24.06.2020 | 11:55 Uhr Was darf in der Personalakte stehen?

Man nennt ihn umgangssprachlich auch Giftschrank, den Aktenordner, in dem die Personalakten von Arbeitnehmern abgeheftet sind. Was darf denn da überhaupt alles drinstehen? Kann man als Arbeitnehmer Einsicht verlangen? Und haben in der Personalakte auch private Fotos, zum Beispiel von Facebook, etwas zu suchen? Der Arbeitsrechtler Silvio Lindemann weiß Antworten.

Eine Akte mit dem Reiter "Personalakte" in einer Hängeregistratur 2 min
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Was darf in der Personalakte stehen?

Arbeitsrechtler Silvio Lindemann: Ja, die gute alte Personalakte, für den einen ist sie Gift, für den anderen Balsam. Früher stand sie in einem verstaubten Aktenschrank, heute wird sie in vielen Unternehmen auf digitaler Basis geführt. Sie kann alles enthalten, was für das Arbeitsverhältnis relevant ist. Das bestimmt der Arbeitgeber, was er für erforderlich hält. Das geht bei der Bewerbung los, über den Arbeitsvertrag, die Lohnzettel, Beurteilungen, Zeugnisse, auch die Krankenscheine, Urlaubsanträge und natürlich, was häufig auch ein Streitpunkt ist: Abmahnungen.

Darf man als Arbeitnehmer in die Personalakte reinschauen?

Ja, auf jeden Fall darf ich meine Personalakte einsehen. Das ist ein Recht, was auch gesetzlich so vorgesehen ist. Ich brauche dafür auch keinen besonderen Grund. Ich kann also zu meinem Chef gehen und sagen, Chef, ich will die Personalakte sehen. Das ist auch während der Arbeitszeit zulässig, man muss also nicht die Pause abwarten oder den Dienstschluss.

Und wenn ich etwas finde, dass da zu Unrecht über mich drinsteht: Kann ich irgendetwas dagegen tun?

Da es in der Personalakte letztlich um meine Daten und Informationen geht, habe ich natürlich auch das Recht, dagegen vorzugehen, wenn ich mit dem Inhalt nicht einverstanden bin. Wenn etwas unrichtig ist, wenn beispielsweise eine Abmahnung zu Unrecht ausgesprochen wurde, wenn eine Leistungsbeurteilung falsch ist oder wenn sich Informationen darin befinden, die den Arbeitgeber nichts angehen, weil sie aus meiner Freizeit oder aus meinem direkten Privatleben stammen, dann kann ich das anmerken.

Private Fotos oder Notizen von mir, die der Chef bei Facebook oder Instagram gefunden hat, dürfen nicht in der Personalakte hinterlegt werden.

Silvio Lindemann | Fachanwalt für Arbeitsrecht
junge Menschen stehen für ein Foto zusammen
Private Bilder, zum Beispiel aus den Sozialen Netzwerken, dürfen nicht in der Personalakte hinterlegt werden. Bildrechte: Colourbox.de

Unzulässig sind zum Beispiel Notizen über meine privaten Aktivitäten, also Fotos von einer Party am Wochenende oder was ich bei Facebook oder Instagram gepostet habe, um mir möglicherweise, auch im Falle einer Krankheit nachweisen zu können, dass ich gar nicht krank war, die Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht habe. In solchen Fällen kann ich die Berichtigung der Personalakte, gegebenenfalls auch die Entfernung der Information verlangen, notfalls auch mit einer Klage.

Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.06.2020 | von 5:00 - 10:00 Uhr

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