Mit Vielfalt gegen Baumsterben Sachsen will Waldumbau vorantreiben

Dürre und Borkenkäfer setzen dem Wald, Stadt- und Parkbäumen seit Jahren zu. Experten schätzen das Waldsterben so verheerend wie in den 1990er-Jahren Jahren ein. Jetzt will Sachsens Umweltminister den Waldumbau in großem Stil vorantreiben.

Waldsterben auf dem Gilberg, überall sieht man kranke, abgestorbene Baeume Waldsterben im Siegerland am 30.07.2020 in Siegen/Deutschland.
Bildrechte: imago images/Rene Traut

Sachsen will den Waldumbau weiter forcieren. Widerstandsfähige Mischwälder sollen die vielerorts vorhandenen Reinbestände an Fichten und Kiefern ersetzen. Mit einer neuen "Förderrichtlinie Wald und Forst" wollen Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) und Sachsenforst-Chef Utz Hempfling den Waldumbau in Sachsen in großer Dimension vorantreiben.

Wolfram Günther (Bündnis90/Die Grünen), Umweltminister von Sachsen
Umweltminister Wolfram Günther will den Waldumbau mit einer neuen Förderung im großen Stil vorantreiben. Die neue Richtlinie soll vor allem private Waldbesitzer unterstützen. Bildrechte: dpa

Neue Richtlinie soll private Waldbesitzer unterstützen

Hempfling zufolge zielt die Richtlinie besonders auf die Lage privater Waldbesitzer ab. Nach drei Katastrophenjahren im Forst seien jegliche Reserven bei Besitzern von Privatwald oder Körperschaftswald aufgebraucht: "Es gibt ein Liquiditätsproblem. Die privaten Waldbesitzer können nicht vorfinanzieren und ein Jahr lang warten, bis die Fördermittel ausgezahlt werden." Das sei bei den bisherigen Förderprogrammen aber der Fall. Bisher seien Maßnahmen unterstützt worden, die Waldbesitzer von Forstunternehmen umsetzen ließen. Künftig werde auch die Eigenleistung der Besitzer gefördert.

Vielfältige Schäden

Aus den vielfältigen Schadensereignissen - von Sturm und Frost über Schneebruch bis zur Dürre und Borkenkäfern - sei die Erkenntnis gereift, dass man den Waldumbau verstärken muss, erklärte Hempfling: "Wir brauchen Baumartenvielfalt, Strukturvielfalt, genetische Vielfalt und eine stärkere Stabilität des einzelnen Baumes." Anders könne man die Risiken nicht mindern."

Utz Hempfling - Dienstags direkt - 04.06.19
Sachsenforst-Chef Utz Hempfling: "Wir brauchen Baumartenvielfalt." Bildrechte: Andy Gerstenberger, Sachsenforst

Ähnlich sieht das auch Pierre Ibisch, Professor der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. "Funktionstüchtige Wälder in unseren Breiten zeichnen sich aus durch eine hohe Baumdichte, sehr viele alte Bäume, viel altes und totes Holz und wenig Licht am Boden", erklärt der Forscher. Diese Dunkelheit ermögliche den Bäumen, ihr eigenes Klima herzustellen. Sie begünstige einen eigenen Boden, der feucht bleibe und Lebensraum für Mikroorganismen biete.

Pierre Ibisch, Professor der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, geht durch den 2018 abgebranntem Stadtwald bei Treuenbrietzen.
Pierre Ibisch, Professor an der Hochschule nachhaltige Entwicklung Eberswalde Bildrechte: dpa

Ruf nach Waldumbau ist alt

Der Ruf nach einem Waldumbau mit Blick auf den Klimawandel ist alt. Schon im Jahr 2011 in der damals vom Bund formulierten "Waldstrategie 2020" empfahlen die Autoren einen "frühzeitigen Umbau der Wälder zu gemischten, mehrschichtigen, standortgerechten und möglichst naturnahen überwiegend heimischen Baumarten". Die Kernforderung des Waldumbaus, trockenheitsempfindliche Nadelgehölze zurückzudrängen und mir mehr Laubbäumen den Wald artenreicher und resistenter zu machen, läuft jedoch nur schleppend an. Noch heute dominieren in Sachsens Wäldern Nadelhölzer mit einem Anteil von etwa 70 Prozent. Am häufigsten ist die Fichte zu finden mit 35 Prozent, die Kiefer hat einen Anteil von 31 Prozent. Im Wald kann das schnell problematisch werden, denn Fichten sind z.B. besonders anfällig für Trockenheit und Borkenkäfer. Tausende Bäume werden dem in den kommenden Jahren absterben.

Ein Wald mit vielen toten Bäumen, von oben fotografiert.
Wirklich gesund und ohne Einfluss von Stressoren sind in Sachsens Wäldern nur 26 Prozent aller Bäume. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen sind nur noch ein Viertel der Bäume gesund

Dass Gefahr im Verzug ist, macht der Waldzustandsbericht deutlich. In Sachsen ist demnach noch ein Viertel aller Bäume gesund. Das geht aus der Erhebung für das Jahr 2019 hervor. Nur noch bei 26 Prozent aller sächsischen Bäume haben Klima und Schädlinge keine Spuren hinterlassen. "Noch nie seit der Bestimmung des Waldzustandes im Freistaat Sachsen wurden so wenige Bäume ohne erkennbare Schäden erfasst und gleichzeitig waren noch nie so viele Bäume deutlich geschädigt“, hieß es.

Der sächsische Wald Der sächsische Wald gehört fast zur Hälfte privaten Waldbesitzern. Sie besitzen etwa 45 Prozent der gesamten Waldfläche in Sachsen. Sachsen gehört knapp 40 Prozent des Waldes, dem Bund etwa fünf Prozent. Kommunen und Landkreise besitzen acht Prozent sowie die Kirchen zwei Prozent des Waldes. Insgesamt gibt es 85.000 private und körperschaftliche Waldbesitzer.

Thüringen: Nur noch weniger als ein Fünftel der Bäume gesund

Im Vergleich dazu sieht es im angrenzenden Thüringen noch schlimmer aus. Das "grüne Herz Deutschlands" schlägt nur noch ganz schwach. Den Angaben zufolge sind lediglich 15 Prozent der Bäume in Thüringen noch unversehrt. "Der aktuelle Waldzustand ist mit der Situation zu Beginn der 1990er-Jahre vergleichbar, als der hohe Ausstoß an Luftschadstoffen zu massiven Waldschäden geführt hat", hieß es in dem entsprechenden Thüringer Bericht

Sachsen Anhalt: Mehr als die Hälfte aller Bäume krank

In Sachsen Anhalt sieht die Situation im Vergleich zu Sachsen und Thüringen entspannter, jedoch auch desaströs aus. Mehr als die Hälfte aller Bäume sind dort erkrankt. Lediglich 41 Prozent der Bäume Sachsen-Anhalts sind laut Waldzustandsbericht noch gesund.

Über das Thema Wald diskutiert Moderator Andreas F. Rook am Montagabend in Dresden mit seinen vier Gästen.

Quelle: MDR/Fakt ist!/kt

Dieses Thema im Programm im MDR FERNSEHEN Fakt ist! aus Dresden | 07.09.2020 | 22:05 Uhr | Livestream

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