Die Raupe des Schwammspinners
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20.06.2019 | 09:20 Uhr Insektenkundler: "Schwammspinner-Plage reguliert sich selbst"

Sie krabbeln die Beine hoch, sie fressen den Garten leer: Schwammspinner-Raupen vermehren sich gerade explosionsartig, auch in Sachsen, vor allem in Waldstücken rund um Leipzig, aber auch schon im Vogtland und der Oberlausitz. Wie fies und eklig sind sie wirklich? Und schadet der Schwammspinner-Befall dem Wald langfristig? Der sächsische Insektenkundler und Förster Thomas Sobczyk klärt auf.

Die Raupe des Schwammspinners
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Sind die Schwammspinner wirklich so fies und eklig?

Insektenkundler Thomas Sobczyk: Die Raupen werden fünf bis acht Zentimeter lang, haben lange Haare und sind deshalb sehr unangenehm. Sie können schon zur Plage werden. Sie suchen sich jetzt gegenwärtig einen Platz zum Verpuppen und sind natürlich dadurch sehr agil. Raupen haben ja an sich für die Bevölkerung keinen so positiven Ruf.

Bevor sich die Raupen verpuppen, fressen sie im Moment viele Bäume leer. Ist das für den Wald wirklich gefährlich oder erholt der sich wieder relativ gut?

Die Schwammspinner sind eine einheimische Schmetterlingsart, die es schon seit Jahrhunderten gibt, in Sachsen und in der gesamten Bundesrepublik. Wir haben in den letzten 30 Jahren immer wieder Massenvermehrung in Wäldern, vor allem in Eichenwäldern. Das führt natürlich bei ganz starkem Befall auch zum Kahlfraß. Die Bäume sind dann komplett entlaubt. Die Raupen fressen dann alles, was irgendwie grün ist. Im Normalfall treiben solche Bäume wieder aus.

Schadet der ständige Befall den Bäumen nicht auf Dauer?

Kahlgefressene Roteichen in einem Wald am Cospudener See südlich von Leipzig
Kahlgefressene Roteichen in einem Wald am Cospudener See südlich von Leipzig. Bildrechte: dpa

Die Eiche ist das gewohnt, immer mal wieder kahlgefressen zu werden. Die kann das in guten Jahren drei bis fünf Mal hintereinander aushalten. Das Problem, das wir gegenwärtig haben, ist natürlich, dass es diese extreme Trockenheit gibt, die es auch schon im letzten Jahr gab. Dadurch sind die Eichen geschwächt und mit dem zusätzlichen Fraß von Insekten kann es dann natürlich relativ schnell zum Absterben von einzelnen Bäumen oder ganzen Waldbeständen kommen.

Ich bin da eher auf der Seite, dass ich sage, vieles reguliert sich selbst.

Thomas Sobczyk Insektenkundler und Förster

Sollte man irgendwas gegen den Schwammspinner unternehmen?

Ich bin da eher auf der Seite, dass ich sage, vieles reguliert sich selbst. Man muss das jetzt beobachten. Im Moment sind es in Sachsen noch keine Riesenflächen. Es ist auch das erste Jahr. Dann ganz schnell eine Empfehlung rauszugeben und mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln, wäre sicherlich der falsche Weg.

Illustration: Der Leben eines Schwammspinners - Kreislauf
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ist ein Ende der Plage in Sicht?

Die Raupen sind ja jetzt erwachsen. Sie suchen einen Verpuppungsort und in einer Woche oder in 14 Tagen sind die alle verschwunden und als Puppen an den Bäumen inaktiv. Sie fliegen dann ab Juli als Falter umher, die sind recht groß und dick und sehen aus wie Motten.

Kann man den geschädigten Bäumen helfen und einen neuen Befall verhindern?

