Ausgetrockneter und gerissener Boden
Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

17.06.2019 | 05:00 Uhr Klima in Sachsen: Es wird wärmer und die Sommer trockener

2018 war nicht nur in Sachsen ein Jahr der Klima-Extreme. Anhaltende Hitze und fehlender Niederschlag sorgten für das statistisch wärmste und zweittrockenste Jahr im Freistaat seit fast 140 Jahren. Müssen wir uns an solche Wetter-Verhältnisse gewöhnen? MDR SACHSEN hat anlässlich des Welttags für die Bekämpfung der Wüstenbildung und der Dürre mit dem Wissenschaftler Thomas Pluntke vom Institut für Hydrologie und Meteorologie der TU Dresden über die klimatischen Veränderungen gesprochen.

Ausgetrockneter und gerissener Boden
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Wie haben sich die Durchschnittstemperaturen in Sachsen entwickelt?

Seit 1881 liegt für Sachsen eine Messreihe mit den Jahresdurchschnittstemperaturen vor. "Dass es wärmer wird, können wir damit eindeutig belegen", sagt Wissenschaftler Thomas Pluntke von der Professur Meteorologie der TU Dresden im Gespräch mit MDR SACHSEN. Demnach sind die Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnung um 2 Grad Celsius gestiegen. Diese Zahlen zeigen laut Pluntke, dass Sachsen der globalen Entwicklung folgt.

Temperaturentwicklung in Sachsen
Die Grafik zeigt die Jahresdmitteltemperatur in Sachsen seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Aus den Daten geht unter anderem hervor, dass 1940 das kälteste und 2018 das wärmste Jahr war. Das elfjährige gleitende Mittel* zeigt den Trend beim Temperaturanstieg von 7,4 Grad Celsius auf 9,2 Grad Celsius.

*Das elfjährige gleitende Mittel wird genutzt, um Schwankungen auszugleichen. Der Zeitraum richtet sich nach dem Sonnenfleckenzyklus.
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Lassen sich bei den Niederschlagsmengen ähnliche Beobachtungen machen?

Bei den Niederschlägen ist die Entwicklung nicht so eindeutig, da es langfristige Schwankungen gibt. "Wenn wir beispielsweise die letzten 60 Jahre betrachten, nehmen die Jahresniederschläge zu", erklärt Pluntke.

Auffällig sind jedoch die abnehmenden Niederschläge in der Vegetationsperiode 1 von April bis Juni. In der darauffolgenden Vegetationsperiode 2 regnet es zwar mehr, aber häufig in Form von Starkregen, der im Wechsel mit Trockenperioden auftritt.  Das Wasser kommt den Pflanzen und dem Grundwasser nicht optimal zugute.

Niederschlagsentwicklung in Sachsen
Überblick über die Niederschlagsmengen in Sachsen seit 1881: Hier ist - anders als bei der Entwicklung der Jahresmitteltemperatur - kein eindeutiger Trend zu erkennen. Laut den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes war 1926 das niederschlagreichste und 1982 das trockenste Jahr. Bildrechte: MDR SACHSEN

Welchen Einfluss haben die Veränderungen bei Temperatur und Niederschlag auf den Grundwasserspiegel?

Wie Daten des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie belegen, sind die Grundwasserspiegel an vielen Messstellen tendenziell rückläufig. Besonders starke Rückgänge gab es zuletzt 2003 und 2018.

Der langfristige, negative Trend ist laut Pluntke eine Folge der erhöhten Temperatur. Bei hohen Temperaturen kann potenziell mehr Wasser verdunsten. Zieht man von den Niederschlägen diese Verdunstung ab, so ergibt sich die Klimatische Wasserbilanz. Diese weist in den letzten Jahrzehnten einen rückläufigen Trend im Sommer auf, es steht weniger Wasser für die Flüsse und das Grundwasser zur Verfügung. Das ist ein Anzeichen für eine zunehmende Trockenheit.

Was sind die Ursachen für die klimatischen Veränderungen?

Als Ursache für die Temperaturveränderungen nennt Pluntke den Klimawandel. Bei den Niederschlägen ist es wegen der starken Variabilität nicht ganz so eindeutig. Die Veränderungen können sowohl auf dem Klimawandel, wie auch auf natürlichen Schwankungen beruhen. Allerdings gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Temperatur und Niederschlägen: Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Dieses "mehr" an Wasser in der Atmosphäre, kann wiederum zu stärkeren Niederschlägen führen, so Pluntke.

Hinzu kommt, dass durch die globalen Temperaturveränderungen sogenannte großräumige atmosphärische Strömungsmuster beeinflusst werden. Das heißt, dass sich Hoch- und Tiefdruckgebiete nicht mehr so häufig abwechseln, sondern stattdessen langandauernde Wetterlagen auftreten. "Ein gutes Beispiel dafür war das stabile Hochdruckgebiet im vergangenen Jahr, wodurch wir diese trockene und heiße Phase hatten", erklärt der Wissenschaftler.

Gibt es Regionen in Sachsen, die stärker von den Veränderungen betroffen sind?

Grundsätzlich lässt sich in Sachsen beobachten, dass es in höheren Lagen mehr Niederschläge gibt. Demnach sind der Norden und Osten des Freistaates Regionen, in denen es wegen der Geländehöhe von vorneherein trockener ist. Diese Landstriche waren in den vergangenen Jahrzehnten zudem häufiger von Trockenperioden betroffen, sodass die Lage dort - beispielsweise für die Forst- und Landwirtschaft - am angespanntesten ist. Im Gegensatz dazu sind im Erzgebirge keine besonderen Auffälligkeiten gegenüber den sachsenweiten Veränderungen zu beobachten.

Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf die Umwelt, Flora und Fauna?

Ein Mann in blau kariertem hemd steht vor einer Hecke
Thomas Pluntke Bildrechte: TU Dresden/Lassig

Die Flora und Fauna ist an unser Klima angepasst. An den rapiden Temperaturanstieg können sich die Tiere und Pflanzen gar nicht oder nur begrenzt einstellen. Es ist allerdings zu beobachten, dass Tiere und auch manche Pflanzen inzwischen in höhere Lagen "gewandert" sind. Zugleich fühlen sich neue Tiere und Pflanzen durch die Klimaveränderungen bei uns wohl, die es in der Vergangenheit nur im mediterranen Raum gab. Das bringt insgesamt Vor- und Nachteile: Problematisch können Krankheitserreger sein oder eingewanderte Tiere und Pflanzen, die einheimische Arten verdrängen. Profitieren können beispielsweise der Wein- und Obstbau von wärmeren Temperaturen.

Was können wir gegen die Folgen der Klimaveränderung tun?

Dazu laufen auch an der TU Dresden aktuell mehrere Projekte an der Professur. Die Wissenschaftler beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, wie sich Kommunen auf den Klimawandel einstellen können, sagt Pluntke und nennt einige prinzipielle Leitsätze: So muss es in Städten wieder mehr Grün- und Wasserflächen geben. Mehr Bäume sorgen für mehr Schatten und durch weniger versiegelte Flächen kann Regenwasser ins Grundwasser versickern. Denn sobald Wasser über die Kanalisation in die Flüsse abfließt, ist es für die Landschaft "verloren". Außerdem müssen Flächen erhalten werden, auf denen Kaltluft entsteht, die nachts für Abkühlung sorgen. Ein schlechtes Beispiel sei der Bau der Autobahn 17, die den Abfluss kühler Luft in die Stadt vermindert. Auch der Hochwasserschutz spielt eine wichtige Rolle, um die Folgen von Starkniederschlägen einzugrenzen.

In der Landwirtschaft wird vielerorts auf eine konservierende Bodenbearbeitung gesetzt. Ein Bestandteil ist das Mulchen, bei dem der Boden mit unverrotteten Pflanzenmaterial bedeckt und so mehr Wasser im Boden gehalten wird. Weiterhin ist es hilfreich, für eine bessere Versickerung und zur Vermeidung von Bodenabtrag Zwischenbegrünung anzupflanzen. Heckenstreifen zwischen geneigten Äckern und Wohnsiedlungen sind zudem ein Erosionsschutz und halten Wasser und Schlamm auf.

In der Forstwirtschaft ist es wichtig, weitestgehend auf Monokultur zu verzichten und mehr auf Mischwälder zu setzen, da diese widerstandsfähiger sind - beispielsweise gegen den Borkenkäfer. Der Waldumbau ist jedoch ein langer, aber bereits begonnener Prozess.

Seit dem Extremjahr 2018 kursierten erschreckende Prognosen für das laufende Jahr. Wie realistisch sind solche langfristigen Vorhersagen?

"Langfristige Prognosen - zum Beispiel vom Deutschen Wetterdienst - werden immer besser, aber sie können nur Tendenzen beschreiben", erklärt Pluntke. Auch wenn es bezüglich der Temperatur gute Vorhersagen gibt, wird es nie eine Punktlandung, schätzt der Experte ein. Am wenigsten kann man sich demnach auf die Niederschlagsprognosen verlassen.

Quelle: MDR/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.06.2019 | 07:50 Uhr

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3 Kommentare

19.06.2019 10:36 Günter Kromme 3

Sehr guter Artikel, endlich mal ein Beschreibung die nicht gleich mit dem Vorschlaghammer auf die Autofahrer losgeht und auch den angeblichen Klimakiller CO2 dort läßt wo er hingehört, bei den Spurengasen. Und den Klimawandel, den haben wir, keiner leugnet es, aber das er soooo menschengemacht ist schon., weil es dafür nur Vermutungen aber KEINEN echten wissenschaftlichen Beweis gibt! Was aber die grüne Klima-Inquisition nicht daran hindert die sogenannten Klimaleugner auf den Scheiterhaufen zu zerren, wie früher die Kirche alle die behaupteten das die Erde nicht Mittelpunkt der Welt ist und dieses aus echter Wissenschaft und NICHT aus Glaube schöpften. Und noch mal, jede Spezies die sich dem unvermeidbar Klimawandel (und die Erde wird da wegen der Grünen keine Ausnahme machen) entgegenstellte ist untergegangen. Selbst die Auftacktrechnung der Grünen über EINHUNDERT MILLIARDEN Euro wird daran nichts ändern. Wie kommt man aber ans Geld ohne die Bürger zu offensichtlich zu BESTEHLEN?

17.06.2019 17:40 Zeitgeist 2

Alles nur Stimmungsmache um wieder eine Steuer, Zwangsabgabe beim Bürger durch zusetzten. Die Vorbereitung laufen auf vollen Touren......

17.06.2019 16:38 reiner202 1

Langsam reicht, es das die sogenannten Klima Propheten ihre Untergangsstimmung verbreiten. Wir hatten in den 60.Jahren auch solches Wetter. Aber heute verdient mann mit wichtigtuerei warscheinlich viel Geld.

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