26.08.2019 | 14:25 Uhr Wetterbauer Uebel: Wetterextreme heute häufiger als früher

Bei MDR SACHSEN war ein beliebter Wetterstar zu Gast: Wetterbauer Rolf-Eckart Uebel aus dem Vogtland. Er sprach über den Klimawandel, das Wetter im September und gab Auskunft darüber, ob ein weißer Winter kommt.

Immer zum Ersten des Monats versorgt uns der Wetterbauer im Sachsenradio mit der aktuellen Wetterprognose für den Monat. Er weiß oft mehr als mancher Wetterexperte. Seine Grundlage: Alte Volksweisheiten und Wetterbeobachtungen, die bis ins Jahr 1735 zurückgehen.

Rolf-Eckart Übel
Der Wetterbauer von MDR SACHSEN: Rolf-Eckart Uebel. Am Wochenende war er zu Gast bei Maik Teschner auf der Landesgartenschau in Frankenberg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gab es die Wetterextreme, wie wir sie jetzt erleben, früher auch schon oder ist alles auf den Klimawandel zu schieben?

Wetterbauer Uebel: Extreme gab es früher auch schon. Aber die Extreme waren alle 20, 30 oder 100 Jahre und jetzt gibt es die öfter und das ist auf die klimatischen Veränderungen zurückzuführen. Aber nicht in unserem Territorium, sondern global gesehen. Viele kleine Baustellen auf der ganzen Erde tragen ihren Beitrag dazu bei.

Muss der Wetterbauer wegen der klimatischen Veränderungen nun seine Wetterregeln überarbeiten?

Komplett überarbeiten nicht, aber eine Erkenntnis habe ich gesammelt: Viele Wetterregeln treffen aufgrund des eingetretenen Klimawandels tatsächlich nicht mehr so verlässlich zu.

Was können wir im September für ein Wetter erwarten?

Der September beginnt mit Nordwind und Regen, dann wird es aber wieder schön. Die Sonne scheint und es wird auch recht warm. Wir müssen uns darauf einstellen, dass schon die ersten Nachtfröste kommen. Als Tipp gebe ich mit: Jeder sollte seine Dahlien schneiden, wenn sie am schönsten blühen, weil dann die Nachtfröste kommen.

Die Regentonnen werden sich im September nochmal füllen.

Wetterbauer Uebel

Bekommen wir in Sachsen einen goldenen Herbst?

Blick am 15.10.2017 nachmittags auf den Scheibenberg bei Annaberg-Buchholz im Erzgebirge.
Mit einem goldenen Herbst sollten wir laut Wetterbauer Uebel nicht unbedingt rechnen. Bildrechte: Bernd März


Der Herbst wird wechselhaft. Es wird nicht so ein goldener Herbst, wie wir uns das vorgestellt haben. Das hängt auch damit zusammen, dass nach der Trockenheit die Bäume jetzt alle noch einmal Wasser gezogen haben. Dadurch bleibt das Laub lange grün und das "goldene" im Herbst fällt aus oder ist nur kurzweilig, weil dann schon richtige Nachtfröste kommen und das Laub fällt.

Wie sieht es mit Schnee in diesem Winter aus?

In Sachen Schnee muss ich rumeiern. Wir bekommen im Dezember sehr viel Niederschlag. Ich kann nicht sagen, ob es Schnee oder Regen wird. Als Hinweis kann ich geben: Kommt die Großwetterlage von Nordwest, kommt Regen, kommt sie von Nordost, dann bekommen wir einen richtig schönen weißen Winter.

Kann man vom Verhalten der Tiere Wetterregeln ableiten?

Ich bin für das Langzeitwetter zuständig. Ich beobachte Flora und Fauna und leite ab und zwar auf der Basis unserer Vorfahren, was die festgestellt haben. Das Tageswetter kann ich nicht vorhersehen, aber wie es in vier oder fünf Wochen wird, kann ich zum Beispiel am Verhalten von Ameisen einschätzen. Zu Zeit ist es so, dass unsere Ameisen sehr hohe Haufen aufwerfen und das war in den früheren Jahrhunderten ein Garant dafür, dass es viel Schnee gibt.

Das Wetter vorherzusagen ist nur ein Hobby für Sie?

Ja, ich bin ein Wetterbeobachter, ein Brauchtumsforscher, kein Wissenschaftler. Ich erstelle Langzeitwetterprognosen, die aber immer mit Vorsicht zu genießen sind. Ich habe Unterlagen, die gehen bis ins Jahr 1735 zurück. Ich lese alte Volksweisheiten und versuche Vergleiche zu ziehen, wie hat sich das Wetter verändert und stelle fest: Die Vögel, die Insekten und die Natur haben sich überhaupt nicht verändert.

Aber es sprechen doch alle vom Insektensterben?

Rauchschwalbe im Flug
Wenn Schwalben in "ihrem Wohngebiet" zu wenig Nahrung finden, ziehen sie weiter. Bildrechte: IMAGO

Wenn es weniger Insekten gibt, verändert sich das Verhalten der Schwalben. Wenn die nichts mehr zu fressen haben, dann sind die nicht mehr da. Ich sage immer zu den Leuten, die sagen, dass die Artenvielfalt immer weniger wird: Wenn Sie in eine Gaststätte gehen und es hat Ihnen dort immer geschmeckt und auf einmal ist ein anderer Koch da oder die Kneipe ist zu, dann suchen Sie sich ein neues Lokal, um Essen zu gehen und so machen es beispielsweise auch die Schwalben und andere Vögel. Wenn es nichts mehr zu fressen gibt, muss ich dorthin, wo es noch etwas gibt.

Wann ziehen die Schwalben normalerweise weg?

Mitte September ziehen die Schwalben weg. Früher war der Abzug der Schwalben sehr wichtig. Wir haben die Erkenntnis gesammelt, wenn die Schwalben nochmal ein drittes Gelege angesetzt haben und die Jungbrut erst Ende September flugfähig ist, dann ist meistens der Winter ganz spät gekommen. Die Elternschwalben wissen instinktiv, wenn sie über die Alpen fliegen, gibt’s noch was zu fressen, weil noch Wärme da ist.

Ist der Sommer heiß und trocken, musst du dich im Winter hinter den Ofen hocken.

Wetterregel von Wetterbauer Uebel

Was sind eigentlich sogenannte "Lostage"?

Lostage sind die Regeln, die mittelfristig eine Prognose abgeben. Von diesem Tag hing früher das Los der Menschen ab. Das ist zum Beispiel die Lichtmess am 2. Februar: Wenn es zur Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. Wenn der Bauer Schatten sieht, er nochmal schnell in seine Höhle zieht.

Was sind "Lostage"? Die Lostage enthalten eine Wettervorhersage. Sie sind verantwortlich für das Wetter einer bestimmten Zeitperiode. So wie das Wetter an einem bestimmten "Lostag" ist, wird es einen ganzen Zeitraum anhalten.

Gibt es eine Wetterregel, die immer stimmt?

Ja, das ist meine Lieblingsregel und die heißt: Donnerts im Mai, ist der April vorbei ;-).

So sollte der August werden ...

Regentropfen auf Grashalmen 2 min
Bildrechte: Colourbox

Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.08.2019 | 10-13 Uhr

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