Kontrollmonitor auf einer Intensivstation.
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Wenn man sich plötzlich kümmern muss Fragen und Antworten zur Pflege in Sachsen

Pflege in Sachsen betrifft mehr als 100.000 Pflegebedürftige und ihre Familien und Angehörigen. Die meisten stehen zu Beginn vor einem unüberwindlich scheinenden Berg aus Fragen und Problemen. Was soll man tun, wenn man sich plötzlich um einen Pflegefall in der Familie kümmern soll? Welche Ansprechpartner helfen und wer zahlt wofür? Und was, wenn einem alles über den Kopf zu wachsen droht? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kontrollmonitor auf einer Intensivstation.
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Der Ehemann erleidet einen Schlaganfall. Die Tochter überlebt einen schweren Unfall. Oma, eben noch rüstig mit den Enkeln unterwegs, stürzt. Und dann ist alles anders. Nicht selten kommen die Familienangehörigen zurück aus dem Krankenhaus nach Hause und gelten als Pflegefall. Und dann?

Plötzlich muss ich mich um einen Pflegefall kümmern. Was muss ich machen?

Grundsätzlich hat jeder Pflegebedürftige und seine Angehörigen einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Pflegeberatung. Der gilt für gesetzlich versicherte Patienten genauso wie für privat Versicherte. Dafür muss man die Pflegekasse des zu Pflegenden anrufen und nach einem persönlichen Ansprechpartner fragen. Das geht am schnellsten mit einem Anruf bei der Krankenkasse der pflegebedürftigen Person. Die Pflegekasse muss innerhalb von zwei Wochen eine Pflegeberatung anbieten. Im Gespräch wird der Pflegebedarf ermittelt und gemeinsam überlegt, wie die Pflege umgesetzt werden kann. Dabei sollte man auch alle Fragen zu Zuschüssen, Kosten und Kostenübernahmen besprechen. Einen Überblick über Pflege-Angebote in Sachsen bietet auch das Pflegenetzwerk Sachsen an.

Das Bundesgesunheitsministerium in Berlin steht für Fragen zur Verfügung und versendet auf Wunsch Broschüren zum Thema: Bürgertelefon: 030 - 340 60 66 02
Montag bis Donnerstag, 08:00-18:00 Uhr
Freitag, 08:00-12:00 Uhr

Wie entscheidet man, wo und wie gepflegt wird?

Eine Gutachterin vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), spricht in Potsdam mit einer Pflegeheim-Bewohnerin.
Wie die Pflege organisiert wird, muss man immer auch mit dem Betroffenen besprechen. Bildrechte: dpa

Zuerst sollte man sich die Frage beantworten, ob man selbst in der Lage ist, die Pflege für einen Pflegefall zu übernehmen. Wenn es der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen zulässt, entscheidet er selbst, von wem er gepflegt werden möchte. Die Pflegekasse gruppiert den Betroffenen je nach Bedürftigkeit in eine von insgesamt fünf Pflegegrade ein. Danach richtet sich die Betreuung und wieviel Geld die Pflegekasse wofür zahlt. Früher gab es drei sogenannte Pflegestufen.

Mein Angehöriger soll begutachtet werden. Was soll das?

Wenn ein Antrag auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse gestellt wurde, überprüft der Medizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (MDK) die Pflegebedürftigkeit und erstellt in Gutachten über den Zustand des Pflegebedürftigen. Der Gutachter, meist ein Arzt oder eine Pflegefachkraft will dabei einen Eindruck von der Pflegesituation gewinnen und die Einschränkungen im Alltag feststellen. So ein Besuch dauert meist eine Stunde. Eine Vertrauensperson des zu Pflegenden sollte beim Hausbesuch dabei sein. Einen Überblick über die Gutachten und wie man sich auf so eine Bewertung vorbereitet, hat der MDK Sachsen zusammengestellt.

Erst nach der Begutachtung entscheidet die Pflegekasse über den Pflegegrad und welche Leistungen sie bezahlt.

Was tun, wenn man mit der Entscheidung der Pflegekasse nicht einverstanden ist?

