Eine Frau und eine alte Damen sitzen an einem Tisch in einer Pflegeeinrichtung
Die Altenpflege in Sachsen hat ein Problem: Es gibt zu wenig Fachpersonal. Vier Einrichtungen dürfen deshalb vorerst keine neuen Patienten aufnehmen. Bildrechte: MDR

Personalnot in Pflegeheimen    Pflegenotstand in Sachsen - Wer ist Schuld?

Eine Frau und eine alte Damen sitzen an einem Tisch in einer Pflegeeinrichtung
Die Altenpflege in Sachsen hat ein Problem: Es gibt zu wenig Fachpersonal. Vier Einrichtungen dürfen deshalb vorerst keine neuen Patienten aufnehmen. Bildrechte: MDR

Ein Bericht über den akuten Pflegenotstand in Sachsens Pflegeeinrichtungen hat Politiker aufhorchen lassen. Eine Recherche des MDR belegt: Jedes achte Pflegeheim in Sachsen verstößt gegen gesetzliche Vorschriften, weil ihm Fachpersonal fehlt. Erste Betreuungseinrichtungen dürfen keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Wer schuld an der aktuellen Notlage ist – darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Klar ist aber allen Beteiligten, wie das Problem zustande kommt.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Manuela Schaar von der Gewerkschaft ver.di meint: "Die Leute wandern ab in Bundesländer, in denen besser bezahlt wird. Sie wandern ab in den Krankenhausbereich, wo es Gehaltsdifferenzen gibt." Außerdem würden sich die Bedingungen perspektivisch in den Pflegeeinrichtungen nicht verbessern. Die Menschen blieben deshalb nicht lange im Beruf.

Auch Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch weiß genau, wo die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte verbessert werden müssten: "Grundvoraussetzung ist, dass die Bezahlung stimmt und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Fokus gerückt wird. Da gehört es eben dazu, dass es keine geteilten Schichten gibt."

Lösungsvorschlag: Geringere Fachkräftequote?

Sowohl die Gewerkschaft ver.di als auch die Arbeitgeberseite sehen nun die Politik in der Pflicht – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Die Gewerkschaft fordert, dass es Pflegeeinrichtungen in Zukunft nicht mehr so leicht gemacht wird, auch ohne ausreichend Fachpersonal den Betrieb aufrecht zu erhalten. Geht es nach dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen, dann sollte die Fachkräftequote gesenkt werden. 

Bei den Fraktionen im Sächsischen Landtag stößt der Vorschlag zu einer geringeren Quote auf Widerstand. Die Linke teilte mit: "Wir sind strikt dagegen, die Fachkraftquote weiter zu senken. Das würde das Problem nicht lösen, sondern es aus dem Blick rücken." Die Grünen geben zu bedenken: "Die Qualität in der Pflege darf nicht aufs Spiel gesetzt werden."

Schuldzuweisungen

Wer ist schuld an dem Fachkräftemangel in der Pflege? Die Oppositionsparteien im sächsischen Landtag sind sich einig, wie eine Anfrage von MDR SACHSEN zeigt. Die Linkspartei teilte mit, die "CDU-geführten Staatsregierungen haben den heraufziehenden Pflegenotstand jahrelang ignoriert und niedrige Löhne sogar als Standortvorteil angepriesen." Ähnlich äußerten sich auch AfD und Grüne.

Die CDU ist seit 1990 an den sächsischen Landesregierungen beteiligt. Die Fraktion weißt die Schuld von sich: "Die Pflege älterer Menschen (gehört) noch nicht zu den attraktivsten Berufsfeldern. Die Ursache dafür liegt aber nicht auf Landesebene. Vom Fachkräftemangel in der Altenpflege sind alle Länder betroffen - egal unter welcher Regierungskonstellation. Pflegesätze werden nicht von der Politik festgelegt."

Wandel - aber wie?

Damit sich die Situation in den Pflegeheimen in Zukunft entspannt, gibt es mehrere Forderungen. Grüne, Linke, AfD und ver.di fordern schnellstmöglich eine gerechte Bezahlung und langfristig einen bundesweiten Tarifvertrag für alle Krankenpflege-, Pflegefach- und Pflegehilfskräfte. Die AfD will außerdem erreichen, dass die wöchentliche Arbeitszeit bei gleicher Entlohnung abgesenkt wird. Die Linkspartei fordert Entlastung bei der Arbeit selbst – indem beispielsweise die Dokumentationspflicht teilweise abgeschafft wird. Die Grünen wollen den Beruf des Pflegers flexibler gestalten.

