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"Frontal 21" OSS diskutierte Anschlag auf Dresdner Frauenkirche

Mitgliedern der mutmaßlichen rechtsterroristischen Oldschool Society wird derzeit der Prozess in München gemacht. Abhörprotokolle belegen jetzt: Die Gruppe hatte offenbar auch Schulen, Kindergärten und Kirchen im Visier. Die Taten wollten die Angeklagten Muslimen in die Schuhe schieben oder notfalls "Deutsche opfern".

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Die mutmaßliche rechtsterroristische Vereinigung Oldschool Society, kurz OSS, hat Anschläge auf Kindergärten, Behindertenheime und Kirchen diskutiert. Das geht aus Abhörprotokollen hervor, die dem ZDF-Magazin "Frontal 21" vorliegen. In den abgehörten Telefonaten und Messenger-Nachrichten beklagen die mutmaßlichen Rechtsterroristen, dass "Pegida und die anderen" nichts erreicht hätten, und stellen fest: "Solange es kein Mord und Totschlag gibt, bewegt sich gar nichts".

Der mutmaßliche Rädelsführer Andreas H. befürwortete den Protokollen zufolge, auch Kindergärten oder Kirchen anzuzünden:

( ... ) nimmst du zehn Liter Verdünnung mit, kippst die Scheiße aus, schmeißt einen Streichholz drauf, bumm. Was meinste, wie schnell eine Kirche abfackelt.

OSS-Mitglied Andreas H.
Die Facebook-Seite der Oldschool Society
Über Facebook hatte sich OSS organisiert. Bildrechte: dpa

Als Ziel hätten die OSS-Mitglieder die Frauenkirche in Dresden und den Kölner Dom ins Auge gefasst. "Da spricht dann ganz Deutschland drüber", schreibt H. Vor Gericht beteuerte H., dass die Anschlagspläne "viele Worte um nichts" gewesen seien.

Ein OSS-Mitglied mit dem Chatnamen "Mein Mädchen" schlägt den Abhörprotokollen zufolge einen Anschlag auf eine Behinderteneinrichtung vor: "Jagen wir eine Förderschule hoch. Auf die Kloppis kann ich auch gut verzichten." Die Behinderten repräsentierten nicht ihr Bild vom Deutschen als Dichter und Denker. Ein Dritter schlägt Anschläge auf Schulen oder Kindergärten vor.

Laut Unterlagen wollte die OSS die von ihr geplanten Anschläge Muslimen oder linken Gruppen anhängen. In einer abgehörten Nachricht heißt es, Anschläge müssten immer so aussehen, "als ob die vom Spektrum links kommen". Eine andere Option sei, "einfach einen Deutschen opfern und es den Musels in die Schuhe schieben".

Anschlag in Sachsen geplant

Vier OSS-Mitgliedern wird derzeit vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gemacht. Die Bundesanwaltschaft hatte im Dezember 2015 Anklage wegen der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung erhoben. Die Ziele der OSS seien darauf ausgerichtet, ihre rechtsextremistische Ideologie durch Terroranschläge, insbesondere in Form von Brand- und Nagelbomben, umzusetzen. Die Gruppe war kurz vor einem geplanten Anschlag auf eine Asylunterkunft in Borna gestoppt worden.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt neben der OSS auch gegen die sächsische "Gruppe Freital" wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung. Am Montag wurde auch gegen diese Gruppe Anklage erhoben.

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2016, 22:21 Uhr

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20 Kommentare

10.11.2016 13:13 JanoschausLE 20

"@08.11.2016, 18:55 | SGDHarzer66
Grimms Märchen 2.0, schönen Abend."

Geschichtsresistent,und das mit schon 50?Peinlich,peinlich,wenn´s kein ernstes Thema wäre müsste man laut lachen,aber eben zu ernst.

10.11.2016 01:40 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 19

@ 18. Shazia:
Ein Freund malte ein Bild von 2017: BK Höcke!

Sind wir nicht wirklich zu leise, um so etwas zu verhindern?

