27.08.2019 | 09:50 Uhr Tharandter Forstbotaniker: "Der Regenwald ist sehr wichtig. Auch für uns."

Hohe Flammen, verbrannte Erde - der Regenwald Brasiliens steht in Flammen. Die Wälder im Amazonasgebiet brennen jedes Jahr in der Trockenzeit, doch diesmal ist es besonders heftig. Über die Auswirkungen hat MDR SACHSEN mit dem Direktor des Forstbotanischen Gartens in Tharandt, Andreas Roloff, gesprochen.

Bäume brennen im Naturpark Chapada dos Guimaraes 3 min
Bildrechte: dpa/Christian Niel Berlinck/ICMBio

Kann man die Feuer im Regenwald überhaupt noch in den Griff bekommen?

Es ist schwer einzuschätzen, wie das vor Ort zugeht. Es sind ja wohl 70.000 begrenzte Feuer. In einem Bericht hieß es, dass die vielen kleinen Feuer schwieriger in den Griff zu bekommen sind, als wenige große, weil man gar nicht mehr weiß, wo man anfangen und aufhören soll. Die arbeiten sich Feuer für Feuer vorwärts. Das dauert unendlich lange. Das soll ja noch mehr als vier Wochen dauern.

Das sind auch hausgemachte Feuer. Viele Landwirte sagen, wir müssen die Feuer legen, damit unser Weidevieh auf den Flächen grasen kann. Wir müssen ja auch von irgendwas leben. Haben Sie dafür Verständnis?

Jein. Wenn man zurückdenkt, war es bei uns mal ähnlich, dass die Waldverwüstung dazu geführt hat, dass wir seit langer, langer Zeit eine Forstwissenschaft haben. Das heißt natürlich nicht, dass das jedes Land selbst ausprobieren muss. Es ist eine Katastrophe was dort zurzeit stattfindet. Ja, es geht um die Rinder und Soja. Die Rinder werden u.a. zu Steaks verarbeitet und landen natürlich auch zum Teil bei uns und da kann man auch hier etwas bewegen, indem man schaut, wo die herkommen.

Kann der Regenwald wieder nachwachsen?

Das auf alle Fälle. Aber die Frage ist: Wie lange dauert das, wenn eine Fläche - zusammengerechnet so groß wie das Saarland - abbrennt. Das hängt auch vom Alter des Waldes ab. Wenn das 500 Jahre alte Bäume sind, ist das eine andere Geschichte, als wenn das eine neue Pflanzung ist, die abbrennt. Meist ist es ja eine Mischung aus älteren und jüngeren Bäumen. Der Wald wächst nach, dann wird es wahrscheinlich eine Artenänderung. Wenn man optimistisch ist, dauert es 20 Jahre, bis die Fläche wieder ihre Funktion für das Weltklima hat. So wie es bisher der Fall war.

Brasilien ist Tausende Kilometer weit weg. Wie wichtig ist der Regenwald für uns?

Sehr wichtig. Immerhin ein Fünftel der CO2- und Sauerstoff-Austausche finden in dem riesigen Waldgebiet dort statt, das sich ja über ganz große Teile Südamerikas erstreckt. Das ist nicht nebensächlich.

