Burgberg mit Dom und Albrechtsburg spiegelt sich im Fluss Elbe
Die Elbe bei Meißen, im Hintergrund der Burgberg mit Dom und Albrechtsburg Bildrechte: IMAGO/imageBROKER/Andreas Vitting

Tag des Wassers Nabu kritisiert schlechten Zustand sächsischer Gewässer

Am internationalen Tag des Wassers geht es nicht nur um unser Trinkwasser, sondern auch um Flüsse und Seen als Lebensräume. Der Nabu Landesverband Sachsen kritisiert den Zustand vieler sächsischer Gewässer. Das Land Sachsen versucht, mit verschiedenen Maßnahmen und Vorschriften gegenzusteuern.

Burgberg mit Dom und Albrechtsburg spiegelt sich im Fluss Elbe
Die Elbe bei Meißen, im Hintergrund der Burgberg mit Dom und Albrechtsburg Bildrechte: IMAGO/imageBROKER/Andreas Vitting

Es muss wohl noch viel Wasser Elbe, Mulde und Co. hinabfliesen, bis der ökologische Zustand der sächsischen Gewässer stimmt. Das kritisiert jedenfalls der Nabu Landesverband Sachsen am internationalen Tag des Wassers. Es geht an diesem Tag darum, eine Öffentlichkeit für kritische Wasserthemen zu schaffen und da stimme in Sachsen etwas nicht. Wie die Naturschützer betonen, hätte der Freistaat viele Anstrengungen unternommen, um den Zustand von Flüssen und Seen zu verbessern. Trotzdem würden laut Europäischer Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) nur wenige Gewässer bis 2021 einen guten ökologischen Zustand erreichen. Aktuell seien es nur 3,2 Prozent, 35 Prozent der sächsischen Flüsse und Seen seien in einem schlechten Zustand.

"Ein Problem ist, dass es in den Umweltbehörden vielerorts zu wenige Beschäftigte gibt, die Zeit haben rauszufahren und den Gewässerzustand zu kontrollieren", sagt der Nabu-Naturschutzrechtler Joachim Schruth MDR SACHSEN. Seine Einschätzung kann er nicht mit konkreten Zahlen belegen, verweist aber auf Erfahrungen aus seiner täglichen Arbeit. "Viele, die Anfang der 1990er-Jahre in die Umweltbehörden gegangen sind, gehen jetzt in Rente und es wird häufig nicht nachbesetzt." Diese Kritik weist der Sprecher des sächsischen Umweltministeriums, Frank Meyer, deutlich zurück: "Mir liegen keine Informationen vor, nach denen bei den Wasserbehörden des Freistaats zur Verfügung stehende Stellen unbesetzt wären."

Was ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie? Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie wurde von der Europäischen Union initiiert und ist bereits im Jahr 2000 in Kraft getreten. Es geht darum, eine länderübergreifende und einheitliche Gewässerschutzpolitik zu verwirklichen. Ein wichtiges Ziel ist es unter anderem, die Oberflächengewässer wie Flüsse oder Seen in einen "guten ökologischen und chemischen Zustand" zu versetzen. Regelmäßig fordern Umwelt- und Naturschutzverbände von der Politik, die Ziele der WRRL intensiver zu Verfolgen. Gewässer sind nach der Richtlinie in einem guten Zustand, wenn sie ihrem natürlichen Zustand nahe sind. Mehrfach wurde das Ziel der Richtlinie bereits verschoben. Nun gilt das Jahr 2027 als Frist für die Staaten, ihre Gewässer in eben jenen guten Zustand zu bringen.

Problemfall "Ökologische Durchgängigkeit"

kleine Staumauer am Stausee Bautzen
Viele Staumauern stellen für Fische und Wasserlebewesen ein unüberwindbares Hindernis dar, kritisiert der Nabu. Bildrechte: Landestalsperrenverwaltung Sachsen

Ein weiteres Problem sei laut Nabu die häufig fehlende ökologische Durchgängigkeit in sächsischen Gewässern. Einfach erklärt, sollen Fische die Möglichkeit haben, sich ohne Barrieren in einem Gewässer flussauf- und abwärts bewegen zu können. "Über viele Staumauern oder Wehre läuft allerdings nicht genügend Wasser, weil es nahezu komplett zu Wasserkraftanlagen und Turbinen umgeleitet wird. Hinter den Querbauten haben die Flüsse vielerorts zu wenig Wasser oder sind sogar auf einem Stück ausgetrocknet", so Schruth. Die größten Probleme sieht der Naturschützer bei Betreibern kleinerer Wasserkraftanlagen an Flüssen im Erzgebirge. "Dort finde ich manchmal acht Anlagen auf nur zehn Kilometern Flusslänge. Betrieben werden sie häufig von Investoren, die überhaupt nicht aus Sachsen kommen."

Grundsätzlich arbeitet der Freistaat an diesem Problem, versichert Ministeriumssprecher Frank Meyer. "Es ist nicht so, dass nicht Nichts geschieht. Allein im ersten Bewirtschaftungszyklus der Wasserrahmenrichtlinie wurden in Sachsen 18 Millionen Euro in die Verbesserung der Durchgängigkeit investiert." In dieser Zeit seien rund 400 Wehre zurückgebaut oder mit Fischpässen ausgestattet worden.

Dünger auf Feldern ist ein Problem

Letzter Kritikpunkt des Nabu sind die hohen Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft in die sächsischen Gewässer. Gelangen Düngemittel von benachbarten Feldern ins Wasser, erhöht sich beispielsweise der Stickstoffanteil im Fluss und stellt das biologische Gleichgewicht auf den Kopf. Zu Lasten von Tieren und Pflanzen. Doch auch hier sieht sich der Freistaat in der Verantwortung. "Wir haben in Sachsen eine verpflichtende 10-Meter-Grenze zwischen Acker und Gewässer. Das ist der Beweis dafür, dass die Vorschriften in Sachsen über das hinausgehen, was in anderen Ländern geregelt ist", sagt Meyer MDR SACHSEN. Außerdem würden Landwirte dabei unterstützt, wenn sie Grün- oder Pufferstreifen an Gewässern anlegen. Entsprechende Uferstreifen existierten bereits an über 2.600 Kilometern. Weitere Maßnahmen um die Belastung von Gewässern zu verringern will das sächsische Umweltministerium Anfang April vorstellen.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.03.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 08:21 Uhr

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1 Kommentar

22.03.2019 07:34 Lilly 1

"Ein Problem ist, dass es in den Umweltbehörden vielerorts zu wenige Beschäftigte gibt, die Zeit haben rauszufahren und den Gewässerzustand zu kontrollieren"

sie brauchen doch nur ein Ingenieurbüro beauftragen lieber NABU, die erstellen ihnen die Gutachten.
Wo ist das Problem?

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