NSU-Untersuchungsausschuss Boos schließt Vernichtung von Daten über NSU-Helfer aus

Sachsens früherer Verfassungsschutz-Chef Reinhard Boos hat ausgeschlossen, dass wichtiger Informationen über Helfer der Zwickauer Terrorzelle NSU vernichtet wurden. Er sagte am Montag vor dem sächsischen NSU-Untersuchungsausschuss, zwar seien Namen von Personen in Dokumenten gelöscht worden, die innerhalb vieler Jahre nur einmal in der rechtsextremen Szene aktiv waren. Es seien aber keine Daten von NSU-Kontaktleuten vernichtet worden. Boos verteidigte nochmals die umstrittene Vernichtung von Akten und Aktenteilen in seiner Behörde im vergangenen Jahr. Dass diese Aktion rechtens gewesen sei, habe letztlich auch der Datenschutzbeauftragte bestätigt.

Zeitung berichtet von geheimer Liste

Boos reagierte in seiner Aussage auch auf einen Bericht der Zeitung "Bild am Sonntag", wonach das rechtsextreme Netzwerk um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt größer sei als bisher bekannt. Dem Blatt zufolge ging dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags eine geheime Liste der Sicherheitsbehörden mit 129 Namen zu.

Boos kennt nach eigenen Angaben aus seiner Zeit als Verfassungsschutzpräsident eine Liste mit 41 Namen, nicht aber den umfassenden Katalog. Der Ausschuss soll bis zum Ende der Legislaturperiode 2014 mögliche Fehler und Versäumnisse der sächsischen Behörden und der Landesregierung bei der Aufklärung von Aktivitäten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) untersuchen. Boos war von 1999 bis 2002 und nochmals von 2007 bis 2012 Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes. Im Sommer trat er wegen einer Aktenpanne im Zusammenhang mit dem NSU zurück. Der ehemalige sächsische Verfassungsschutz-Chef ist derzeit Referatsleiter im Innenministerium.

Das NSU-Trio lebte viele Jahre unerkannt in Sachsen. Es wird für zehn Morde bundesweit verantwortlich gemacht, überwiegend vielen Menschen mit ausländischen Wurzeln den Rechtsextremen zum Opfer.

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2013, 15:41 Uhr

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1 Kommentar

26.03.2013 15:54 Spottdrossel 1

Pleiten, Pech und Pannen! Offenbar sitzen die dafür Verantwortlichen irgendwo in den Chefetagen von CDU/CSU und FDP, beim Verfassungsschutz, in den Justizpalästen.