Rußrindenkrankheit unter der Rinde eines Ahorns
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

05.08.2019 | 09:34 Uhr Die Rußrindenkrankheit: Fragen und Antworten

In Sachsen werden immer wieder Ahornbäume von der Rußrindenkrankheit befallen. Eine Pilzart, die auch für den Menschen gefährlich ist. Der Name: Cryptostroma corticale. MDR SACHSEN hat mit dem Biologen Mikka Tarkka vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle über die Krankheit und die Gefahr für Mensch und Natur gesprochen.

Rußrindenkrankheit unter der Rinde eines Ahorns
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Ihr Spezialgebiet ist die Symbiose zwischen Bakterien, Pilzen und Pflanzen. Was ist denn Cryptostroma corticale?

Mikka Tarkken: Der Parasit ist eine Pilzart, ein sogenannter Schwächeparasit. Er befällt Ahornbäume, die bereits geschwächt sind. Vor allem die Art Bergahorn. Es ist ein gefährlicher Parasit, da er zum Tod des Baumes führt.

Was passiert mit und in dem Baum, wenn sich der Pilz eingenistet hat?

Sobald der Pilz den Baum befallen hat, bilden sich am Anfang der Infektion zuerst die sogenannten typischen kleinen Schleimflussflecken am Stamm, bzw. tote Gebiete in der Borke, wie Rindennekrosen. Erste Anzeichen der Erkrankung lassen sich auch an welken Kronen der Bäume ablesen. Später erscheinen an der Rindenoberfläche schwarze Pilzsporen. Unter der Borke breitet er sich dabei weiter aus. Und zum Schluss färbt der Pilz die Rinde pechschwarz, daher kommt auch der Name Rußrindenkrankheit.

Wie verbreiten sich denn die Pilzsporen, über Tiere oder reicht da schon ein Luftzug?

Die Luft reicht da schon aus, damit sich der Pilz verbreitet. Denn an der Stammbasis der Borke werden zahlreiche Pilzsporen produziert. Und die Menge ist wirklich enorm. Es können sich pro Quadratzentimeter Borke bis zu 150 Millionen Sporen bilden. Stehen weitere Ahornbäume in der Nähe, sind diese schnell mit dem Parasiten infiziert.

Ist der Pilz gefährlich für Menschen? Und wie kann die Rußrindenkrankheit bekämpft werden?

Ja. Durch das Einatmen der Sporen kommt es bei bestimmten Personengruppen zu einer allergischen bedingten Entzündung der Lungenbläschen. Insofern ist es wichtig, dass man sich schützt mit Atemmaske und ähnlichem, wenn Bäume, die befallen sind, gefällt werden sollen. Gegen die Krankheit hilft nur Baum fällen. Auch muss das Holz danach vernichtet werden, um weiteren Pilzbefall zu verhindern, da abgestorbenes Holz andere Pilzarten anzieht, wie zum Beispiel Weißfäule auch Korrosionsfäule genannt. Zudem haben die mit Cryptostroma corticale befallenen Bäume keine Standfestigkeit mehr und es kann zu Windbruch kommen.

Ein Forstmitarbeiter kontrolliert gefällte Baumstämme.
Ist der Ahorn vom Schwächeparasit Cryptostroma corticale befallen, hilft nur noch die Axt. Die Sporen sind gefährlich und können zu Entzündungen der Luftbläschen führen. Bildrechte: dpa

In der Regel lieben Pilze ja Nässe und Feuchtigkeit, um zu gedeihen. Wie sieht es bei dieser Pilzart aus?

Man würde das annehmen, dass Feuchtigkeit für die Ausbreitung des Pilzes wichtig wäre. Hier ist es aber so, dass die Ausbreitung des Pilzes durch Trockenheit und Hitze gefördert wird, wie zum Beispiel die lange Dürre im letzten Jahr. Je mehr die Ahornbäume dadurch geschwächt sind, desto eher kann sich der Pilz festsetzen. Sollte der Sommer sehr trocken sein, hilft zusätzliche Bewässerung, um einen möglichen Befall zu verhindern.

Was soll ich machen, wenn ich an dem Stamm Veränderungen feststelle?

Es gibt ja viele Pilze an Bäumen, die Sporen bilden. Und nicht jeder dieser Pilz ist pathogen, verursacht beim Menschen oder anderen Organismen Krankheiten. Daher ist eine richtige Diagnose schon wichtig, bevor man handelt. Im besten Fall hat man einen Fachmann der die Diagnose stellt. Oder man macht ein Foto der befallenen Stellen und schickt sie an eine Fachfirma des Garten- und Landschaftsbaus. Steht der Baum auf öffentlichem Grund ist das Amt für Stadtgrün und Gewässer zuständig.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.03.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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