Die Hand einer Frau hält die Hand eines älteren Mannes.
Bildrechte: imago/Westend61

18.11.2019 | 19:48 Uhr | Update Sachsens Pflegeheime werden deutlich teurer

Die Hand einer Frau hält die Hand eines älteren Mannes.
Bildrechte: imago/Westend61

Die Kosten für Pflegeheimplätze in Sachsen sind in diesem Jahr deutlich gestiegen. Wie die "Sächsische Zeitung" und die "Freie Presse" berichten, haben bisher etwa zwei Drittel der Einrichtungen die Eigenanteile für die Pflegebedürftigen um bis zu 600 Euro pro Monat angehoben. Bis Anfang kommenden Jahres werde der Rest folgen.

Die Träger der Heime begründen das mit Kostenerhöhungen, die die Pflegekassen nicht ausgleichen. Dazu gehören etwa höhere Löhne für Pflegefachkräfte. Viele sächsische Kommunen befürchten nun, dass wegen der Preiserhöhungen immer mehr Pflegeheimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen sein könnten.

"Die Renten reichen nicht mehr aus"

Die Finanzierung der Pflege muss grundlegend reformiert werden, fordert Michael Richter vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen. "Schon heute reichen die Renten in der Regel nicht mehr aus, um die Eigenanteile in der Pflege zu bezahlen. Dann muss die Sozialhilfe ran und damit wieder wir alle." Der Paritätische schlägt vor, 15 Prozent des Eigenanteils solle der Pflegebedürftige selbst tragen, den Rest die Pflegekasse und damit das solidarischen System.

Bund und Länder zur Pflegefinanzierung im Gespräch

Auch aus Sicht von Sachsens Gesundheitsministerin muss die Pflegefinanzierung neu gedacht werden. "Gemeinsam mit dem Bund und den Ländern müssen wir dafür sorgen, dass der Eigenanteil für den Pflegebedürftigen so vertretbar wir möglich bleibt." Zugleich sei die Belastung der Gesellschaft, also des Beitragszahlers zu betrachten. Das Land Sachsen will laut Klepsch Geld in die Hand nehmen, um in Kurzzeitpflegeplätze zu investieren. Damit sollen pflegenden Angehörige entlastet werden - zumindest kurzzeitig.

Quelle: MDR/ma/jr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.11.2019 | ab 7 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 19:48 Uhr

20 Kommentare

BlindesHuhn vor 3 Wochen

Es ist eine überdurchschnittliche Erhöhung. Meine Schwiegermutter hat im Januar bei Pflegegrad 2 noch 1501,98 € im Monat zuzahlen müssen. Seit August sind es 1850,98 € und durch die Erhöhung der Ausbildungsumlage waren es jetzt wieder 30 € mehr im Monat. Die Beträge für die Kasse bleiben gleich. Die Pflegeheimbewohner müssen alle restlichen Steigerungen selbst tragen. Zu den selbst zu tragenden Kosten kommen aber noch die notwendigen Medikamente hinzu. Welcher Rentner, vor allem zukünftige Rentner hat so eine hohe Rente um diese Kosten selbst zu decken? Es graut mir vor dem Fall, selbst pflegebedürftig zu werden.

sozial vor 3 Wochen

Bedenken Sie, dass Sachsen die geringsten Pro-Platz-Kosten in der Pflege und Hilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen in ganz Deutschland mit Abstand hat - rote Laterne. Wenn jetzt von überdurchschnittlicher Erhöhung die Rede ist, dann sehen Sie sich die neuen Absolutwerte an. Sie werden feststellen, dass die rote Laterne noch rot und nichtmal orange ist. Städte und Gemeinden bekommen jetzt etwas die Quittung, dass nicht tarifgerecht in oben genannten Einrichtungen entlohnt wurde, wegen schlechter Finanzierung durch die Sozialhilfeträger, deren Organhoheit der Landkreistag und Städte- und Gemeindetag sind. Für 5.700 Euro monatlich als Sächsischer Landtagsabgeordneter und in politischer Verantwortung müsste mehr Weitblick erwartet werden können. Wenn interessiert schon, was Bürgeralltag ist???

DER Beobachter vor 3 Wochen

Das Rentendasein ist in der Tat für zu viele unerträglich. Ihr Vergleich hinkt dennoch. Wann genau gabs die letzte Diätenerhöhungen in Sachsen oder auf Bundesebene? Sie würden die Renten auch nicht wett machen. Abgeordnetenzahlen zu verringern, würde die Möglichkeit regionaler Interessenvertretung reduzieren bzw. überhaupt auch die der Alten,selbst wenn Engagement da ist, und die Masse bringts auch nicht. Überhang- und Ausgleichsmandate könnte man in der Tat reduzieren (wofür es überall Überlegungen gibt). Gewisse Parteien könnten ja ihren überbordenden äußerst begrenzt motivierten und befähigten Mitarbeiterwasserkopf abbauen.

Mehr aus Sachsen