Man kann nun das zweite Halbjahr nutzen, um zu schauen, wo die Eigelege sind. Die sind eigroß und sehen aus wie Schwämme. Deshalb heißt der Falter auch Schwammspinner. In einem Schwamm sind 300 bis 400 Eier und die kann man ganz leicht abkratzen und entfernen. Im kleinen Maßstab kann man mechanisch viel unternehmen, um im nächsten Jahr diesen Schaden nicht nochmal zu haben.

Bildergalerie Schwammspinner ruinieren Wälder - Hoffnung auf zweiten Austrieb

Die Raupe des Schwammspinners
Sind einzeln harmlos, in der Masse aber belastend für die Wälder - die Schwammspinner-Raupen. Bildrechte: dpa
Die Raupe des Schwammspinners
Sind einzeln harmlos, in der Masse aber belastend für die Wälder - die Schwammspinner-Raupen. Bildrechte: dpa
Die Raupe des Schwammspinners
Die Raupen fressen die frischen Blätter. Bildrechte: dpa
Kahlgefressene Roteichen in einem Wald am Cospudener See südlich von Leipzig
Die befallenen Wälder sind so kahl, dass sie beinahe Winterstimmung verbreiten. Bildrechte: dpa
Die Raupe des Schwammspinners
In wenigen Tagen sollen sich die Raupen verpuppen. Die Bäume könnten sich dann mit einem zweiten Austrieb regenerieren. Bildrechte: dpa
Eine nahezu ausgewachsene Raupe eines Schwammspinners krabbelt auf einem Blatt.
Besonders in heißen Jahren vermehren sich die Schadinsekten. Bildrechte: dpa
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Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 2ß.06.2019 | 5-10 Uhr

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4 Kommentare

20.06.2019 13:36 W. Merseburger 4

@ 3 Mueller F,
was eben nicht korrekt bezüglich der diesjährigen Niederschlagsmengen ist, zu behaupten, wir haben wieder eine extreme Trockenheit. Die Regenmengen lagen z.B. im Mai in Sachsen-Anhalt bei etwa 95% des langjährigen Durchschnitts. Natürlich können die Defizite von 2018 nicht kurzfristig ausgeglichen werden, dafür bräuchten wir langanhaltendes Hochwasser. Manchmal habe ich den Eindruck, dass bestimmte politische Strömungen das nächste Wetterextrem insbesondere Dürre herbeisehnen und herbeireden, nur weil sie recht haben wollen bezüglich ihrer Prognose des verheerenden Kliumawandels.

20.06.2019 11:41 MuellerF 3

@1: Nach meiner Ansicht hat der Herr bzgl. der Trockenheit allgemein gesprochen- und da hat er nun mal Recht, es ist bereits das 2. Jahr in Folge mit unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen. Und die Wasserreservoirs der Böden sind auch nicht mal eben durch ein paar stärkere lokale Niederschläge wieder aufgefüllt!

20.06.2019 10:37 W. Merseburger 2

Zusatz,
ich habe mir die im Internet veröffentlichten Zahlen zur Regenmenge, gemessen in Leipzig Holzhausen, angesehen. In der Zeit vom 5. bis 12. Juni 2019 sind dort ca. 34,5 Liter pro Quadratmeter gemessen worden. Soviel zur extremen Dürre.

20.06.2019 09:59 W. Merseburger 1

Dieser Artikel zum Problem Schwammspinner verniedlicht den Schaden und es wird so getan, als ob es nicht besorgniserregend ist, wenn mal so rund 40 Hektar Wald kahlgefressen werden. Heute gibt es moderat wirkende chemische Mittel, um solche Extremfälle zu unterbinden. Aber ein Insektenkundler sieht das eben anders. Und natürlich darf er die Unwahrheit sagen, dass durch die gegenwärtig herrschende extreme Dürre in Kombination mit der extrem extremen Dürre von 2018 den Eichen die größte Gefahr droht. Vielleicht sollte der Insektenkundler mal eine Wetterstation in der Nähe des Cospudener Sees kontaktieren und dann die tatsächliche Niederschlagsmenge erfahren und nicht im Kaffeesatz "forschen".