09.11.2016 20:35 Shazia Celik 18

Mord und Totschlag bleiben halt nach wie vor die bevorzugte Form der politischen Auseinandersetzung, die Neo-Nazis suchen. Die abgefangenen Gespräche zeigen, das ein Erstarken solcher Gruppen nicht "bloß" eine Gefahr für Menschen, die so aussehen wie ich, darstellt, sondern eben für jeden, der sich nicht der Gleichmacherei der Rechtsradikalen unterordnen will oder kann. Insofern sollte man sich auch gut überlegen, Parteien zu wählen, in denen solche Leute geduldet werden bzw. sogar Einfluss haben. Sonst werden wir alle unsere Freiheiten noch schmerzlich vermissen.

09.11.2016 16:30 Abraham 17

@Sabrina: Hatespeech entdeckt. An Herr Maas und Frau Kahane gemeldet

09.11.2016 15:16 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 16

'Brand- und Nagelbomben', 'Kloppis' ( = Behinderte), Kirchen, Schulen und Kindergärten als mögliche Ziele... und das sollen alles 'Worte um nichts' gewesen sein?
"Solange es kein Mord und Totschlag gibt, bewegt sich gar nichts".

In diesem Bericht eigentlich kein Absatz, bei dessen Studium einem nicht schlecht wird!

"Die Gruppe war kurz vor einem geplanten Anschlag auf eine Asylunterkunft in Borna gestoppt worden."

Mitglieder 'terroristischer Vereinigungen' gehören in hinter 'schwedische Gardinen', wo sie nichts anrichten können! Ohne Ausnahme!

09.11.2016 12:38 Kritische Bürgerin 15

Wie groß die Aufregung wohl wäre, wären das Islamisten gewesen und nicht bloß wie fast immer die verhätschelten Nazis... Aber so ein geplanter Anschlag auf Förderschulen und Kindergärten ist ja nicht so schlimm, solange ein richtiger Deutscher der Täter ist. Anders kann man manchen Kommentar hier nicht deuten.

09.11.2016 12:23 badabing 14

SGDHarzer66, wie gewohnt ein sehr fundierter Kommentar deinerseits... Dann erläuter uns doch mal deine Verschwörungstheorie, die du hier durchblicken lässt. Wieder mal eine böse Verschwörung gegen die braven, friedlichen Nazis, von denen ja seit über 70 Jahren bekannt ist, das sie immer nur Gutes im Schilde führen!? Mein Beileid!

09.11.2016 11:52 Morchelchen 13

Das ist ja ungeheuerlich! Glücklicherweise ist es beim Schwafeln geblieben. Die sind doch genauso brutal und unzurechnungsfähig, wie die Salafisten!
Meine Güte. Vielen Dank an die Ermittler, die mit ihrer Pusselarbeit das Schlimmste verhütet haben. Also, man nimmt es jedenfalls an. Denn die Zeiten sind gefährlich geworden.

09.11.2016 11:07 Sabrina 12

Die Chat-Protokolle verdeutlichen gut, inwiefern sich die Gedankenwelt der alten und der neuen Nazis voneinander unterscheidet: garnicht! Der Unterschied liegt nur in der Rhetorik mit der man seine Menschenverachtung verbreitet, doch wer als "lebensunwert" gilt (weil er eine Behinderung hat, eine andere Einstellung oder eine andere Herkunft), soll weiter ausgelöscht werden ganz nach alter deutscher Tradition: Anschläge auf Förderschulen und Kitas, Kirchen und Synagogen... Wie tief kann ein Mensch sinken, so etwas zu planen und wie erbärmlich muss ein Mensch sein, um so etwas hier auch noch zu rechtfertigen oder zu relativieren??? Und wann reagiert der Staat endlich angemessen auf den Terrorismus von rechts und seine Unterstützer?

09.11.2016 09:13 mattotaupa 11

@#1: niemand stellt irgendeine parteienfrage ... nur sie stellen hier ne verbindung her ... warum versuchen sie vom inhalt des artikels abzulenken? ... die zündelleidenschaft der nazis ist doch nichts neues solange es um häuser in deutschland geht ... nur wenige haben jedoch so viel verachtung für "das volk" übrif, daß sie kindergärten, schulen oder kirchen anzünden wollen und bewußt deutsche opfer in kauf nehmen ... noch weniger leute werdne versuchen diese planungen (durch ablenkung) zu verteidigen ...