11.07.2020 | 15:30 Uhr Interesse an Pflegeberufen in Sachsen wächst

Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, sind während der Corona-Pandemie als "Helden des Alltags" wieder ins Bewusstsein der Gesellschaft gerückt. Trotz vieler Missstände in dem Berufsfeld steigt das Interesse an Ausbildungsberufen in der Pflege. Der Bedarf an Fachkräften ist nach Einschätzung der Agentur für Arbeit weiter hoch.

Eine Pflegerin schiebt eine ältere Dame im Rollstuhl über einen Flur in einem Seniorenpflegeheim.
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In Sachsen nimmt das Interesse an Pflegeberufen weiter zu. Wie die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz mitteilte, haben im vergangenen Jahr 3.600 Schulabgänger eine Ausbildung im Pflegebereich begonnen. Das seien gut 400 mehr als noch 2018. Mehr als jeder zweite habe sich dabei für die Altenpflege als Fachbereich entschieden. In diesem Bereich habe es 2019 mehr als 2.000 Anfänger gegeben. Aktuell werden den Angaben der Agentur zufolge mehr als 9.000 Jugendliche in einem Pflegeberuf ausgebildet. 1.953 schlossen im vergangenen Jahr ihre Ausbildung ab.

Weiterer Zulauf erwartet

Die Arbeitsagentur erwartet, dass der Zulauf zu den Pflegeberufen anhält. Vor allem während der Corona-Krise habe deren Wertschätzung zugenommen, sagte die Sprecherin Kristin Huwe. Zudem habe die Neuregelung der Ausbildung, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, den Beruf attraktiver gemacht. Dabei werde nicht mehr zwischen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger unterschieden. Es gebe nur noch den "Pflegefachmann" oder die "Pflegefachfrau", eine Spezialisierung erfolge später.

Auch die Berufschancen für gut ausgebildete Pflegekräfte sind laut der Arbeitsagentur exzellent. Aktuell gibt es demnach gut 900 freie Stelle in der Altenpflege, bei 154 arbeitslos gemeldeten Fachkräften. In den vergangenen zwölf Monaten habe es durchschnittlich 197 Tage gedauert, ehe eine freie Stelle neu besetzt werden konnte. Nicht so gut sehe es für Hilfskräfte aus. Laut Arbeitsagentur entfallen etwa 490 gemeldete freie Stellen auf 1.709 arbeitslose Altenpflegehelfer.

Pflegerat sieht Verbesserungsbedarf

Auch der Sächsische Pflegerat ist der Meinung, dass die Ausbildungen im Pflegebereich attraktiver geworden sind. Um den Um den Bedarf an Fachkräften decken zu können, muss sich laut des Vorsitzenden des Pflegerates, Michael Junge, jedoch noch mehr ändern.

Sächsischer Pflegerat
Der Vorsitzender des Sächsischen Pflegerates, Michael Junge (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es muss ein allgemein akzeptiertes Verfahren für die Personalbemessung der Unternehmen gefunden werden, um die Arbeitsbelastung zu begrenzen. Außerdem muss es verlässlichere Dienstpläne geben, besseren Gesundheitsschutz, eine deutlich höhere Grundvergütung und mehr Geld für Schichtarbeit und Feiertagsarbeit.

Michael Junge Vorsitzender des Sächsischen Pflegerates

Nach Junge müssen außerdem die akademische Pflegeausbildung verstärkt und mehr Abiturienten für den Beruf gewonnen werden. Es gebe noch immer zu wenige Studienplätze an Hochschulen, so Junge. Das Uniklinikum Dresden, die Evangelische Hochschule Dresden, die Fachhochschule Dresden und die Westsächsische Hochschule Zwickau sind die einzigen Hochschulen, die Studiengänge im Pflegebereich anbieten.

So viel verdienen Pflege-Azubis

Grafik Ausbildungsvergütung Pflegeberufe
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Auszubildende in der Altenpflege bekommen ihre Vergütung abhängig vom Arbeitgeber. Es gibt Unterschiede zwischen privaten Trägern und öffentlichem Dienst. Für den Nachwuchs gibt es keinen verbindlichen Tarifvertrag.

Grafik mit Beispielgehalt
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Ausgelernte Altenpfleger im öffentlichen Dienst verdienen je nach Entgeltstufe 100 bis 300 Euro brutto mehr im Monat, als Angestellte bei den Wohlfahrtsverbänden Diakonie und Caritas der evangelischen und katholischen Kirche, die zu den größten privaten Arbeitgebern im Pflegebereich in Deutschland zählen.

Das mittlere Einkommen einer Altenpflegefachkraft in Sachsen liegt bei 2.050 Euro brutto im Monat. Laut Bundesagentur für Arbeit sind das 571 Euro weniger als ihre Kollegen in den alten Bundesländern monatlich bekommen. Ein einheitliches Einkommen in der Altenpflege gibt es nicht, egal, ob Hilfskräfte oder examinierte Fachkräfte. Aber es gibt einen Pflegemindestlohn in Deutschland. Seit Januar 2020 liegt er bei 11,35 Euro im Westen und Berlin und bei 10,85 Euro in Ostdeutschland.

Einmaliger Pflegebonus für Altenpfleger

Mitte Mai hat der Bundestag das Gesetz für einen finanziellen Bonus für Altenpfleger verabschiedet. Viele Länder stocken die 1.000 Euro vom Bund auf. Auch Sachsen will den Bonus für Beschäftigte in der Altenpflege in der Corona-Krise aufstocken. Zu den vom Bund gezahlten 1.000 Euro will der Freistaat weitere 500 Euro pro Pflegekraft zahlen.

Infos zum Anteil der Beschäftigten im Pflegebereich und dem Anteil der Pflegebdürftigen in ihrem Landkreis finden sie hier.

Quelle: MDR/dpa/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachenradio | 11.07.2020 | ab 09:00 Uhr in den Nachrichten

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