Plädoyers Verteidigung fordert Freisprüche für "Oldschool Society"

Sind die vier Mitglieder der rechtsextremen "Oldschool Society" (OSS) in der Lage gewesen, terroritische Anschläge zu verüben? Nein, meinen ihre Verteidiger und fordern deshalb Freisprüche für ihre Mandanten. Die Gruppe sei nicht mehr als eine Ansammlung unsympathischer, radikaler, vereinsamter Menschen, die im Leben wenig zustande gebracht hätten, sagte Rechtsanwalt Marc Duchon am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München. Er plädierte deshalb auf Freispruch für seine Mandatin - eine 24-Jährige aus Freital.

Nur Worte, statt Taten?

Bereits am Vortag hatten die Verteidiger des OSS-Chefs und seines Stellvertreters die Gefährlichkeit der Gruppe infrage gestellt und Freisprüche gefordert. Die Angeklagten seien über allgemeines Gerede nicht hinausgekommen, betonte Rechtsanwalt Michael Rosenthal, der den 58 Jahre alten Ex-Präsidenten der Gruppe vertritt. Einen Anschlag habe es nicht gegeben. Die vier Angeklagten hatten im Prozess betont, zwar über Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gesprochen, nie aber welche geplant zu haben.

Probleme mit "komplexer Welt"

Verteidiger Rosenthal verwies in seinem Schlussvortrag am Dienstag auf die Persönlichkeiten der Beschuldigten. Die Vier eine das Gefühl, zu kurz zu kommen, und sie könnten die Flut an Informationen nicht einordnen. Die Welt sei zu komplex, um verstanden zu werden - "jedenfalls von denen". Das wiederum mache ihnen Angst.

Anklage: viereinhalb bis sieben Jahre Haft

Die drei beschuldigten Männer und eine Frau haben nach Ansicht der Bundeanwaltschaft eine terroristische Vereinigung gegründet. Die Anklage fordert daher sechseinhalb Jahre Haft für den 58-jährigen Anführer, sieben Jahre für den Stellvertreter, viereinhalb Jahre für den "Pressesprecher" der Gruppe und fünfeinhalb Jahre für die 24-jährige Beschuldigte aus Freital.

Der Vorwurf, Sprengstoffanschläge auf eine Flüchtlingsunterkunft geplant zu haben, wurde Ende Januar zurückgenommen. Wie der Bayerische Rundfunk berichtete, beantragte die Bundesanwaltschaft eine Teileinstellung des Verfahrens, da den Beschuldigten kein konkreter Anschlagsplan auf ein Heim im sächsischen Borna nachgewiesen werden konnte.

Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt. Dann soll das letzte Plädoyer gehalten werden. Das Urteil gegen die vier Angeklagten könnte Mitte März fallen.

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2017, 20:09 Uhr