Neonazi-Trio BKA ermittelt in Glauchau

Die Mitglieder der rechtsxtremen mutmaßlichen Terrorzelle haben sich offenbar häufiger in Glauchau aufgehalten. Dort verteilen die Ermittler seit Dienstag Plakate und Handzettel in der westsächsischen Stadt. Mithilfe der Einwohner soll geklärt werden, welche Verbindungen das Trio in die Zwickauer Nachbarkommune hatte. Außerdem liegt dem MDR liegt ein geheimes Dokument des sächsischen Verfassungsschutzes an das Bundeskriminalamt vor. Es belegt, dass der Geheimdienst Kontakte zur rechten Szene suchte, als Sachsen in die Suche nach dem mutmaßlichen Terror-Trio eingebunden war. Dabei waren sie auch mit André E. im Gespräch, der die Propagandavideos des NSU hergestellt haben soll.

Bundesanwaltschaft, Bundeskriminalamt und die sächsische Landespolizei suchen seit Dienstag mit einer öffentlichen Aktion in Glauchau nach neuen Hinweisen zu den Mitgliedern der rechtsextremen Terrorzelle NSU. Die Ermittler wenden sich mit Plakaten und Briefen an die Einwohner, um weitere Erkenntnisse zu den drei Terrorverdächtigen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zu erlangen. Glauchau liegt etwa 15 Kilometer von Zwickau entfernt, dem letzten Unterschlupf des Trios. Die drei sollen sich dort den Ermittlungen zufolge mehrfach aufgehalten haben. Möglicherweise hatten sie dort auch einen Unterschlupf.

Wie der Sprecher des Generalbundesanwaltes, Marcus Köhler, auf Anfrage des MDR mitteilte, ging der nun gestarteten Fahndung ein Beschluss des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofes voraus. "Durch die Öffentlichkeitsfahndung erhoffen sich die Ermittler Hinweise auf bislang unbekannte Bezugspunkte wie etwa Wohnungen, Bekanntschaften oder Arbeitsstätten." Das aktualisierte Fahndungsplakat zeigt neue Fotos des Trios. Es ist auch auf der Internetseite des BKA zu finden. Dort wurden zudem weitere Aufnahmen von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe veröffentlicht, die mutmaßlich bei Ausflügen oder Urlauben gemacht wurden. Außerdem sind ein Surfbrett und mehreren Mountainbikes abgebildet, die sie offenbar genutzt haben.

Verfassungsschutz war mutmaßlichen NSU-Helfern auf der Spur

Wie ebenfalls am Dienstag bekannt wurde, hat der sächsische Verfassungsschutz offenbar frühzeitig mutmaßliche NSU-Unterstützer beobachtet. Das belegt nach Informationen von MDR 1 RADIO SACHSEN ein Dokument des Landesamtes für Verfassungsschutz, das dem MDR vorliegt. Verfassungsschutzpräsident Reinhard Boos bestätigte dem Sender die Echtheit des Schreibens. Es war im November 2011 an das Bundeskriminalamt übermittelt worden. Darin führt der sächsische Verfassungsschutz insgesamt sieben mutmaßliche Kontaktpersonen der Terroristen an, die für eine Mitarbeit geworben werden sollten. Allerdings sei keiner der Angesprochenen darauf eingegangen.

Auch André E. wurde kontaktiert

Die Beobachtung der sieben Personen wurde bis 2003 schrittweise eingestellt. Zum einen, weil sie dem Verfassungsschutz offenbar glaubhaft versichern konnten, sich aus der rechtsextremen Szene gelöst zu haben. Zum anderen, weil keiner von ihnen sich bereit erklärte, mit dem sächsischen Verfassungsschutz kooperieren zu wollen. Unter den in dem Dokument aufgeführten Personen ist auch ein Mann, der im Zuge der Ermittlungen zum Terrornetzwerk NSU festgenommen wurde und heute in U-Haft sitzt: André E. Er wohnte zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme in Johanngeorgenstadt. Auf ihn wurden die Ermittler durch die Zugehörigkeit zur sogenannten "Weißen Bruderschaft Erzgebirge" aufmerksam, der dem Geheimdienstdokument zufolge auch sein Bruder Maik angehörte.

2003 traf der Verfassungsschutz den heute 33-Jährigen in Zwickau. Dabei hat er laut Dokument erklärt, seit 2002 keinen Kontakt mehr zur rechten Szene zu haben. Er habe sich von seinem früheren Freundeskreis gelöst, da ihm andere Interessen wichtiger seien. "Weiterhin gab er an, dass seine Freundin, mit der er ein gemeinsames Kind habe, sich nicht mit den Ansichten der Szene identifizieren könne", heißt es in dem Papier des Verfassungsschutzes. Weitere Gespräche habe André E. abgelehnt – am 28. Mai 2003 sei der Kontakt eingestellt worden. André E. steht im Verdacht, die Propagandavideos des NSU hergestellt zu haben.

Köditz sieht weiteren Handlungsbedarf

Die Linke-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz warf nach Bekanntwerden des Dokuments dem sächsischen Verfassungsschutz vor, die Aktivitäten der mutmaßlichen NSU-Helfer unterschätzt zu haben, insbesondere bei dem inhaftierten André E. Ihr lägen Informationen vor, wonach der 33-Jährige im Jahr 2006 versucht habe, in der Region Zwickau eine Neonazi-Kameradschaft aufzubauen. Köditz kritisierte zudem, dass in dem Dokument zwei Namen von Männern auftauchen, die bisher offiziell nie genannt worden seien. "Hier besteht erheblicher Erklärungsbedarf", sagte Köditz mit Blick auf die nächste Sitzung der Parlamentarischen Kontrollkommission.

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2012, 21:55 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.