Nur schwer zu bekämpfen Multiresistente Keime: Fragen und Antworten

Zu den häufigsten Infektionserregern im Krankenhaus zählen die sogenannten Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA). Das Bakterium ist nur schwer zu bekämpfen. Hier wesentliche Infos in Kurzform.

Was sind multiresistente Erreger (MRE) ?

Bei Multiresistenten Erregern (MRE) handelt es sich um Bakterien, die jeweils gegen Antibiotika oder Antibiotika-Gruppen immun geworden sind.

Wie viele Infektionen mit multiresistenten Erregern gibt es in Sachsen?

In Sachsen sind 2018 insgesamt 525 Infektionen im Zusammenhang mit MRE gemeldet worden. Die meisten davon in Leipzig (102) gefolgt von Dresden (71) und dem Landkreis Mittelsachsen (47).

Wie viele Menschen sind in Deutschland und Europa erkrankt?

Laut RKI erkranken den Hochrechnungen zufolge in Deutschland rund 54.500 Menschen pro Jahr an Infektionen durch MRE. In Europa sind es jährlich etwa 670.000 Menschen.

Wie viele Todesfälle gehen auf antibiotikaresistente Erreger zurück?

Laut einer Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) aus dem Jahr 2018 sterben in Deutschland an einer Infektion durch multiresistente Erreger etwa 2.400 Menschen pro Jahr, in Europa sind es etwa 33.000. Zum Vergleich: 2018 gab es in Deutschland 3.265 Verkehrstote.

Was sind die Risikogruppen?

Besonders gefährdet sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wie (Blut)Krebspatienten, Neugeborene oder auch ältere Menschen. Bei Patienten mit nicht-intakter Haut, zum Beispiel bei OP-Wunden und einliegenden Kathetern, haben es die Erreger ebenfalls leicht. Auch auf Mitarbeiter in Krankenhäusern können die Keime leicht übertragen werden. Weil viele Antibiotika auch in der Tiermast eingesetzt werden, tragen auch Landwirte das Risiko, sich mit MRE zu infizieren. Träger der MRE-Keime zu sein, heißt jedoch nicht, automatisch krank zu werden. Erst bei einer Infektion - wenn die Bakterien zum Beispiel in die Blutbahn, die Lunge oder andere Organe gelangen - kommt es zu einer gefährlichen MRE-Infektion.

Wie werden resistente Keime übertragen?

Resistente oder multiresistente Erreger können durch direkten oder indirekten Kontakt zwischen Menschen, zwischen Menschen und Tieren und auch aus der Umwelt übertragen werden. Die Vermehrung resistenter Erreger wird nach Einnahme von Antibiotika im Darm begünstigt. Auch wenn man selbst nicht krank wird, können resistente Bakterien ausgeschieden und übertragen werden.

Welche Rolle spielen Krankenhäuser bei multiresistenten Keimen?

Die Gefahr einer Infektion ist besonders bei schwerkranken Patienten im Krankenhaus hoch. Sie leiden an schweren Grunderkrankungen und werden oft operiert. Manche Patienten benötigen invasive Untersuchungen oder Therapien, zum Beispiel mittels Gefäßkatheter, Harnwegskatheter, Ernährungssonden oder künstliche Beatmung. Das sind Eintrittswege für Erreger in den Körper.

Was sind Krankenhausinfektionen?

Als Krankenhausinfektionen bezeichnet man Infektionen, die sich Patienten während ihres Aufenthalts im Krankenhaus oder bei einer ambulanten Behandlung zuziehen. Die Gründe für solche Infektionen sind vielfältig. Neben invasiven Untersuchungen können auch Hygienemängel Infektionen begünstigen. Zu den häufigsten Krankenhausinfektionen gehören Lungenentzündungen, Wund- und Harnwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen durch Clostridium difficile und Sepsis (Blutvergiftung). Ein Teil dieser Infektionen wird durch Erreger verursacht, die gegen Antibiotika resistent sind.

