Friedliche Revolution Christoph Wonneberger - Der vergessene Held

von Ralf Geißler

Die Medien haben ihn irgendwie vergessen. Christoph Wonneberger – der emsige Pfarrer – wird selten interviewt, wenn es um die friedliche Revolution geht. Dabei hat Wonneberger die Friedensgebete initiiert, aus denen später die Montagsdemonstrationen hervorgingen. Er legte sich nicht nur mit der SED an, sondern auch mit den Linientreuen in seiner Kirche.

Zunächst mischt sich Wonneberger in Dresden ein. Ab 1977 berät er als Pfarrer der Weinbergkirche junge Männer, die nicht zur Armee wollen. Während das Militär die Gesellschaft immer tiefer durchdringt, gründet Wonneberger die Initiative Sozialer Friedensdienst. Sie setzt sich für einen Zivildienst in der DDR ein.

Tausendfach verbreitet sich Wonnebergers Kettenbrief innerhalb der DDR. Nach dieser Aktion initiiert er die ersten Friedensgebete, die schon bald DDR-weit stattfinden. Es geht um Abrüstung und Menschenrechte. Als Wonneberger 1985 nach Leipzig umzieht, hat seine Idee auch diese Stadt schon erreicht. An der Nikolaikirche finden Friedensgebete statt, deren Koordination Wonneberger übernimmt. Warum kennt ihn heute kaum einer? Wonneberger wurde im Jahr 2009 für sein Engagement im Herbst 1989 mit dem Medienpreis "Bambi" ausgezeichnet.

Pfarrer Christoph Wonneberger, Leipziger Bürgerrechtler 4 min
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