Aufgebrochener Beton eines Autobahnfahrstreifens
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25.06.2019 | 13:20 Uhr Hitze beschädigt Betonbelag: Wer zahlt den Autoschaden?

Die Hitze bringt auch Straßenbelag zum Bersten. Wer zahlt eigentlich den Autoschaden durch geschädigte Betondecken? Und gilt bei Unfällen immer noch, dass der Auffahrende Schuld hat? Welche Strafen drohen Gaffern? MDR SACHSEN fragt bei Lars Pätzhorn nach. Er ist Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Aufgebrochener Beton eines Autobahnfahrstreifens
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Aufgrund der Hitze gibt es im Großraum Leipzig erste Schäden auf der Autobahn. Der Beton ist aufgebrochen, Platten haben sich verschoben. Wer zahlt die Schäden am Auto?

Lars Pätzhorn: Das kann die Kommune sein. Aber nur dann, wenn ich ihr ein vorwerfbares Verhalten nachweisen kann. Das heißt, die Kommune muss Kenntnis davon haben und nicht rechtzeitig reagiert haben. Wenn unmittelbar vor mir die Autobahn aufbricht, kann die Kommune dafür nicht haftbar gemacht werden.

Wer zahlt dann, wenn nicht die Kommune?

Dann muss ich es bezahlen bzw. meine Vollkasko-Versicherung, sofern ich eine abgeschlossen habe.

Wie sichert man da Beweise? Auf der Autobahn ist ja fließender Verkehr.

Nach einem Unfall kann ich auf den Standstreifen fahren bzw. zum nächsten Parkplatz. Da wird in der Regel auch die Polizei gerufen und die sichert vor Ort die Beweise und macht Fotos. Dann wird sofort die Kommune unterrichtet, denn der Standort muss sofort abgesichert werden.

Bei der Wärme sind viele Autofahrer unkonzentrierter. Es passieren nachweislich mehr Unfälle. Gilt immer noch, wer auffährt, hat Schuld?

Zuerst: Jeder der ins Auto einsteigt, muss in einem fahrfähigen Zustand sein, Hitze hin oder her. Wer auffährt, hat Schuld. Das ist eine Grundsatzthese. Aber es gibt Unterschiede, nämlich wenn unmittelbar vor mir ein Fahrspurwechsler in meine Fahrbahn eindringt und ich fahre auf. Dann hab nicht ich Schuld, sondern der Fahrspurwechsler.

Ein großes Problem sind Gaffer, die am Unfallort fotografieren und filmen und die Rettungskräfte behindern. Gibt es bereits ein festgelegtes Strafmaß für Gaffer?

Lars Pätzhorn, Fachanwalt für Verkehrsrecht, im Hörfunkstudio
Lars Pätzhorn ist Fachanwalt für Verkehrsrecht und berät regelmäßig bei MDR SACHSEN Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir müssen differenzieren zwischen nur gaffen und filmen. Filmen ist strafbar nach Paragraf 201a, Strafgesetzbuch. Das gibt eine Geldstrafe bzw. Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren. Dabei ist es unerheblich, ob ich die Filmaufnahme verbreite oder nicht. Allein das Filmen ist strafbar. Gaffer werden mit einem Bußgeld von 20 bis 1.000 Euro bestraft, je nach Schwere. In dem Moment, wo ich gaffe, unterlasse ich die Hilfeleistung. Das ist ein Straftatbestand, der geahndet wird. Wenn Rettungsarbeiten behindert werden, erhöht sich das Bußgeld.

Ein großes Thema auf der Autobahn ist die Rettungsgasse. Motorradfahrer nutzen die gern, um vor zu fahren. Ist das erlaubt?

Nein, das ist nicht erlaubt, der Verkehrsteilnehmer überholt verkehrswidrig. Das wird mit einem Punkt in Flensburg bestraft und 100 Euro Geldbuße.

Muss ein PKW-Fahrer mit einer Strafe rechnen, wenn er die Rettungsgasse verstellt?

Das ist mittlerweile scharf sanktioniert wurden und kostet 200 Euro und zwei Punkte. Wenn dadurch noch eine Gefährdung, eine Behinderung oder ein Unfall verursacht wird, gibt es noch einen Monat Fahrverbot als Extra obendrauf.

Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.06.2019 | 10-13 Uhr

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2 Kommentare

26.06.2019 12:39 Erzer 2

So einen Unfug hab ich noch nicht gehört !! Liebe Redaktion, prüft das doch noch mal !!
Die Bundesautobahn gehört den Bund an, für die Unterhaltung und Instandsetzung sind die regionalen Autobahnmeistereien zuständig. Also müsste man sich, wenn, an das Lasuv wenden. Was sollen bitteschön die Kommunen in der Nähe da ausrichten, zumale in der Regel die Autobahnen noch Kilometer entfernt von den Städten liegen ?!

25.06.2019 13:46 Reinhard Sch 1

Autobahnen sind im Eigentum des Bundes. Da muss man sichan die Autobahn Meisterei wenden und nicht an die nächsten Kommunen. Selten so schlecht informiert worden.