Eine Hand hält einen Telefonhörer
Viele Probleme und Fragen rund um die Pflege lassen sich bei Telefonberatungen und im direkten Gespräch klären. Bildrechte: ddp

Wenn man mit der Eingruppierung in den Pflegegrad nicht einverstanden ist, kann man innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Zur Sicherheit sollten Sie den Widerspruch per Einschreiben mit Rückschein verschicken. Bringt der Widerspruch nicht das gewünscht Ergebnis, kann man beim zuständigen Sozialgericht Klage einreichen. Hier gilt ebenfalls die Frist von einem Monat nach Zugang des Widerspruchsbescheides. Das klingt komplizierter als es ist.

Für eine Klage braucht man nicht zwingend einen Anwalt. Allerdings kann Expertenrat helfen und manchmal auch Verfahrenswege verkürzen. Will man juristische Unterstützung, sollte man sich einen Fachanwalt für Sozialrecht suchen. Gerichtskosten fallen vor dem Sozialgericht in den meisten Fällen nicht an. Falls das Verfahren zugunsten des Pflegebedürftigen ausgeht, werden die Anwaltskosten von der Pflegekasse übernommen. Kläger können auch mit Hilfe ihres Anwalts prüfen lassen, ob ihnen das zuständige Gericht Prozesskostenhilfe gewährt.

Was mache ich, wenn ich keine Angehörigen habe, die mich pflegen können oder meine Angehörigen viel zu weit weg wohnen?

Dann kann man beim Sozialamt einen Antrag auf "Hilfe zur Pflege" stellen. Im Gespräch mit der Pflegekasse muss man dieses Thema ansprechen und klären, ob ein ambulanter Pflegedienst zum Einsatz kommen kann.

In Sachsen unterstützen auch Nachbarschaftshelfer und Alltagsbegleiter pflegebedürftige Menschen und Senioren. Dafür gibt es extra ein Landesprogramm, das von einer Koordinierungsstelle in Chemnitz aus für ganz Sachsen geleitet wird. Wer so einen Begleiter sucht, kann das direkt besprechen unter Telefon: 0371-9 18 98 46 19.

Wie finde ich einen guten Pflegedienst oder ein Pflegeheim für meinen Angehörigen?

Geistige Behinderung
Man sollte sich zuerst im Bekanntenkreis, bei Ärzten und Pflegeberatungen umhören, um ein gutes Pflegeheim zu finden. Bildrechte: dpa

In Zeiten von Internet klingt der Tipp etwas altmodisch, gilt aber nach wie vor: Man sollte sich bei Bekannten, Ärzten und Seniorenberatungen über die Einrichtung erkundigen, die man im Auge hat. Auch Bewertungen über Pflegedienste und Heime im Internet können Aufschluss geben. In Vorgespräche sollte man gut vorbereitet gehen. Bei Besuchen in Heimen und bei Pflegediensten sollte man auf die Einrichtrung und die Stimmung im Hause achten.

Die AOK Sachsen empfiehlt den Umgang des Personals mit den Pflegebedürftigen zu beobachten und darauf zu schauen, ob sich die Mitarbeiter mit den Heimbewohnern unterhalten. "Die Leistungen des Heims können noch so vielfältig sein, die Zimmer noch so schön eingerichtet - wenn Sie kein gutes Gefühl haben, sollten Sie weitersuchen", urteilt die AOK und rät Angehörigen, sich auch solchen emotionalen Fragen zu stellen, wie: "Würde sich der Pflegebedürftige hier wohlfühlen?" Eine Checkliste für die Suche nach passenden Pflegeheimen hat der Verband der Verbraucherzentralen zusammengestellt.

Quelle: MDR/kk/Verbraucherzentrale

Dieses Thema auch im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.03.2017

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 12:26 Uhr

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1 Kommentar

05.03.2018 15:32 D.o.M. 1

Überhaupt keine Hilfe bekommt man, wenn man im Zuge einer solchen Pflegeaufgabe zu der festen Überzeugung gelangt, dass es DOCH unwertes Leben gibt, das gegen seine die Würde des Betroffenen mit aller medizinischer Gewalt am Dasein festgehalten wird.
Für alle Klugscheißer und Besserwisser: Ich weiß aus eigenem Erleben, wovon ich rede.

Aus dem Pflegealltag