22.07.2019 | 12:30 Uhr Wie sicher sind Kochmaterialien?

Kürzlich gab es einen Aufschrei in Deutschland: Vermeidlich gesundes Bambusgeschirr soll schädlich sein. Gilt das auch für andere Materialien in der Küche? Gerade in Kochshows und in sozialen Medien wimmelt es von Tricks, wie das Kochen und Backen mit und in alternativen Behältnissen kreativer gestaltet werden kann. Doch nicht jeder Tipp ist nachahmenswert. Zum Beispiel dann, wenn Materialien zum Einsatz kommen, die für das Zubereiten von Lebensmitteln nicht geeignet sind. MDR SACHSEN fragt nach.

Brot backen im Blumentopf 3 min
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Was ist ein sogenanntes Lebensmittelkontaktmaterial?

Egal ob Kaffeetasse, Brotdose, Getränkeflasche oder Auflaufform - Lebensmittel kommen, wenn sie zubereitet oder zum Verzehr angeboten werden, immer mit Stoffen und Gegenständen in Berührung. Diese Küchenprodukte werden als Lebensmittelkontaktmaterialien bezeichnet und unterliegen strengen, gesetzlichen Regelungen.

Von einem sogenannten Lebensmittelkontaktmaterial dürfen keine Stoffe auf das Lebensmittel übergehen. Es gibt Ausnahmen, wo es technisch nicht vermeidbar ist. Da muss aber klar sein, dass die Menge, die von diesem Stoff übergeht, nicht gefährlich ist und zu keinen Veränderungen des Lebensmittels führt, geschmacklich und geruchlich.

Nina Bansbach | Pressesprecherin beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Die Hersteller von Materialien, die mit Getränken und Speisen in Berührung kommen, unterliegen einer großen Sorgfaltspflicht. Sie müssen bereits bei der Auswahl der Rohstoffe berücksichtigen, dass das Endprodukt mit Essbarem in Berührung kommen soll.

Brot im Blumentopf backen - gesunder Genuss?

Brot in Blumentöpfen aus Ton zu backen ist "in", aber bedenklich. "Der Hersteller eines Blumentopfes, stellt seinen Blumentopf so her, dass der Topf für die Blume gut ist und der Mensch dadurch keinen Schaden hat", sagt Nina Banspach. Der Blumentopf-Hersteller führt keine Tests durch, die eine gesundheitliche Sicherheit garantieren, wenn jemand sein Brot darin backt. Das bedeutet aber nicht, dass der Blumentopf an sich schlecht ist. Er ist nur für die Nutzung "Brot backen" nicht vorgesehen.

Hähnchen auf Bierdose - wirklich zu empfehlen?

Eine Bierdose ist zum Bier trinken hergestellt worden und nicht, um darüber ein küchenfertig gewürztes Huhn zu stülpen und dann zu grillen. Eine Bierdose wird hinsichtlich dieser, zugegeben beliebten Zweitverwertung, nicht getestet.

Wie kommen Gifte ins Essen?

Plastedosen mit bunten Deckeln und eine Kaffeetasse stehen auf einem Tisch.
Materialien, wie z.B. Kunststoff, können unter bestimmten Vorraussetzungen Inhaltsstoffe an Nahrung abgeben. Damit das nicht passiert, gibt es strenge Kontrollen im Labor. Bildrechte: MDR SACHSEN

Nina Bansbach vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erklärt, dass Materialien, die aus Kunststoff, aus Metall oder aus Verbundstoffen sind, bei bestimmten Prozessen Inhaltsstoffe abgeben und auch potentiell gesundheitsgefährlich sein können. Beim Erhitzen können sich beispielsweise von der Lackschicht im Inneren der Bierdose Stoffe lösen, die dann über den Alkoholdampf in das Fleisch übergehen. Auch die gegrillte Außenseite der Dose, kann, aufgrund ihrer nicht hitzebeständigen Farb- und Lackschichten, eine "bedenkliche Würze" hervorrufen.

Beliebt, aber ungesund: Schokoschalen mit Luftballons selbst herstellen

Als gesundheitsgefährdend stuft Nina Bansbach auch essbare Dessertschalen aus Schokolade ein, die mit Hilfe von Luftballons in Schalenform gebracht werden. Der Grund: Luftballons bestehen aus Kautschuk und daraus können beim Herstellungsprozess Nitrosamine entstehen, die krebserregend sind. Deshalb sollte man die Luftballons nicht in Schokolade tauchen und daraus Schokoförmchen herstellen.

Was sind Nitrosamine?

Nitrosamine kommen z.B. in Lebensmitteln und Tabak vor und enthalten krebserregende Substanzen, die aus Nitriten und Aminen entstehen. Die Bildung erfolgt nur unter bestimmten Voraussetzungen, vor allem im sauren Milieu, wie es etwa im menschlichen Magen herrscht.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit rät, beim kreativen Backen und Zubereiten von kulinarischen Köstlichkeiten besser auf Materialien zurückzugreifen, die für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet und zugelassen sind.

Quelle: MDR/in/ke/chemie.de

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.07.2019 | 10-13 Uhr

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1 Kommentar

23.07.2019 01:58 part 1

Daneben haben wir noch die ursprünglichen Lebensmittelverpackungen, Tetrapacks, Konservendosen, bunt bedruckte Pappkartons und PET- Flaschen und sehr viel Plastik- Einweg, das allessamt bestimmte Schadstoffe freisetzt in Abwesenheit von Langszeitstudien. Konservengläser und Glasflaschen sind dabei die Alternative.