Funklochkarte "Hallo?!" Übersicht über Funklöcher in Sachsen

In Tschechien und Polen funktioniert der Handyempfang problemlos. Aber sobald man in Sachsen die Oberlausitz oder das Erzgebirge erreicht, spricht man ins Nichts. Das passiert vielen aber auch beim Bahnfahren zwischen Dresden und Leipzig, auf dem Weg Richtung Brandenburg oder ins Vogtland. Eine Karte zeigt jetzt die Funklöcher und Handy-Benachteiligten im Land.

Eine Frau spricht verärgert in ihr Handy, das ganz offensichtlich keinen Handyempfang hat.
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Die Funklöcher in Sachsen

Die Bundesnetzagentur hat eine Karte veröffentlicht, in der man die klaffenden Funklöcher sieht. Je näher man an seinen Wohnort zoomt, desto detaillierter sind die Ergebnisse. Dargestellt sind die Messungen mittels Waben. Vor allem in der Lausitz, im Erzgebirge, Nordsachsen und im Vogtland sieht man Lücken.

Die Zahl der Funklöcher kann man gar nicht zählen.

Hennig Gajek Mobilfunkexperte und Redakteur bei Teltarif

Die Karte finden Sie hier:

Wie kamen die Daten zustande?

Es gibt eine App zur Breitbandmessung. Die App wurde 187.000 Mal heruntergeladen. Nutzer können ihre Adresse eingeben und dann sehen, welche Werte für ihren Wohnort angegeben werden. Die Daten wurden gesammelt und ausgewertet. Nun liegen 160 Millionen Messpunkte vor, die die App-Nutzer erstellt haben, erklärt die Bundesnetzagentur dazu. Wenn für eine Region keine Messpunkte vorliegen, zeigt das die Karte auch nicht an. Das heißt aber nicht, dass dort auch tatsächlich Netzempfang vorhanden ist. Die Ergebnisse gelten als nicht repräsentativ.

Empfang im Ort sehr dürftig! Um anständig telefonieren und zu surfen ist ein Spaziergang außerhalb des Ortes notwendig.

Anrufer aus Rosenfeld bei Torgau

Welche Anbieter zeigt die Funkloch-Karte?

Sie bildet die Netzverfügbarkeiten der Mobilfunknetzanbieter Telekom, Telefónica und Vodafone ab. Andere Anbieter nutzen eines oder mehrere der drei genannten Netze mit.

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Wolfgang Dettenbach auf dem MDR-AKTUELL-Sofa Bildrechte: mdr

Warum gibt es so viele Funklöcher?

"Weil sich die großen Anbieter nur um die Großstädte und mittleren Städte kümmern", sagt Stefan Schieritz aus Neiden MDR SACHSEN. Der FDP-Kreisvorsitzende in Nordsachsen sammelt seit 2016 die Funkloch-Gebiete nördlich von Leipzig. Vor allem Richtung Brandenburg, Sachsen-Anhalt und in den kleineren Dörfern sehe das Mobilfunkangebot auch nach 20 Jahren Mobilfunk "immer noch traurig" aus. Das ergaben die Daten von hunderten Nutzern aus Nordsachsen.

Auch der ländliche Raum braucht Handyempfang

"Dabei sind so viele Handwerker, Spediteure, Altenpflegerinnen, aber auch Landwirtschaftsbetriebe dringend auf den Empfang angewiesen. Es müssen doch alle immer erreichbar sein", betonte Schieritz im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Es wäre schön, wenn die Anbieter nicht nur Ballungszentren abdecken und abschröpfen würden, sondern sich auch um die ländlichen Bereiche kümmern würden und müssten.

Handynutzer meldete Funkloch in Sornzig bei Mügeln

Der Mobilfunk-Experte Gajek kritisiert die drei großen Mobilfunkanbieter und sieht deren Wettbewerbsverhalten als Wurzel des Problems. Telekom, Telefónica und Vodafone würden nur dort Sendemasten bauen, wo sie sich auch rechnen. Dünner besiedelte Gegenden bleiben ausgespart, sagte Gajek in einem Interview mit dem SWR.

Eine Übersicht über die Funkloch-Dichte in Nordsachsen sehen Sie hier:

Warum kann man die Funklöcher nicht endlich stopfen?

Erst vor zwei Wochen kündigte der für Mobilfunk zuständige Infrastrukturminister Andreas Scheuer (CSU) die "Jagd auf die weißen Flecken im Mobilfunknetz" an. Das hatte er 2018 auch mehrfach betont. Denn die strukturellen Probleme bei der Funkabdeckung sind bekannt. Nun hat sich die Bundesregierung eine Mobilfunkstrategie vorgenommen, die sie bei einer Digitalklausur am 17./18. November in Meseberg beschließen will. Im Kern geht es darum:

  • 5.000 unterversorgte Gebiete sollen erschlossen werden
  • schnellere Genehmigungsverfahren für Mobilfunkausbau
  • Kommunikationsoffensive für mehr Akzeptanz in Öffentlichkeit und Medien zum Netzausbau höherer Qualität
  • Gründung einer staatlichen Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft, die den Ausbau beschleunigt, auch da, wo die kommerziellen Anbieter nicht bauen wollen.

Funkmast
In Deutschland wären noch mehr als 10.000 Funkmastanlagen nötig, um den Handyempfang zu verbessern. Bildrechte: MDR exakt

Schon 2018 versprachen die Mobilfunkanbieter stärkeren Ausbau. Nun plant die Politik Millionen teure Geldstrafen, wenn die Anbieter Zusagen nicht einhalten. Die Mobilfunkanbieter wollen innerhalb bis 2021 für 98 Prozent aller Haushalte 5G-Abdeckung für Handys bieten. Zwei Jahre später sollen alle wichtigen Straßen und Zugverbindungen abgedeckt sein. Experten rechnen damit, dass all das erst nach 2026 realistisch sein könnte.

Funklöcher sind kritisch besonders für Rettungsdienste. Uns haben Bürger berichtet, dass sie in Notrufsituationen keine Notrufe absetzen konnten.

Holger Freymann Amtsleiter Kreisentwicklung Görlitz

Warum ist der Funkempfang im Ausland besser als in Deutschland?

In anderen europäischen Ländern nutzen die Mobilfunkanbieter gegenseitig ihre Netze für die Abdeckung. Die Kosten dafür regeln sie untereinander. Für das sogenannte lokale Roaming haben die Anbieter in Deutschland ihre Netze bisher nicht geöffnet. Dafür muss zudem das Telekommunikationsgesetz geändert werden.

Quelle: MDR/kk/uw/Bundesnetzagentur/dpa/SWR

Dieses Thema im Programm im MDR MDR FERNSEHEN | 11.11.2019 | 16:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2019, 16:15 Uhr

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