Seilkletterer besteigen den Gipfel der Herkulessäule.
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11.06.2019 | 17:28 Uhr Was muss ich beim Klettern in der Sächsischen Schweiz beachten?

Klettern ist in. Doch wer unvorbereitet oder untrainiert klettern geht, kann schnell verunglücken. Das gilt besonders an weichem Gestein wie in der Sächsischen Schweiz. Dort war erst zu Pfingsten wieder ein Kletterer gestorben, zwei weitere verletzten sich schwer. Mit diesen Tipps klettern Sie sicherer.

Seilkletterer besteigen den Gipfel der Herkulessäule.
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Wie bereite ich mich auf eine Klettertour vor?

Vor einer Tour im Freien sollten die Sportler einen Kurs in einer Kletterhalle absolvieren. Das empfiehlt unter anderem der Bergsteigerbund. Dort können verschiedene Kletter- und Sicherungstechniken erlernt werden. Wichtig ist zu wissen, wie die Kletterausrüstung richtig eingesetzt wird sowie das Absichern und Abseilen funktioniert. Zu Beginn wird empfohlen, Routen mit leichtem Schwierigkeitsgrad zu klettern und sich schrittweise zu steigern.

"Das mit der Hallenkletterei ist aber allerhöchstens die halbe Miete", warnt Thorsten Kutschke, selbst Kletterer und Moderator der MDR-Bergsport-Sendung BIWAK. Und er fügt hinzu: "Wer vor allem in der Sächsischen Schweiz klettern will – egal in welchem Schwierigkeitsgrad – der braucht vor allem Erfahrung und viel Geduld!" Neben den Sicherheitsringen, die im Sandstein oft nur in sehr großen Abständen zu finden sind oder manchmal gar nicht, muss sich ein Bergsteiger vor allem mit Schlingen an sogenannten Sanduhren und in kleinen Rissen sichern können. "Sowas lernt man in der Halle genauso wenig wie die Techniken des Risskletterns", so Kutschke. Seine Empfehlung lautet:

Moderator Thorsten Kutschke
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Wer neu ist als Kletterer am natürlichen Fels, der sollte seinen Ehrgeiz um mindestens zwei oder drei Schwierigkeitsgrade herunterschrauben und sich zunächst erfahrene Kletterer mit Gebietskenntnis als Vorsteiger suchen. Vor allem im Sandstein sind Geduld und Lernvermögen gefragt, ehe man sich in unbekannte Routen oder sogar an die Leistungsgrenze wagt.

Thorsten Kutschke BIWAK-Moderator

Was muss ich vor einer Tour in der Sächsischen Schweiz beachten?

In der Sächsischen Schweiz darf nur an zugelassenen Felsen geklettert werden. Welche das sind, steht unter anderem in Kletterführern. Außerdem sind aktuelle Fels- und Gipfelsperrungen zu beachten. Informationen dazu findet man beim Alpenverein Sachsen oder dem Bergsteigerbund. Wichtig ist auch, die Wettervorhersage zu beachten. Das Klettern bei Nässe ist im Elbsandstein aus Naturschutzgründen untersagt, da das Gestein anfälliger und brüchiger wird. Nach Regenfällen sollte man mindestens ein oder zwei Tage warten, bis die Felsen wieder kletterbar sind, erklärt Thorsten Kutsche.

Bei einer Tour im Elbsandsteingebirge müssen zudem die Sächsischen Kletterregeln beachtet werden. So ist beispielsweise der Gebrauch von chemischen und mineralischen Stoffen verboten, die Händen mehr Reibung am Felsen geben. Jeder Kletterer soll Seilreibung vermeiden und darf Felsen nicht beschädigen oder zerstören.

Welche Ausrüstung brauche ich bei einer Klettertour?

Am wichtigsten ist eine funktionsfähige und vollständige Kletterausrüstung. Dazu gehören unter anderem Seil, Schlingen, Karabiner, Helm und Gurt. Weiterhin ist wetterfeste Kleidung empfohlen, sowie eine Trinkflasche und ausreichend Essen. Beim Klettern können in einer Stunde bis zu 700 Kalorien verbrannt werden. Wichtig sind auch ein Erste-Hilfe-Set und ein voll geladenes Handy für den Notfall. Nach der Tour können Calcium- und Magnesium-Tabletten Muskelkater vorbeugen und eine Handcreme hilft bei trockener Haut.

Muss ich für eine Klettertour besonders trainiert sein?

Klettern ist ein Ganzkörpersport. Die Sportler brauchen Koordinationsvermögen, Körperspannung, Kraft und Ausdauer. Ungeübte Kletterer sollten mit kurzen Routen beginnen, sich Zeit nehmen und nicht überschätzen. Auch die mentale Anstrengung sollte nicht unterschätzt werden, da Klettern hohe Konzentration erfordert. Um Krämpfen entgegenzuwirken, sind vor und nach dem Klettern Dehnungsübungen empfohlen.

Der Ernstfall: Wie reagiere ich bei einem Kletterunfall?

Ein schwarzes Telefon und ein Erste Hilfe Koffer.
Erste Hilfe leisten oder den Notruf wählen? Diese Frage muss im Ernstfall schnell beantwortet werden. Bildrechte: Colourbox.de

Kletterer sollten sich bewusst sein, dass Hilfe im Gebirge nicht so schnell kommt wie in der Stadt. Daher empfiehlt der Geschäftsführer des Sächsischen Bergsteigerbundes, Christian Walter, vor einer Tour Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen, denn lebenserhaltende Sofortmaßnahmen seien oft wichtiger als der Notruf. Im Notfall-Set eines Kletterers sollten unter anderem Rettungsdecke, Verbandstücher und Kompressen sein.