Sachsens Sozialministerin Klepsch sieht nicht nur die Politik in der Pflicht - alle Beteiligten müssten nun für eine bessere Perspektive sorgen: "Unser Ziel ist, eine gute Pflege in den Einrichtungen zu ermöglichen. Das heißt, dass alle Partner hier natürlich an einem Strang ziehen müssen. Dazu haben wir uns vor Jahren gemeinsam mit den Partnern bekannt."

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.01.2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2018, 15:54 Uhr

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6 Kommentare

31.01.2018 16:01 pkeszler 6

Der Lehrermangel an den Grundschulen wird immer größer. Gegen den Personalnotstand in der Altenpflege soll jetzt ein Qualifizierungsprogramm aufgelegt werden.
Die Bahn braucht viele tausend neue Fachkräfte für den elektronischen Zugverkehr.
Und die Industrie sucht ständig neue, qualifizierte Facharbeiter und Ingenieure.
Das sind nur 4 Beispiele für den Notstand in Deutschland.
Das hat alles in erster Linie die Union mit ihrer Politik zu verantworten.

31.01.2018 13:57 Mal ne Anmerkung 5

@2 Maria A. Ihr "Vergleich mit der ehem.DDR ist totaler Unsinn.
Mal nur wieder über die LINKE meckern ,mehr ist das nicht.
Und natürlich ist die CDU hauptverantwortlich für die Zustände!Viele soziale "Themen" pssen nicht ins Weltbild der CDU!
Die LINKE war nie an der Macht um etwas zu verändern oder zu bewegen.
Und solange die Pflege von Menschen die einen ruhigen Lebensabend verdient haben als Maschine zu Geld drucken für einige wenige genutzt wird ,wird sich nichts ändern.
Und der politische Wille endlich mal auch die älteren ,pflegebürftigen Menschen am "sogenannten Aufschwung" teilhaben zu lassen ,fehlt.

31.01.2018 07:03 peter 4

Einfach nur ein Trauerspiel im reichen Deutschland,
Die Menschen, die am nötigsten Hilfe benötigen auf dem Abstellgleis. Kommt mir bekannt vor!
Die Kassen sind übervoll, aber für bedürftige Menschen ist nichts übrig!
Widerliche Politik und wo sind die Reaktionen hier was zu ändern?

30.01.2018 17:44 Aronia 3

Dann muss eben Vater Staat das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Das Geld ist doch da, wie man das seit zwei Jahren anschaulich erleben kann. Das Gesundheitswesen inkl. Pflege und einige andere Bereiche gehören in die Hand des Staates. Zum Steuernzahlen waren die Pflegebedürftigen auch gut genug. Unternehmerische Freiheit muss Grenzen haben.

30.01.2018 16:33 Maria A. 2

Dass die Linken die Schuld auf die CDU schieben wollen, ist nicht ungewöhnlich. Denkt man an DDR-Zeiten zurück, haben die sich jedoch selbst nicht mit Ruhm bekleckert, was die Höhe der Einkommen betraf. Auch die Renten waren für Parteibonzen nie Thema, dabei betrug die Mindestrente Ende der 80er 330,00 Mark... Wie auch immer - meinen Respekt haben die Pflegekräfte, die trotz der widrigen Bedingungen im schwierigen Job immer noch aktiv sind. Ich wünsche ihnen von ganzem Herzen, dass seitens der Politiker endlich "Nägel mit Köpfen gemacht" werden, demnächst mehr Geld fließen wird, nicht nur leere Phrasen gedroschen und Sätze voller Schuldzuweisungen hin und her geworfen werden.

30.01.2018 15:21 Fragender Rentner 1

Zitat von Oben: Personalnot in Pflegeheimen Pflegenotstand in Sachsen - Wer ist Schuld?

Na wer denn schon, die Menschen da da "rein wollen oder müssen". :-(

Und dann haben die auch noch "soviel Rente", dass es nicht reicht für einen Platz. :-(