Wie viele Krankenhausinfektionen werden durch multiresistente Keime verursacht?

In Deutschland gibt es etwa 400.000 bis 600.000 Krankenhausinfektionen pro Jahr auf. Nur ein Teil davon geht auf antibiotikaresistente Erreger zurück. Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts waren 2013 nur etwa sechs Prozent der Infektionen durch multiresistente Erreger (MRE) bedingt. Bei einem Mittelwert von 500.000 Infektionen pro Jahr bedeutet das: Die fünf wichtigsten multi­resistenten Erreger führten damit zu etwa 30.000 Infektionen. Werden zusätzlich weitere Erreger berücksichtig, kommt man auf bis zu 35.000 Krankenhausinfektionen mit MRE pro Jahr in Deutschland. Etwa 1.500 Krankenhausinfektionen (0,3 Prozent) gehen in Deutschland auf multiresistente Erreger zurück, die gegen fast alle Antibiotikaklassen resistent sind.

Was sind Antibiotika-Resistenzen und wie sind sie entstanden?

Antibiotika werden durch Mikroorganismen wie zum Beispiel Pilze produziert. Bakterien verfügen über die natürliche Fähigkeit, sich gegen Mikroorganismen zu schützen. So entstehen mehrfach- bzw. multiresistente Erreger (MRE), die vielen Antibiotika widerstehen können. Werden viele Antibiotika eingesetzt, entsteht Selektionsdruck: Bakterienstämme mit Resistenzen überleben, die anderen sterben. Je mehr Antibiotika eingesetzt werden, desto mehr versuchen die Bakterien Resistenzen zu entwickeln. Deswegen mahnen viele Mediziner einen maßvollen Umgang mit Antibiotika an. Studien zeigen: Je mehr in einem Land Antibiotika verordnet werden, desto größer ist die Ausbreitung von MRE.

Wo kommen MRE genau vor?

*Gesundheitswesen: Ein erhöhtes Risiko, sich mit MRE anzustecken, besteht in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Durch die Antibiotikaanwendungen besteht für die Bakterien ein erhöhter Selektionsdruck (siehe oben).

*Lebensmittel: Nahrungsmittel - Fleisch oder pflanzliche Produkte - können unter Umständen eine Quelle für resistente und multiresistente Erreger sein.

*Landwirtschaft: Landwirte und Tierärzte, die Kontakt mit Tieren im Stall oder auf dem Hof haben, sind häufiger laut Robert-Koch-Institut mit resistenten oder multiresistenten Erregern besiedelt als der Rest der Bevölkerung und können diese Erreger auch weiterverbreiten. Familienmitglieder haben daher im Verhältnis zur allgemeinen Bevölkerung ein erhöhtes Risiko, mit multiresistenten Erregern wie MRSA besiedelt zu sein. Bei gesunden Menschen führt eine Besiedelung in der Regel aber nicht zu einer Erkrankung.

*Umwelt und Reisen: Auch in der Natur kommen (multi-)resistente Erreger vor. Sie werden bei Wildtieren und Wildvögeln nachgewiesen, sind aber auch in Seen, Flüssen und im Boden (Grundwasser, Erdreich, Abwasser) zu finden und können über entsprechenden Kontakt auf Menschen übertragen werden. Durch wachsende Mobilität können Infektionserreger – darunter auch resistente Erreger – leichter von Land zu Land übertragen werden. In einer Untersuchung schieden mehr als die Hälfte von Asien-Reiserückkehrern nach Deutschland, die an Durchfall litten, resistente Erreger aus.

Welche multiresistenten Erreger gibt es?

Eine Auswahl häufiger Erreger finden Sie hier:

MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ist einer der bekanntesten resistenten Keime. Das Bakterium ist gegen das Antibiotikum Methicillin immun.

VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) sind gegen das wichtige Antibiotikum Vancomycin resistent. Eigentlich sind Enterokokken Bakterien, die zu der normalen Darmflora des Menschen gehören. Gelangen Enterokokken in andere Körperregionen, können sie Infektionen verursachen und neben Wund- und Harnwegsinfektionen auch schwere Infektionen wie zum Beispiel eine Sepsis (Blutvergiftung) hervorrufen. Infektionen durch Enterokokken werden mit Antibiotika behandelt. Sind die Enterokokken allerdings resistent, gestaltet sich die Therapie mit Antibiotika schwieriger.

MRGN ist eine in der Medizin verwendete Abkürzung für multiresistente gramnegative Bakterien. Zu diesen gehören Darmbakterien (wie Klebsiella pneumoniae, Enterobacter spp, Escherichia coli) und andere Keime (Acinetobacter baumannii, Pseudomonas aeruginosa). Gramnegative Bakterien finden sich gewöhnlich im Darm und gehören zur normalen menschlichen Darmflora, z. T. sind sie auch auf der Haut/Schleimhaut zu finden. Gramnegative Bakterien können durch sehr unterschiedliche Mechanismen eine Resistenz gegen verschiedene Antibiotika(klassen) ausbilden. Zur Einteilung der MRGN werden 4 Antibiotikagruppen herangezogen. Bei einer Widerstandsfähigkeit gegenüber 3 Antibiotikagruppen spricht man von 3MRGN, sind die Bakterien gegen alle vier Antibiotikagruppen resistent, so werden sie 4MRGN genannt.

Pseudomonas aeruginosa gehört zu den gefährlichsten Bakterien im Trinkwasser und ist ein häufiger Krankenhauskeim, der gegen mehrere Antibiotika resistent ist. Er zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen von Krankenhausinfektionen bei Lungenentzündungen mit Beatmung, Wund- und Harnwegsinfektionen. Die Bakterien können auch eine Blutvergiftung auslösen. Diese Entzündungen sind oft mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Die Erreger sind auch in Feuchtbereichen von Kliniken zu finden. Die Betroffenen infizieren sich in erster Linie durch Kontakt mit dem Erreger in der Umwelt. Innerhalb von Kliniken kommen auch Übertragungen von Patient zu Patient vor (z.B. über die Hände des Pflegepersonals). Die meisten dieser Bakterienstämme sind von Natur aus gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent- oft gegen die Antibiotika-Gruppen Colistin und Carbapeneme.

Klebsiella spp.: Die Spezies Klebsiella pneumoniae zählt zu den häufigsten Erregern für bakterielle Sepsis und im Krankenhaus erworbene Lungenentzündung, sie können aber auch Harnwegsinfekte und schwere Weichteil-Infektionen hervorrufen. Viele Klebsiella pneumoniae-Stämme sind multiresistent, also unempfindlich gegen mehrere Antibiotikaklassen, was die Behandlungsmöglichkeiten erheblich erschwert. Oft sind sie resistent gegen die Antibiotika-Gruppen Colistin, Carbapeneme oder auch gegen Cephalosporine der 3. Generation.

Enterobacter spp. ist eine Gattung von Darmbakterien, die etwa 15 Arten aus der Familie der Enterobakterien umfasst. Diese Bakterien sind vor allem für Lungen-, Wund- oder Harnwegsinfektionen verantwortlich. Gelangen sie über eine Infusion direkt ins Blut, droht eine Blutvergiftung. Oft sind sie resistent gegen die Antibiotika-Gruppen Colistin, Carbapeneme oder auch gegen Cephalosporine der 3. Generation.

CA-MRSA*** steht für Community-Acquired MRSA. Das sind MRSA, die außerhalb des Krankenhauses vorkommen und an denen gesunde Menschen erkranken können, die das letzte Jahr nicht in einer Pflegeeinrichtung waren oder andere medizinische Eingriffe, wie eine Operation, hatten.

Quelle: MDR/kt/Robert-Koch-Institut/Sozialministerium Sachsen

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.04.2019 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2019, 11:01 Uhr

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