An einer Bushaltestelle ist mit schwarzer Farbe "Wild = Volksverräter" gesprüht worden
Bildrechte: Gunter Wild

Landespolitik AfD-Vogtland bleibt problematisch - Führungschaos nach Nazi-Montagen

Im Mai hat ein AfD-Kreisverband aus Sachsen bundesweit von sich reden gemacht: Im Vogtland hatten AfD-Mitglieder in einer Whatsapp-Gruppe neonazistische und gewaltverherrlichende Fotomontagen miteinander geteilt. Eine Erschießung der Bundeskanzlerin durch Soldaten war eines der geschmacklosen Motive. Der Landesvorstand der AfD Sachsen hat nach Bekanntwerden Parteistrafen verhängt, die wollen jedoch nicht alle akzeptieren. Die AfD im Vogtland bleibt also ein Problemfall. Und wie MDR Sachsen jetzt erfahren hat, müssen ehemalige AfD-Mitglieder aus der Region sogar persönliche Übergriffe befürchten.

von Daniela Kahls

An einer Bushaltestelle ist mit schwarzer Farbe "Wild = Volksverräter" gesprüht worden
Bildrechte: Gunter Wild

Auch Wochen nach Bekanntwerden der Chat-Gruppe "AfD Spass" ist nicht klar, wie es mit der AfD im Vogtland weitergeht.  Zum Beispiel lässt sich die profane Frage, wer im Moment der Kreisvorsitzende ist, nicht beantworten. Der Landesvorstand der AfD hatte den bisherigen Vorsitzenden Steve Lochmann, der in der Chatgruppe Mitglied war, mit sofortiger Wirkung des Amtes enthoben. Doch der akzeptiert das nicht, hat das parteieigene Schiedsgericht angerufen. Lochmann meint, er sei immer noch Vorsitzender und ist zu keiner weiteren Äußerung bereit. Wortkarg zeigt sich auch der AfD-Landesvorstand.  Generalsekretär Jan Zwerg hatte diese Woche extra im Vogtland die Akteure ins Gebet genommen. Zum Inhalt des Gesprächs schweigen alle. Leicht wird es nicht, in der Vogtland AfD aufzuräumen, sagt Gunter Wild. Er hat den AfD-Kreisverband Vogtland gegründet und war lange Vorsitzender. Nach der Bundestagswahl trat er aus der AfD aus, auch wegen der radikalen Richtung, in die sich sein Kreisverband entwickelt hat.

Die Tendenzen gab es im Vogtland bestimmt schon ein Jahr, aber in dieser Heftigkeit, wie sie jetzt aufgetaucht sind, war ich selbst sehr bestürzt.

Gunter Wild Landtagsabgeordneter

"Liebe Flüchtlinge, an diesen Mützen erkennen Sie ihren Sachbearbeiter". Ein Bild einer SS-Mütze mit diesem Spruch verschickten einstige Weggefährten von Wild in der besagten Chat-Gruppe.

Dieselben Personen wollten in Wilds Amtszeit polemische Flugblätter über einen angeblichen Moscheebau in Plauen verbreiten, erzählt  der jetzt fraktionslose Landtagsabgeordnete Wild. Er selbst habe das verhindern können, so Wild. Monate später wurde er selbst Thema von Flugblättern. Nach seinem AfD-Austritt wurde eine Art Steckbrief von ihm verbreitet – gespickt mit Beleidigungen. In seinem Dorf wurden Hauswände und Bushaltestellen besprüht. Wild Volksverräter stand da. Wer die Täter waren, konnte die Staatsanwaltschaft nicht ermitteln.

Aber allein die Öffentlichkeit, dass ich aus der Fraktion ausgetreten bin, hat Angriffe auf meine Person bewirkt, die ich vorher überhaupt nicht gekannt hab.

Gunter Wild Landtagsabgeordneter

An einer Hauswand ist mit weißer Farbe "Volksverräter" gesprüht worden
Bildrechte: Gunter Wild

Diese Einschüchterungsversuche wirken nach. Noch nie – bis jetzt – hat Wild öffentlich darüber geredet. Aus Angst vor Übergriffen geben auch andere ehemalige AfDler aus dem Vogtland keine Interviews, reden nur ohne Mikrofon, bestätigen in diesen Gesprächen Wilds Berichte. Und Wild, der jetzt in der blauen Partei von Frauke Petry ist, hat Schutzmaßnahmen getroffen.

Ich habe mittlerweile aus Vorkehrungsgründen alle Aufkleber auf meinem  Auto, auf denen mein Name, meine Adresse und meine Telefonnummer stand, abgemacht. Man hat wirklich das Gefühl, es könnte jeden Tag wieder passieren, das ist schon wahr.

