Carsten Rentzing, sächsischer Landesbischof
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11.10.2019 | 17:13 Uhr Sachsens evangelischer Landesbischof Rentzing tritt zurück

Carsten Rentzing, sächsischer Landesbischof
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Der Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen, Carsten Rentzing, hat seinen Rücktritt angekündigt. In einer am Freitag verbreiteten öffentlichen Erklärung teilte er mit, sein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Als Grund nannte er die aktuelle Diskussion um seine Person. Vor einem Monat war bekannt geworden, dass Rentzing Mitglied der schlagenden Studentenverbindung "Alte Prager Landsmannschaft Hercynia" ist.

Kritik aus den eigenen Reihen

Christen im Freistaat forderten den Landesbischof daraufhin in einer Petition auf, sich von der Vereinigung zu distanzieren sowie von "allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien". Dabei kritisierten die Verfasser auch, dass Rentzing statt einer klaren Abgrenzung von der AfD bislang für "Gespräch, Verständnis und gemeinsame Zukunftsgestaltung" geworben habe. Die Petition wurde bisher von mehr als 800 Menschen unterschrieben.

Erklärung statt Abbitte

Der 52-Jährige verteidigte seine Mitgliedschaft in der Studentenverbindung und erklärte auch jetzt lediglich, sein Weg in die Kirche habe ihn verändert, so dass er Positionen, die er vor 30 Jahren vertreten habe, heute nicht mehr teile. Zu seinem Rücktritt sagte Rentzing, er wolle damit Schaden von der sächsischen Landeskirche abwenden.

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing blickt in der Kreuzkirche in Dresden (Sachsen) zu den Gästen.
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Mein oberstes Ziel war und ist die Einheit der Kirche. Ich muss mit großem Bedauern feststellen, dass die aktuelle Diskussion um meine Person diesem Ziel schadet. Sie ist nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die gesamte Kirche derzeit eine Belastung. […] Ich stehe für konservative Positionen und Werte, die ich in einem langen Entwicklungsprozess für mich als richtig erkannt habe.

Carsten Rentzing Evangelischer Landesbischof in Sachsen

Kritiker fordert schnellen Rücktritt

Der frühere Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, bezeichnete Rentzings Entscheidung als überfällig. Dieser solle seinen angekündigten Rücktritt schnellstmöglich vollziehen. Der Bischof habe die sächsische Landeskirche in eine Vertrauenskrise gesteuert, statt sie zusammenzuführen. Nun müsse ein intensiver Neuausrichtungsprozess beginnen.

Christian Wolff, 2015
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Er hat nicht zusammengeführt, er hat die Landeskirche nicht geistlich geleitet. Er blieb gefangen in seiner Vergangenheit. Denn nun kristallisiert sich immer mehr heraus, dass seine Beheimatung in rechten Kreisen keine böswillige Unterstellung ist, sondern offensichtlich mit Tatsachen unterfüttert werden kann.

Christian Wolff Pfarrer im Ruhestand

Schon von Anfang an umstritten

Die sächsische Landessynode hatte Rentzing 2015 zum Nachfolger von Bischof Jochen Bohl gewählt. Die Entscheidung war äußerst knapp und fiel erst im sechsten Wahlgang. Viele Mitglieder der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen lehnen Rentzings konservative Ansichten ab. So lehnt er eine kirchliche Trauung homosexueller Paare ab. Die gleiche Haltung vertritt er in Bezug auf homosexuelle Pfarrer, die mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben wollen.

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Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL| 11.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 17:13 Uhr

46 Kommentare

aus Elbflorenz vor 1 Wochen

Fragen darf man aufwerfen (und mehr wird in Hinblick auf die Demokratie nicht getan) - dafür kämpft ja momentan der sog. Libertärismus, der Rest (von dem was ich gelesen habe) ist einfach konservativ und tw. auch von der Wirklichkeit inzwischen bestätigt.

Zum Staatsvolk: Präambel des GG und Jellineks 3-Elemente-Lehre vom Staat und außerdem Voraussetzung eines demokratischen (volksherrschaftlichen) Staates - wer soll da denn sonst die Volksherrschaft bzw. Herrschaft ausüben?

MaP vor 1 Wochen

Es wäre jetzt mal interessant, wer alles (Politiker, Journalisten, Publizisten, andere Personen des öff. Lebens....) vor 30, 20 oder selbst noch vor 10 Jahren Dinge gesagt hat, die jetzt von der entsprechenden Seite als rechts oder sogar rechtsextrem eingestuft und verpönt werden. Ich denke, da würde es sogar einige derjenigen erwischen, die jetzt mit Fingern auf andere zeigen.

Dresdener vor 1 Wochen

Man beachte den Zeitraum zu dem diese Texte verfasst wurden. Kann es sein dass das 30 Jahre her is? Vor 50 Jahren waren das in der Kirche die standartansichten. Es ist erschreckend was aus der im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit geworden ist.

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