10.04.2020 | 10:18 Uhr Schlau(m)eier-Wissen rund ums Osterfest!

Warum findet Ostern nicht immer am gleichen Datum statt? Und warum heißt es "Gründonnerstag" und "Karfreitag"? MDR SACHSEN sprach mit Professor Martin Steinhäuser von der Evangelischen Hochschule in Moritzburg über Wissenswertes rund um Ostern.

Geht auch dieses Ostern: Eier suchen im Park oder Garten. Aber eben mit Abstand.
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War Ostern schon immer ein religiöses Fest?

Ostern hat als Festdatum mindestens drei verschiedene Entwicklungsstadien. Das erste Stadium ist Ostern als vorchristliches Fest im Naturkreislauf - und zwar als ein germanisches Frühlingsfest zur Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr. Das betraf die Völker im Vorderen Orient, wo das Volk Israel lebte. Hier ging es auch um den nomadischen Weidewechsel beziehungsweise den agrarischen Hintergrund der neuen Aussaat. Auf diese Praxis haben dann die Juden das Gedenken an die Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten draufgelegt. Es wurde dann zum Pessach- oder Passahfest. Dadurch hat der Jahreskreislauf eine neue Bedeutung bekommen. Dieses zyklische Ereignis hat also das Verständnis eines fortschreitenden Weges bekommen.

Wie kommt es, dass Ostern ein sogenanntes bewegliches Fest ist? Also kein bestimmtes Datum hat?

Die Festlegung des Datums folgt dem Mondkalender. Es ist immer die erste Vollmondnacht im jüdischen Frühlingsmonat Nisan. Das ist in diesem Jahr der 8. April. Die ersten Christen hatten ja die Einsetzung des Abendmahls durch Jesus gefeiert, die im Zusammenhang des Passahfestes stattfand. Und dann fand die Auferstehungsfeier eben drei Tage später statt und das Osterfest ebenfalls in der Nähe zum Passahfest - und zwar stets am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Abbildung von Jesus Christus am Kreuz.
Das Osterfest hat eine vorchristliche Tradition Bildrechte: Colourbox.de

Wenn Sie sich nun einen Frühlingskalender nehmen, dann sehen Sie, dass dies frühestens der 22. März und spätestens der 25. April sein kann. Denn genau diese Spanne hat der Frühlingsvollmond, der sich jedes Jahr ein bisschen verschiebt.

Woher stammt der Begriff Ostern?

Das ist nicht ganz eindeutig. Natürlich liegt es nahe an die Himmelsrichtung Osten zu denken, aus welcher das Licht kommt. Ebenso sinnvoll erscheint es aber die alte Frühlingsgöttin Ostara mit dem Begriff Ostern in Verbindung zu bringen.

Woher hat der Gründonnerstag seinen Namen?

Auch da gibt es verschiedene Legenden und Erklärungen. Mir leuchtet am meisten diejenige Erklärung ein, die das mittelhochdeutsche Wort "greinen" als Hintergrund heranzieht. Greinen ist ein altes Wort für weinen. Es gab früher die kirchliche Sitte, dass Menschen wegen bestimmter Verfehlungen eine Zeit lang von der Praxis des Abendmahls ausgeschlossen wurden. Diese Zeit war von Aschermittwoch bis Gründonnerstag. Am Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung des Abendmahls durch Jesus, durfte der Bestrafte das erste Mal wieder am Abendmahl teilnehmen. Die Bezeichnung könnte sich hier also auf die greinenden, die weinenden, die Buße tuenden Menschen beziehen, die in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag vom Abendmahl ausgeschlossen waren. Die sprachliche Verschleifung führte dann zum Begriff des Gründonnerstags.

Ein Junge hält ein Körbchen mit Ostersüßigkeiten
Der Osterhase gehört für viele Kinder zu Ostern dazu Bildrechte: imago/epd

Und wie kam es zur Bezeichnung des Karfreitages?

Das ist ganz naheliegend. Hintergrund ist das althochdeutsche Wort "kara", die Klage. Das Wort meint die Klage über das Leiden und Sterben von Jesus Christus in der christlichen Religion. Und es bezieht sich nicht nur auf den Freitag, sondern auf die ganze Karwoche. Am Karfreitag hören die Kirchglocken auf zu läuten und die Orgel hört auf zu spielen. Die Kerzen auf dem Altar werden während der liturgischen Feier zur Sterbestunde gelöscht und der Schmuck wird vom Altar weggeräumt. All dies sind Zeichen des Klagens.  

Jesus-Figur
Der Karfreitag ist der Tag, an dem der Kreuzigung Christi gedacht wird Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Interview führte Henriette Schmidt.

Quelle: MDR/leo

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.04.2020 | 10:11 Uhr

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