisten, bedauerte sie. Angesprochen wurden auch kaputte Synagogendächer, Sicherheitsfragen und die bevorstehenden Gedenkveranstaltungen am 9. November. An dem Tag jährt sich die "Reichspogromnacht" zum 80. Mal. In der Nacht vom 9. zum 10. November wurden Juden gedemütigt, verhaftet und ermordet. Synagogen wurden angezündet und jüdische Geschäfte zerstört. Auch die Hauptsynagogen in Chemnitz, Leipzig und Dresden wurden niedergebrannt. Hier, so Kretschmer, habe man die Frage diskutiert, wie man Kinder und Jugendliche ansprechen könne, die keinen Bezug mehr zum Holocaust - dem Völkermord an den Juden - hätten. Zur deutschen Identität gehöre zudem das besondere Verhältnis zu den jüdischen Mitmenschen und zum Staat Israel. 

Tacheles geredet

Ruth Röcher, die Gemeindevorsitzende aus Chemnitz, zeigte sich erfreut von dem Gespräch mit dem Regierungschef. Das habe es noch nie gegeben, dass ein sächsischer Ministerpräsident um ein Treffen mit den jüdischen Gemeinden bittet. Sie habe vorgehabt, ganz jüdisch Tacheles mit ihm zu reden. "Wir haben einen Mann kennengelernt, der einen ganz anderen Ton gesprochen hat. Das haben wir bisher von Seiten der sächsischen Landesregierung nicht gehört", lobte Ruth Röcher den neuen Politikstil. Der Ministerpräsident habe zugehört und Verständnis für die Probleme gezeigt. 

Synagoge Dresden
Die neue Synagoge in Dresden. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Kretschmer, Protestant aus der Oberlausitz, besuchte die jüdische Gemeinde in Dresden nicht zum ersten Mal. Immer wieder habe es Gelegenheiten dazu gegeben, sagte der Ministerpräsident. Er sei ein sehr neugieriger Mensch. So habe es ihn immer interessiert, was die jüdische Religion ausmache, welche Spuren es bis in die Gegenwart gibt und wie sich jüdisches Leben in Deutschland entwickle.

Erst im Januar hatte der neue Ministerpräsident die evangelischen und katholischen Bischöfe in die Staatskanzlei eingeladen. Demnächst will Kretschmer auch eine muslimische Gemeinde besuchen.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.02.2018 | Nachrichten ab 5 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 11:24 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

9 Kommentare

14.02.2018 16:59 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 9

Ohoh, da fehlen einige Grundlagen...

@ 8. Fragender Rentner:
Israelis sind Bürger Israels und haben einen israelischen Paß.

Juden sind Bürger mit semitischem Glauben und haben dann die Pässe ihrer jeweiligen Heimat.

Auch wenn es Dich schockt:
Es gibt (glücklicherweise) Juden mit dem deutschen als einzigen Paß!

... und das ist auch gut so, weil wir ja per Verfassung der Religionsausgrenzung abgeschworen haben. Leider ist nicht jeder Deutsche in der Lage, dieses mental umzusetzen.

14.02.2018 15:53 Fragender Rentner 8

@Hippiehooligan zu 6

Schade, habe ich nicht gewußt mit den 2 Pässen.

14.02.2018 12:00 sh 7

......Demnächst will Ketzschmer auch eine muslimische Gemeinde besuchen. Und danach sprechen wir auch in Sachsen über Islamunterricht?
Allerfeinste Wahlwerbung.

13.02.2018 23:48 Hippiehooligan 6

@Fragender Rentner Soweit mir bekannt ist, kann man gleichzeitig Jude UND Deutscher sein. Irre oder? Wusstest du das nicht oder bist du einfach nur Antisemit?

13.02.2018 19:36 Scharf 5

Religionsunterricht gehört überhaupt nicht in die Schulen. Dort soll in erster Linie Wissen vermittelt werden und ein toleranter und respektvoller Umgang miteinander.

13.02.2018 17:41 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 4

Ein Ministerpräsident, der allen Religionen gleich offen gegenübersteht, ist ein gutes Vorbild nicht nur für seine Wähler, sondern auch für seine Nichtwähler.

Gerade der offene Umgang untereinander bringt ja auch eine Gewöhnung an das 'andere', um diesen 'ganz normalen Umgang miteinander' zu ermöglichen.

13.02.2018 16:50 Fragender Rentner 3

Wie entwickeln sich nun das jüdische Leben, hat er es erkundet?

Hat er auch bei Anderen nachgeschaut wie sich das Leben entwickelt?

Hat er auch heraus gefunden, wie sich das deutsche Leben entwickelt?

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]


13.02.2018 15:56 Alex 2

Ein gaaaaaaanz wichtiges Problem, Herr Kretschmer! Das muss unbedingt angegangen werden!
Abgesehen davon, dass aus bekannten Gründen jüdisches Leben in Deutschland mal wieder auf dem Rückzug ist, frage ich mich, wie das der Ministerpräsident aller Sachsen bewerkstelligen will. Es sind ja nicht mal für die existenziell wichtigen Grundfächer ausreichend Lehrer da...

13.02.2018 13:06 Morchelchen 1

Die Bürger werden nichts gegen Kretschmers Vorschlag haben. Doch glaubt denn der Ministerpräsident wirklich, es kommen bald mehr jüdische Kinder in die Schulen? In den Altbundesländern ist leider schon eine Abwanderung feststellbar. Von Frankreich ausgehend, schwappte diese Europaflucht auch nach Deutschland. Über die Gründe gab es im letzten Jahr eine Doku bei Arte, also über den zunehmenden Wegzug von Juden aus Frankreich.