10 TIPPS ZUM KLIMASCHUTZ So können auch SIE den Regenwald schützen!

Ein junger Mann vor einem Fleischregal
1. Auf Fleisch verzichten! Wer Fleisch isst, schadet dem Regenwald - auch wenn es sich nicht um ein brasilianisches Steak handelt. Denn zur Ernährung unserer Nutztiere werden u.a. große Mengen an Soja importiert - und der Sojaanbau hat einen großen Anteil an der Regenwald-Rodung. Bildrechte: Colourbox.de
Ein junger Mann vor einem Fleischregal
1. Auf Fleisch verzichten! Wer Fleisch isst, schadet dem Regenwald - auch wenn es sich nicht um ein brasilianisches Steak handelt. Denn zur Ernährung unserer Nutztiere werden u.a. große Mengen an Soja importiert - und der Sojaanbau hat einen großen Anteil an der Regenwald-Rodung. Bildrechte: Colourbox.de
Braun-weiße Kühe auf einer Weide
2. Fleisch aus regionaler Haltung konsumieren und auf Massentierhaltung verzichten! Im Jahr 2018 kamen über 40 Prozent der Rindfleischexporte der EU aus Brasilien. Wer auf Fleisch nicht ganz verzichten möchte, der sollte zumindest darauf achten, dass es aus nachhaltiger Tierhaltung und aus der Region kommt. Gleiches gilt natürlich für Milch, Eier oder Leder. Bildrechte: Colourbox.de
Holzstämme
3. Möbel aus heimischer Produktion kaufen! Um die Abholzung in den Tropen nicht zu unterstützen, sollte man auch beim Kauf von Holzmöbeln darauf achten, dass sie aus heimischer Produktion stammen. Wer unsicher ist, dem hilft das  FSC-Label zur Orientierung. Tropenholz wird häufig illegal gehandelt. Bildrechte: Colourbox.de
Ein glühender Barbecue-Grill
4. Grillkohle aus deutscher Produktion kaufen! Gleiches gilt für Grillkohle. Denn auch die wird aus Kostengründen häufig in den Regenwäldern produziert und trägt zu deren Abholzung bei. Bildrechte: Colourbox.de
Toilettenpapier
5. Recycling-Toilettenpapier nutzen! Papiertaschentücher, Küchenrolle, Toilettenpapier - unser Papierverbrauch im täglichen Bedarf ist höher als man denkt. Sinnvoll ist es, hier auf Recyclingprodukte zurückzugreifen. Bildrechte: Colourbox.de
Palmen-Plantage
6. Auf Palmölprodukte verzichten! Aus Kostengründen wird für zahlreiche Produkte Palmöl verwendet - vor allem in Süßigkeiten. Im Amazonasgebiet spielt Palmöl zwar eine untergeordnete Rolle, dennoch trägt man mit dem Verzicht auf konventionelles Palmöl zum Schutz des Regenwaldes bei. Bildrechte: Colourbox.de
Geldscheine und Münzen
7. Zu einer nachhaltigen Bank wechseln! Die meisten Großbanken investieren Millionenbeträge in die brasilianische Viehzucht und den Sojaanbau - und tragen damit dazu bei, dass der Regenwald zerstört wird. Mittlerweile gibt es zahlreiche Alternativen. Nachhaltige Banken investieren Ihr Geld weder in die Regenwaldabholzung, noch in Waffen- oder Atomgeschäfte. Bildrechte: Colourbox.de
Zweig mit grünen Blättern, davor Euromünzen.
8. Aufforstungsprojekte unterstützen! Ob nachhaltige Suchmaschinen, Tropenwald-Stiftungen oder Umweltorganisationen - man kann zahlreiche Institutionen unterstützen, die sich für die Aufforstung des Regenwalds stark machen - und das auch ohne ganz tief in die Tasche greifen zu müssen. Bildrechte: Colourbox.de
Verschiedene Computerplatinen liegen auf einem Haufen.
9. Recycling von Elektronikartikeln! Im Amazonasgebiet gibt es zahlreiche Bodenschätze, aus denen u.a. Rohstoffe für Elektronikartikel gewonnen werden. Allein schon der Umwelt zuliebe ist es sinnvoll, schonend mit Elektronikartikeln umzugehen, Handys und Tablets auch aus zweiter Hand zu kaufen bzw. eigene Geräte zu recyclen. Bildrechte: Colourbox.de
Twitterlogo und ein Hashag
10. Informieren und Informationen weitergeben! Lange hat es gedauert, bis die Problematik der brennenden Regenwälder zu uns vorgedrungen ist. Unter Hashtags wie #PrayforAmazonia, #Amazonrainforest oder #AmazonFires kann man in den sozialen Netzwerken zahlreiche Informationen zum Thema finden - und auch seine eigenen Gedanken teilen. Bildrechte: Colourbox.de
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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 26. August 2019 | 17:15 Uhr

Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.08.2019 | 5-10 Uhr

1 Kommentar

kennemich vor 2 Wochen

Wieso merken die so plötzlich das mit dem Regenwald?

Als schon so viel für Palmöl und andere Sachen abgeholtz wurde wo waren da auch diese guten EU-Regierungen ???

Wir doch nicht hoffen, das es wie immer nicht gemerkt wurde ?

Wie brachten sie heute Mittag bei ARD/ZDF, dass immer mehr Klimaanlagen aufgebaut werden und wenn das so weiter geht in 2050 durch diese Dinger der zweithöchste Stromverbrauch nach der Industie entsteht !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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