Ein Paar genießt nach dem Essen ein Glas Wein.
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21.05.2019 | 14:04 Uhr Zu viel Alkohol: Wenn aus Genuss Sucht wird

Das Bierchen zum Feierabend, ein Glas Sekt mit der Freundin in einem Café, der Wein zum Abendessen gehören bei vielen von uns zum Leben einfach dazu. So ein bisschen Alkohol bedeutet Wohlgefühl, Entspannung, Stressabbau und Genuss. Man gönnt sich ja sonst nichts. Aber wann wird genau das zum Problem? Wir fragen nach bei Maik Spreer. Er ist Suchtexperte an der Klinik für Psychiatrie am Dresdner Uni-Klinikum.

Ein Paar genießt nach dem Essen ein Glas Wein.
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Das tägliche Glas Wein oder das Bierchen am Abend. Kann das zum Problem werden?

Maik Spreer: Das kann zum Problem werden, aber nicht bei jedem. Jede Alkoholabhängigkeit beginnt in aller Regel unspektakulär, eben mit dem regelmäßigen Glas Alkohol.

Ist jeder Mensch suchtgefährdet oder sind manche immun dagegen?

Jeder kann von irgendwas eine Abhängigkeit oder Sucht entwickeln. Das hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen biologische Voraussetzungen wie z.B. meine Genetik. Nachkommen von Alkoholabhängigen haben ein höheres Risiko abhängig zu werden. Kulturelle Bedingungen spielen eine Rolle und wie fühlt sich Alkohol für mich selbst an: Bekomme ich einen Kater? Fühlt sich das gut an? Vertrage ich viel? Habe ich andere Probleme? Kann ich mit Alkohol Stress abbauen?

Manchmal trinke ich viel, aber ich kann jederzeit aufhören. Was ist von solchen Sprüchen zu halten?

Dieser Satz ist gar nicht so schlecht. Derjenige, der das sagt, hat sich Gedanken gemacht. Gut ist es, die Probe aufs Exempel zu machen und wirklich mal eine Woche, zwei Wochen oder einen Monat aufzuhören. Zum Beispiel in der Fastenzeit.

Bierglas in Kneipe
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Wieviel Alkohol am Tag ist vertretbar? Es gibt verschiedene Meinungen darüber, was noch gesund ist. Die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen sagt, dass 24 Gramm reiner Alkohol pro Tag, das sind etwa 0,6 Liter Bier für Männer und für Frauen die Hälfte davon, in Ordnung sind und risikoarm. Bei Wein sind das etwa 0,15 Liter. Alles was darüber liegt, ist riskant.

Wann spricht man von Alkoholsucht?

Es gibt Kriterien, die erfüllt sein müssen: Zu nennen ist der Suchtdruck, das ist ein Drang oder unbeherrschbarer Zwang etwas trinken zu müssen. Zweitens die Toleranzentwicklung. Das heißt, man kann immer mehr trinken und Alkohol hat nicht mehr die Wirkung wie früher. Ich vertrage und brauche mehr, um die dieselbe Wirkung zu erzielen. Dazu gehört auch der Weiterkonsum - trotz aufgetretener Folgeschäden wie z.B. zittern.

Was macht Alkohol so gefährlich?

Man kann Alkohol lange Zeit trinken, ohne dass man körperliche Schäden merkt oder abhängig ist. Es kommt zu einer schleichenden Abhängigkeit. Alkohol wirkt sich auf jedes Organsystem aus, je nach Menge und Voraussetzung des Menschen. Es schädigt die Leber, das Gehirn, die Bauchspeicheldrüse.

Jeder zwölfte Deutsche soll ein Alkoholproblem in der Tendenz haben. Ist der Alkoholmissbrauch steigend?

Wenn man sich die letzten Jahrzehnte anschaut, ist der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol eher gesunken. Die Zahlen für Abhängigkeiten sind dagegen stabil. Seit Kurzem trinken die Jugendlichen bis 18 Jahre weniger. Da scheinen Präventionsprogramme gefruchtet zu haben. Die meisten Abhängigkeiten gibt es im Alter zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Nimmt die Alkoholsucht im Alter grundsätzlich zu?

Häufig wird Alkoholabhängigkeit im Alter abgetan und nicht erkannt. Da gibt es eine hohe Dunkelziffer. Es gibt keine aussagekräftigen Studien und Erhebungen. Das mag daran liegen, dass die Erscheinungen aufs Alter geschoben werden, auf Medikamente, Altersabbau oder das dem alten Menschen seine Gewohnheit zugestanden wird.

Reagiert der Körper im Alter anders auf Alkohol als in Jugendjahren?

Ja, der Körper reagiert im Alter anders auf Alkohol. Die Funktionen der Leber, der Niere verändern sich, der Alkoholabbau dauert länger.

Alkoholkonsum und Medikamenten-Einnahme - ist das nicht gefährlich?

Schnaps
Keine gute Mischung: der Kräuterschnaps und die Einnahme von Schmerztabletten Bildrechte: imago/Joko


Alkohol kann die gewünschte Wirkung von Medikamenten mildern oder ganz aufheben. Mitunter kann es auch zu lebensbedrohlichen Wechselwirkungen kommen. Häufig treten Herz-Kreislauf-Probleme auf. Wer Alkohol und Medikamente zusammen konsumiert, verlangsamt die Genesung. Der Körper ist mit dem Alkoholabbau beschäftigt und kann sich weniger gut auf die Heilung konzentrieren.

Gibt es in Sachsen und im Osten Deutschlands mehr Alkoholabhängige als im Westteil des Landes?

Ja, Sachsen nimmt einen der führenden Ränge in Deutschland ein. Traurige Spitze ist Mecklenburg-Vorpommern. Deutschland liegt auch im internationalen Durchschnitt relativ weit oben.

Wer ist häufiger betroffen: Frauen oder Männer?

Männer sind häufiger betroffen. Auf drei Männer kommt eine Frau, die alkoholabhängig ist.

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Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.05.2019 | 10-13 Uhr

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1 Kommentar

21.05.2019 14:32 Anna 1

ja diesen schönen Staat kann man täglich auch nur noch im Suff ertragen anders geht es nicht mehr !