Hingehört Große Musikaufführungen unter Pandemiebedingungen

Das Weihnachtsoratorium von Bach, "Il Trovatore" von Verdi. Zwei große Aufführungen, mit großem Orchester. Beide finden am Wochenende statt. Die eine im Freiberger Dom, die andere in der Oper Leipzig. Dutzende Künstler auf einer Bühne mitten im Corona-Lockdown. Nur das Publikum fehlt. Das sitzt zu Hause vor den Streaminggeräten.

Freiberg: Weihnachtsoratorium auf neuen Wegen

Für dieses Wochenende waren im Freiberger Dom drei Konzerte mit Bachs Weihnachtsoratorium geplant. Doch die müssen ausfallen. Stattdessen wird die traditionelle Aufführung in diesem Jahr am Sonnabend in Kooperation mit der sächsischen Imagekampagne "So geht sächsisch" als Livestream ausgestrahlt.

Als Musiker ist es eigentlich, wenn man nicht mehr auftreten darf, eine Sache, die man dankbar annimmt, weil man sich ja dennoch in einem Livestream mit dem Publikum in irgendeiner Form verbunden fühlt, sagt Domkantor Albrecht Koch.

Domkantor Albrecht Koch im Freiberger Dom
Domkantor Albrecht Koch: "Das Weihnachtsoratorium gehört ja für viele zum Weihnachtsfest dazu." Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi

Um die Abstandsregeln einzuhalten, sind im Bereich des Altarraums mehrere Podeste weit auseinander platziert worden – für jeweils zwei Musiker oder Sänger. Normalerweise sitzen wir nebeneinander, stehen nebeneinander, Schulter an Schulter – das geht in diesen Zeiten überhaupt nicht, so Koch.

Möglich werden die Abstände, da das Ensemble auf das absolute Mindestmaß reduziert wurde. Wir haben jetzt eine ganz kleine Orchesterbesetzung, in der jedes Instrument auch in den Streichern nur einmal besetzt ist, erzählt Koch. Auch der Chor bestehe nur aus zwölf Sängern und Sängerinnen. Trotz der Einschränkungen freuen sich die Freiberger auf das Konzert. Das Weihnachtsoratorium gehört ja für viele zum Weihnachtsfest dazu, so Koch. Ich finde das großartig und unser Dom ist so herrlich.

Leipzig: Opernpremiere im Lockdown

Die Leipziger Oper will am 6. Dezember trotz Lockdown und Schließung Premiere feiern. Auf dem Programm steht Verdis Il Trovatore - mit Gewandhausorchester und Opernchor in voller Besetzung.

Premiere Oper Leipzig 6. Dezember 2020
Musiker auf der Hinterbühne auf Abstand. Im Vordergrund die Solisten auf dem überbauten Orchestergraben. Bildrechte: Kirsten Nijhof

Kein Problem, sagt Opernsprecherin Gudula Kienemund. Schließlich besitze die Leipziger Oper mit einer Fläche von 600 Quadratmetern eine der größten Opernbühnen Europas. Die reine Nutzfläche umfasse 25 Meter in der Breite und 22 Meter in der Tiefe. Zur Eröffnung war sie damit die größte Bühne in der DDR. Rund 60 Musiker mit Abstand und auch mit Abschirmung der Bläser passten locker drauf, sagt Frau Kienemund mit Stolz in der Stimme. Gespielt werde nicht im Orchestergraben, sondern auf der Bühne selbst.

Da sei wirklich jede Menge Platz, versichert Karl Heinrich Niebuhr. Er spielt die 2. Geige im Gewandhausorchester und ist Teil der Premierenaufführung. "Ich fühle mich absolut sicher. Wir gehen einzeln auf unsere Plätze, tragen bis dahin Maske und sitzen in großem Abstand zueinander. Jeder hat sein eigenes Pult für die Noten.", sagt Niebuhr.

Die sieben Darsteller spielen und singen ihre Szenen vor dem Orchester auf dem geschlossenen Orchestergraben. Damit verlängere sich die Bühne nach vorn. Die Oper hat das Werk auf eine Corona-Fassung ohne Pause gekürzt. Auch seien nie alle der insgesamt 14 Sänger und Komparsen zur gleichen Zeit auf der Bühne, so die Opernsprecherin.

Der 59 Mitwirkende umfassende Chor werde auf den beiden Seitenbühnen platziert. Auch die seien riesig - jede umfasse 209 Quadratmeter. Abstand sei also nicht das Problem, sagt Kienemund.

Quelle: MDR/gg/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.12.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport

3 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 7 Wochen

Lieber Domkantor, lieber mdr,

es mag ja sein, dass für "viele" das Bachsche Oratorium zum Weihnachtsfest "irgendwie" dazugehören mag... Aber: ist dieses Weihnachten nicht ursprünglich doch ein sehr stilles und armseliges "Fest" ? Diese Geschichte im Stall zu Bethlehem ist doch wirklich nichts Aufregendes... ?! Auch die Umstände, die zu dieser
Herberge führten, sind keineswegs "demokratietauglich" und erinnern
uns oft an die Geschichte, die in unserer Zeit so vielen Menschen widerfährt.
Sie klopfen an, in der Hoffnung auf ein Lager, aber niemand scheint zu Hause zu sein ...

Barmherzigkeit ? --- Stelle ich mir ganz anders vor ! Nicht so mit aufdrängenden Pauken und mit Trompetenblech und mit Jauchzen und Frohlocken in strahlenden Dur-Akkorden ....

HOSiANNAH !

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 7 Wochen

...und DAS KRiPPENSPiEL übertragen wir dann mit den Akteuren, die einzeln in

verschiedenen Kirchen auftreten, während die Theater-, Konzert- und Opernhäuser

im Sendegebiet weiterhin geschlossen bleiben "dürfen" und damit nicht mehr

arbeitsfähig sind ???

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 7 Wochen

Das hat nichts mehr mit der Kunstform Theater zu tun !
__________________________________________________________

Mehr aus Sachsen