ein Rentnerpaar am Computer
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18.06.2019 | 14:06 Uhr Renten steigen am 1. Juli: Was sollten Rentner wissen?

Die Bezüge der rund 20 Millionen Rentner in Deutschland steigen zum 1. Juli 2019 spürbar. Aber erscheint diese Erhöhung real auf dem Konto? Muss ich etwas beachten? Und könnten die Renten zukünftig auch mal sinken? MDR SACHSEN hat mit dem unabhängigen Rentenberater Christian Lindner gesprochen.

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Wie steigen die Renten am 1. Juli 2019? In Westdeutschland steigen die Renten um 3,18 Prozent, im Osten sogar um 3,91 Prozent. Eine monatliche Rente von 1.000 Euro, die nur auf West-Beiträgen beruht, erhöht sich dadurch um 31,80 Euro, eine gleichhohe Rente mit Ost-Beiträgen um 39,10 Euro.

Erscheint die Rentenerhöhung real auf dem Konto?

Christian Lindner: Die Erhöhung betrifft immer den aktuellen Rentenwert, aus dem sich die Rente zusammensetzt. Rentner, die vorzeitig mit Abschlägen Rente in Anspruch genommen haben, müssen von der Erhöhung erstmal die individuellen Abschläge abziehen. Von dem, was dann übrig bleibt, wird der Beitragsanteil zur Kranken- und Pflegversicherung abgezogen. Das sind ca. elf Prozent, je nach  Krankenkasse, die da nochmal abgehen.

Viele Sachsen ärgern sich, dass von der Rentenerhöhung fast nichts ausgezahlt wird. Stimmt das?

Christian Lindner
Berät regelmäßig bei MDR SACHSEN: Rentenberater Christian Lindner Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von der Rentenerhöhung bleibt immer etwas übrig, es sei denn, man ist Grundsicherungsempfänger. Dieser bekommt zwar mehr Rente, die aber bei der Grundsicherung gegengerechnet wird. Für den normalen Rentner bleibt etwas übrig, auch wenn man dadurch in die Besteuerung der Rente reinkommen sollte. Das sind aber nur ein paar Euro. Es ist aber nicht so, dass die Rentenerhöhung von der Steuer komplett aufgefressen wird.

Kann man einer Rentenerhöhung auch widersprechen?

Man kann gegen die Rentenanpassung Widerspruch einlegen. Die Rentenversicherung wird den aber zurückweisen müssen, weil sie nur das getan hat, was gesetzlich vorgeschrieben ist, nämlich, die Rente zu erhöhen. Im Einzelfall kann es die Konstellation geben, wo es sinnvoll ist, einen bestimmten Schwellenwert nicht zu überschreiten. Dann kann man ganz oder teilweise auf die Rentenerhöhung verzichten. Verzicht ist rechtlich möglich.

Können Renten auch mal sinken?

Eine Minderung des aktuellen Rentenwerts ist gesetzlich ausgeschlossen.

Warum ist die Rentenerhöhung in Ost und West immer noch unterschiedlich?

zwei Münzstapel, davor Figuren
Die Renten in Ost und West sind immer noch unterschiedlich hoch, aber nicht mehr lange. Bildrechte: imago/Steinach


Das hängt mit der unterschiedlichen Bruttolohnentwicklung zusammen. Und ein weiterer Grund ist die gesetzliche stufenweise Angleichung der aktuellen Rentenwerte. Das bedeutet, dass wir am 1. Juli 2024 eine vollständige Angleichung erreicht haben werden. Dann gibt es nur noch den aktuellen Rentenwert ohne Differenzierung zwischen Ost und West. Aktuell liegen wir im Osten bei einem Rentenwert von 96,5 Prozent des Rentenwertes West.

Werden die Rentner über die Rentenerhöhung am 1. Juli schriftlich informiert?

Ja, da gibt es eine schriftliche Rentenanpassungsmitteilung vom Versicherungsträger zugeschickt. Teilweise ist der Brief bereits bei einigen ins Haus geflattert. Die Information kann aber auch erst nach dem 1. Juli kommen. Da gibt es keinen Stichtag.

Ab wann ist die höhere Rente auf dem Konto?

Das hängt davon ab, wann der Rentner in Rente gegangen ist. Die Rentner, die vor April 2004 in Rente gegangen sind, bekommen ihre Rente vorschüssig, also immer zum Monatsanfang für den laufenden Monat, also Anfang Juli. Diejenigen, die später in Rente gegangen sind, bekommen die Rente nachschüssig, zum Monatsende.

Gibt es auch Rentner, die keine Rentenerhöhung erhalten?

Es gibt Fälle, bei denen maschinell geregelt ist, dass jemand in diesem Anpassungsverfahren nicht mit drin ist. Das kann unterschiedliche Gründe haben, zum Beispiel, wenn die Rentenversicherung irgendwann mal festgestellt hat, dass es vor Jahren eine fehlerhafte Rentenberechnung gab, sie die Rente aber nicht mindern konnte. Dann wird die alte, fehlerhafte Rente solange weitergezahlt, bis die neue rechtmäßige Rente diesen Betrag übersteigt. Wer keine Rentenanpassung bekommt, sollte beim Rentenversicherungsträger ruhig nachfragen, damit er weiß, woran es liegt.

Welche Frage zum Thema Rente treibt die Sachsen im Moment am meisten um?

Viele wollen wissen, wie sie ihren Weg in die Rente geschickt gestalten können. Wie sie möglichst früh, mit wenigen Abschlägen, in Rente gehen können. Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es, z.B. eine Altersteilzeit vorschalten, die Flexirente nutzen. Auch junge Leute fragen nach, wie sie ihre soziale Sicherung organisieren können.

Das gesamte Beratungsgespräch nachhören:

Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.06.2019 | 10-13 Uhr

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4 Kommentare

19.06.2019 10:37 Sigg 4

@ 2 ja das stimmt ganz genau, wir erhalten erst Ende des Monats unsere Rente, ist eine Sauerei ! die alt Rentner die schon keinerleie Abzüge haben wie wir entweder 18 % oder 7 , 3 % erhalten die Rente am Monats anfang.

19.06.2019 10:35 Sigg 3

man kann ja wirklich ehrlich dazu sagen die steigen wie die Diäten in Euro ........
diese Schälergroschen für uns können diese behalten dafür müssen wir in jeder Hinsicht überall wieder mehr bezahlen und schöne Steuererhöhungen mehrfache werden jetzt auch kommen , das Geld ist alle beim Scholz !

18.06.2019 19:58 Frührentner 2

uns betrügt die DRV um einen Monat weil wir erst Ultimo (also am letzten Arbeitstag) Rente auf Konto bekommen

18.06.2019 16:36 Montana 1

Wie heißt es doch: Zum leben zu wenig , zum sterben zu viel.