Hintergrund Artensterben in Sachsen - Daten, Fakten, Wissenswertes

Rote Liste Sachsen

In Sachsen sind in den vergangenen 200 Jahren fast 1.500 Pflanzen- und Tierarten ausgestorben. Das geht aus Zahlen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hervor. Das Landesamt führt die Liste der bedrohten, gefährdeten und ausgestorbenen Arten in Sachsen. Dabei wird in Tiere, Pflanzen und Pilze unterteilt. Aktuell sind dort 20 Tierartengruppen, fünf Pflanzenartengruppen und eine Pilzgruppe aufgeführt. Die Erfassung der einzelnen Gruppen erfolgt in sehr unterschiedlichen Zeiträumen. So stammen beispielsweise die Angaben zu Weberknechten und Webspinnen aus dem Jahr 1996, die der Fische aus dem Jahr 2005 und die der Wirbeltiere aus dem Jahr 2015. Um die Gefährdung der einzelnen Arten einzuschätzen, werden ihre Populationen beobachtet beziehungsweise ihre Seltenheit dokumentiert.

Auszug aus den Roten Listen in Sachsen (Beispiele) ausgestorbene Arten: Korn-Rade, Rotes Waldvögelein, Gelbes Zypergras, Acker-Ringelblume, Sichelblättriges Hasenohr, Böhmischer Storchschnabel, Schwarze Binse, Wanzen-Knabenkraut, Europäisches Ziesel, Europäischer Nerz, Auerochse


vom Aussterben bedroht: Grasblättriger Froschlöffel, Pfeilblättrige Gänsekresse, Langkelch-Weißdorn, Knollige Kratzdistel, Mücken-Händelwurz, Alpenspitzmaus, Hausratte, Feldhamster, Wildkatze

FFH-Gebiete

Sachsen hat sogenannte 270 Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH) und 77 Europäische Vogelschutzgebiete und 52 Fledermausschutzgebiete. FFH-Gebiete in Sachsen sind zum Beispiel: Mittelgebirgslandschaft um Oelsen, Müglitztal, Geisingberg mit Geisingwiesen, Lachsbach- und Sebnitztal.

Was bedeutet FFH-Gebiet? FFH steht für Flora-Fauna-Habitat. Gemeinsam mit den Vogelschutzgebieten sind diese Gebiete Teil des europaweiten Schutzgebietnetzes Natura 2000. Die EU-Mitgliedsstaaten verpflichten sich darin, besonders bedeutende Arten und Lebensräume durch geeignete Maßnahmen zu erhalten, wiederherzustellen und zu entwickeln.

In Sachsen gehören 292.777 Hektar zum Schutzgebiet Natura 2000. Das sind 15,9 Prozent der Gesamtfläche des Landes.

Sachsen hat folgende FFH-Lebensraumtypen definiert: Dünen, Gewässer, Heiden, Grasland, Moore, Felsen, Wälder. In diesen FFH-Gebieten leben folgende Arten: Moose, Farn- und Samenpflanzen, Säugetiere, Amphibien/Reptilien, Fische/Rundmäuler, Käfer, Libellen, Schmetterlinge, Weichtiere, Steinkrebs.

In den 77 Vogelschutzgebieten brüten rund 50 Vogelarten, unter anderem der Schwarzmilan, das Birkhuhn oder die Heidelerche.

Quelle: Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Sachsen

Projekt Schmetterlingswiese

Im Jahr 2015 wurde das Projekt "Puppenstuben gesucht" gestartet. Ziel war es, in Sachsen Wiesenflächen so zu bewirtschaften, dass sich dort Schmetterlinge wohl fühlen. Das Projekt ist ein großer Erfolg. Inzwischen gibt es mehr als 300 Wiesen. In ganz Sachsen engagieren sich Umweltschützer, Kommunen und Privatleute, um mit den Puppenstuben einen einfachen, aber wertvollen Beitrag zum Artenschutz zu leisten.

Ökologische Vorrangflächen

Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerfläche sind seit 2015 dazu verpflichtet, fünf Prozent ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) vorzuhalten. Der Landwirt kann Zwischenfrüchte anbauen, das Land mit Hecken und Bäumen aufforsten, Flächen stilllegen oder Feldraine und Wiesenstreifen anlegen. Dafür bekommt er Fördermittel von der EU. Diese Maßnahmen sollen zu mehr Artenvielfalt beitragen. Das Bundesamt für Naturschutz geht aber davon aus, dass auf 80 Prozent der Ökologischen Vorrangflächen in Deutschland kaum Maßnahmen durchgeführt werden, die wirklich zur Artenvielfalt beitragen.

Veranstaltungen zum Thema Artenschutz

In Sachsen gibt es aktuell viele Möglichkeiten, sich über das Thema Artenschutz zu informieren und sich auch selbst zu beteiligen.

Der Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge lädt am 10. Mai zu einem Sensenkurs für Anfänger. Teilnehmer erfahren unter anderem, welchen Sinn eine Blumenwiese überhaupt hat oder wie eine Sense geschärft und richtig eingestellt wird.

Der Nabu Sachsen ruft am zweiten Mai-Wochenende zur Zählung der Gartenvögel auf. Wegen des Insektensterbens machen sich die Naturschützer zunehmend auch Sorgen um Vögel, die in Gärten und Parks vorkommen, darunter Mauersegler, Mehlschwalben und Amseln. Vom 10. bis 12. Mai sind die Sachsen aufgerufen, Vögel zu sichten und zu zählen. Parallel dazu bietet der Nabu Veranstaltungen an. So gibt es beispielsweise Vogelstimmenwanderungen in Bobenneukirchen, Topfseifersdorf, Eilenburg oder Moritzburg. Im Palmengarten Leipzig lädt der Nabu zur gemeinsamen Vogelzählung ein. Und wer unsicher ist, ob er alle Gartenvögel richtig erkennt, kann vorher mit dem Vogeltrainer des Nabu üben:

Was kann ich tun?

  • im Garten ein Stück der Wiese stehenlassen und nicht mähen
  • Saumstrukturen im eigenen Garten schaffen
  • einheimische Blühgehölze pflanzen
  • auf Pflanzenschutzmittel und Unkrautvernichter verzichten

Ich muss in meinem Garten nicht den englischen Kurzschnitt-Golfrasen schneiden. Es geht ja nicht nur um den Schmetterling, der auf der Blüte sitzt, sondern auch um die Raupe, um die Larve, die ja auch auf der Wiese überleben wollen. Wenn jeder auf seinem Gebiet eine Kleinigkeit tut, kommen wir auch in der Fläche weiter.

Christina Kretzschmar DVL-Landesverband Sachsen

Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.05.2019 | im laufenden Programm

AKTUELLES AUS SACHSEN

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr aus Sachsen