16.01.2020 | 15:27 Uhr Fragen zur Organspende? Ein Infotelefon hilft

Soll jeder Bundesbürger automatisch Organspender werden? Darüber hat am Donnerstag der Bundestag abgestimmt und die sogenannte Widerspruchsregelung abgelehnt. Damit bleibt es vorerst so, dass man sich aktiv dafür entscheiden muss, Organspender zu sein. Judith Vogler arbeitet am Infotelefon Organspende. MDR SACHSEN hat mit ihr über ihre Erfahrungen gesprochen.

Die Rückseite eines ausgefüllten Organspendeausweises.
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Was sind denn bislang die am häufigsten gestellten Fragen?

Die häufigsten Anrufer am Infotelefon Organspende sind Privatpersonen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Besonders jetzt im Moment gibt es häufiger Anrufe, weil die Krankenkassen Info-Briefe zum Thema "Organspende" verschickt haben und das die Bevölkerung wachrüttelt. Allein letztes Jahr haben 19.000 Privatpersonen bei der Hotline angerufen. Ältere Menschen über 60 fragen zum Beispiel, ob sie Organe spenden dürfen, obwohl sie in dem Alter von der Blutspende ausgeschlossen worden. Auch geheilte Krebspatienten und Menschen mit anderen Vorerkrankungen sind sich nicht sicher, ob sie Organe spenden dürfen.

Immer wieder kommen Fragen zum Organspendeausweis. Wie muss ich den ausfüllen, weil man da ja mehrere Optionen hat.

Judith Vogler | Infotelefon Organspende

Haben nicht die meisten Menschen Angst, dass der Arzt schnell entscheidet, mich in Anführungszeichen "sterben zu lassen", weil er das Organ braucht?

Die Ängste gibt es. Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal gefragt wurde, wie meine Bereitschaft aussieht, da habe ich auch zuerst diese Angst gehabt. Aber die ist eigentlich völlig unbegründet. Wenn man im Krankenhaus liegt und schwer krank ist, dann haben die Ärzte, die Notärzte, die Rettungsteams, die Intensivmediziner nur das eine Ziel, das Leben ihres Patienten zu retten. Die Frage zur Organspende stellt sich ja erst, wenn dann zum Beispiel auf einer Intensivstation der Hirntod festgestellt wird. Daher ist die Angst unbegründet. Am Servicetelefon hören wir von den Ängsten eher weniger. Das liegt wohl daran, dass sich die Leute, die hier anrufen, schon mehr mit dem Thema beschäftigt haben.

Infotelefon Organspende gebührenfreie Servicenummer: 08 00 / 9 04 04 00

Mo bis Do von 9 bis 18 Uhr und Fr von 9 bis 16 Uhr

Das Infotelefon betreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln, und die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO).

Was hätte das neue Gesetz gebracht?

Im Transplantationszentrum am Universitätsklinikum wird eine von einem gesunden Spender vor wenigen Minuten entnommene Niere beim Empfänger transplantiert.
Im Transplantationszentrum Leipzig wird eine von einem Spender vor wenigen Minuten entnommene Niere beim Empfänger transplantiert. Bildrechte: dpa

Dass man der Organspende widersprechen muss, wäre aus medizinischer Sicht eine wichtige Veränderung hier in Deutschland gewesen. Heute hat die DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation), die Zahlen für 2019 herausgegeben. Und da muss man leider feststellen, dass 41 Prozent aller Ablehnungen einer Organspende von Angehörigen kamen. Das heißt, der Verstorbene hat zeitlebens nicht selber entschieden oder zumindest nicht mit seinen Angehörigen darüber gesprochen, was mit seinen Organen nach dem Hirntod geschehen soll.

Sie wären dafür gewesen, dass es besser gewesen wäre, wenn jeder einen "Blankoschein" abgegeben hätte, dass bei ihm Organe entnommen werden dürfen?

Ja, es schafft klare Verhältnisse. Andererseits schließt ja diese doppelte Widerspruchslösung, die unser Gesundheitsminister da vorgeschlagen hatte, auch wieder die Befragung der Angehörigen mit ein. Letztendlich wäre ja die Situation dann vor Ort im Krankenhaus dieselbe. Deswegen bin ich persönlich unsicher. Am Infotelefon habe ich erlebt, dass viele Menschen, die hier anrufen, geglaubt haben, sie müssen nach der neuen Regelung ihre Organe spenden. Was nicht stimmt. Sie hätte ja Nein sagen können.

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Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird an einem OP-Saal vorbei getragen. 5 min
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MDR AKTUELL Do 16.01.2020 10:24Uhr 05:09 min

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.01.2020 | 5 bis 10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 15:27 Uhr

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