Das Wichtigste im Ernstfall ist: "Ruhe bewahren", sagt Christian Walter. Als erstes muss dann abgewogen werden, ob Erste Hilfe geleistet werden muss - zum Beispiel wenn der Verletzte ohnmächtig ist - oder über die 112 den Notruf wählen. Da der Empfang im Gebirge oft schlecht ist, rät Walter, einen exponierten oder höher gelegenen Punkt zu suchen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Sobald man die Rettungsleitstelle erreicht, sollte möglichst exakt die Position des Verletzten durchgegeben werden. Damit die Bergwacht informiert werden kann, muss zudem mitgeteilt werden, dass es sich um einen Kletterunfall handelt.

Quellen: MDR/Sächsischer Bergsteigerbund/Alpenverein Sachsen/kh/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.06.2019 | 19:30 Uhr

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5 Kommentare

12.06.2019 20:37 Susann Reich 5

Liebe Kollegen von MDR-Sachsen,
keiner, der in der Halle einen Kletterkurs gemacht hat, kann in der Sächsischen Schweiz klettern - das suggiert ihr Artikel leider. Das Klettern in der Sächsischen Schweiz ist mit dem Hallenklettern in keinster Weise vergleichbar, es kommen vollkommen andere Sicherungstechniken zum Einsatz. Es klingt bei Ihnen so, als würde man sich für eine Rundwanderung rüsten und nicht fürs Klettern in einem Gebiet, in dem minimale Sicherungen liegen. Das finde ich nicht gut - in einen fundierten Bericht gehört die absolut besondere Situation des Kletterns im Elbsandstein. Ich fürchte, das hat jemand verfasst, der sich damit leider keineswegs auskennt.
Beste Grüße. Susann Reich

12.06.2019 13:10 Paul 4

Ich habe erst vor 3 Jahren angefangen in der Sächsischen Schweiz zu klettern, daher mein Tipp an Einsteiger und Ortsfremde wie mich:

1) Langsam anfangen: In der Halle war ich im 7 Grad unterwegs - in Sachsen habe ich meine ersten Versuche im I- und II-Grad gemacht und es war äußerst abenteuerlich und lehrreich. Kamin- und Risstechniken lassen sich in vielen Hallen nicht üben, sind in Sachsen jedoch elementar. Insbesondere in den einfachen Routen muss man sich viel mit Kamintechnik befassen.
2) Offenheit: Die lokalen Kletterer sind ausnahmslos freundlich und hilfsbereit. Ich konnte mich oft spontan anschließen und habe dadurch vieles gelernt (Stichwort Schlingen).
3) Partnercheck bleibt wichtig: Viele Unfälle passieren insbesondere erfahrenen Kletterern durch Routine und Fehler beim Abseilen. Ruhe und gegenseitige Kontrolle helfen enorm bei der Vermeidung.
4) Zeit einplanen. Felsen und Wege finden dauert anfangs enorm lang. OpenStreetMap kennt viele Pfade und Zustiege.

12.06.2019 12:56 Kletterer 3

Wer diese Tipps zum Klettern in der Sächsischen Schweiz beachtet, klettert *nicht* sicherer! Wirklich sicher klettert man in der Sächsischen Schweiz nur, wenn man sich auskennt. Und wenn man sich (noch) nicht auskennt, dann geht man mit jemandem mit, der sich auskennt. Und wer niemanden kennt, der sich auskennt und einen mitnehmen will, der engagiert bitte einen Bergführer. Der Sandstein ist auch in nassem Zustand rau und wird - sofern er nicht von Algen überzogen ist - auch nicht rutschig. Wie vom Blau-gelb-weißen Dresdner bereits erwähnt sorgt die Nässe dafür, dass die Festigkeit des Gesteins stark herabgesetzt wird und daher ist es laut Sächsischer Kletterregel 4.3 *verboten* an nassem Gestein zu klettern, wenn die Gefahr des Ausbruchs besteht. Die Aussage es "sollte bei Regen nicht geklettert werden" ist so nicht richtig. Auf die anderen Aspekte dieses Artikels oder inwiefern die Handcreme die Sicherheit erhöhen soll, gehe ich nicht ein, da nur 1000 Zeichen zur Verfüg..

12.06.2019 09:56 Blau-Gelb-Weißer Dresdner 2

Wenn hier schon Tips gegeben werden (was ich persönlich in diesem Rahmen für falsch halte), dann bitte richtig. Der Hauptgrund, warum bei Nässe nicht geklettert werden soll, ist nicht die verminderte Reibung, sondern die reduzierte Festigkeit des Sandsteins. Klettern bei Nässe birgt die erhöhte Gefahr von Griffausbrüchen und anderen Felsbeschädigungen. Darauf sollte hingewiesen werden. Die Spuren von Kletterern, die sich nicht daran halten sind vielerorts sichtbar. Und an Wochenenden wie Pfingsten tummeln sich auch viele im Gebirge, die einfach überfordert sind und glauben, wenn sie in der Halle einen Weg hochkommen, muss das draußen auch so sein. Wenn schon Ratschläge gegeben werden, dann auch der, dass Klettern in der Halle und am realen Fels zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.

11.06.2019 17:44 Roter Bergsteiger 1

was wollen denn solche Halbfertigen und Möchtegernhelden im Naturschutzgebiet...sollte man verbieten und zur Kasse bitte wenn was passiert oder besser noch bevor was passiert zum Schutz der Natur

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