Gunter Wild Landtagsabgeordneter

Vor diesem Hintergrund schüttelt Wild den Kopf über eine E-Mail, die der AfD-Landesvorsitzende Jörg Urban jüngst an alle Mitglieder geschickt hatte. Darin warnt Urban vor dem Hintergrund der vogtländischen AfD-Chatgruppe davor, dass die AfD vom Verfassungsschutz unterwandert werde. Diese V-Leute würden verfassungsfeindliche Bilder verbreiten und dadurch der AfD bewusst schaden – teilte Urban den Parteimitglieder mit. So als sei das radikale Gedankengut von außen in die Partei hereingetragen worden. Dabei könnte der Landesvorsitzende schnell in Erfahrung bringen, dass die AfD in Sachsen nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird: Der AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter ist in der Parlamentarischen Kontrollkommission und wird aus erster Hand über Aktionen des Verfassungsschutzes informiert. Die AfD Fraktion ist also darüber im Bilde, dass ihre Partei in Sachsen derzeit gar nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werden darf. Dazu müsste erst ein monatelanges Prüfverfahren gestartet werden.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.06.2018 | 7:46 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2018, 09:19 Uhr

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30 Kommentare

01.07.2018 09:19 Horst 1 30

an Beobachter@27: Sie beobachten die Situation aber sehr falsch in Deutschland! Wir werden bei den nächsten Wahlen sehen,wer Recht hat! Die AFD macht auch die einzigen wirklich realen Vorschläge,die ganz schnell von den Altparteien erst abgelehnt und dann als ihre übernommen werden, Wenn Sie sich ordentlich informieren würden,dann wäre Ihnen dies auch alleine aufgefallen.

01.07.2018 02:57 DER Beobachter zum Kommentar von "Sachse 43" und "Hans-Peter" 29

Es ist langsam an der Zeit, dass auch an der AfD in Mitteldeutschland konsequent geltendes deutsches Recht angewendet wird. Sachse 43 würde das ganz sicher nicht gefallen. Gegenfrage: Was würden Sie, Sachse 43, denn mit "Ihren Gegnern", oder das, was Sie dafür halten, machen oder rechtfertigen, wenn der Wind sich zu Gunsten Ihrer Favoriten dreht? Leute wie Sie machen mir Angst.

01.07.2018 02:40 DER Beobachter @ Kommentator 23 28

Werter O-Liner im fünften Versuch: Falls Sie lesen können und Ihre Lesebrille noch nicht ganz einschlägig politisch beschlagen ist: Kommentator 15 bezog sich ausschließlich auf die in der Tat im Geist bekennend verfassungsfeindlichen Hassprediger in der AfD. Wenn Sie diesae zu rechtfertigen versuchen, spricht das Bände... Nebenbei werden hier nicht nur rechtsaußenaffine Kommentare nicht freigeschaltetet....

01.07.2018 02:23 DER Beobachter @ Horst 1 27

Ich habe gerade nicht im Kopf, wieviele der fast 90 Millionen Bewohner der Bundesrepublik wahlberechtigt sind. Aber machen wir es doch einfach an den letzten Umfragen fest ("Sonntagswahl"): 84 - 87 % der Deutschen entscheiden sich nicht für die AfD. Ich denke, das wird sich so einpegeln. Und wenn die Situation in Deutschland und Europa sich halbwegs stabilisieren wird, wenn Seehofer nicht mehr zu intrigieren versucht, wird die AfD, jedenfalls ihre auf Landes- und Bundesebene gewählten Abgeordneten, tatsächlich einmal machbare realpolitische Inhalte jenseits von linksrotgrünmerkelfremden-Bashing anbieten müssen. An echten Inhalten fehlt es komplett in dieser sogenannten Alternative.

30.06.2018 23:08 mare nostrum 26

@ 25

Die Realität geht unbestreitbar aus dem vorstehenden Artikel hervor.

Es ist unnütz und in keiner Weise produktiv, unsachliche Argumentationen anzukoppeln.

30.06.2018 21:05 WegWeiser 25

@23- Der Inhalt muss halt stimmen. Realistische Darlegungen sind halt keine Hetze, sondern die Beschreibung eines Ist Zustandes, auch Realität genannt.

30.06.2018 19:35 Meditaor an Horst 1(19) 24

Sorry, aber der Begriff "demokratisch gewählt" oder "demokratische Partei" ist doch kein Qualitätsbegriff für eine Partei.

Jede Partei die bei uns zu Wahlen antritt muss gewissen demokratischen Minimalanforderungen auf dem Papier genügen.
Die AfD erfüllt diese Kriterien genauso wie die NPD oder der III. Weg, der ja nichts anders als eine rechtsextreme neonazistische Partei ist.

Anonsten sagen ja selbst ehemalige AfD Spitzenpolitiker auf Landesebene, das die AfD als Funktionsträger zunehmend ehemalige Rechtsextremisten beschäftigt. Das Interviwe von Steffi Brönner in Thüringen zu diesem Thema kann man nachlesen.

Ansonsten frage ich mich wo unser Land gerade massiven Schaden nimmt, ausser das rechtsextreme Verbrecher an allen Ecken aus dem Boden spriesen. Rekordsteuereinnahmen und Rekordbeschäftigung klingen nicht nach einem massiven Schaden, ebenfalls wie eine historisch gute Sicherheitslage.

Anderes behauptet nur die AfD und man sollte sich einmal objektiv fragen warum!

30.06.2018 18:17 O-Liner (5. V.) 23

@15. Mir ist es bisher nicht annähernd gelungen, einen solchen gleichermaßen haßerfüllten und faschistoiden (sic! Nicht "faschistuiden"!) wie auch verlogenen ("verfassungsfeindlich"?) Kommentar hier unterzubringen, wie es Ihnen gestattet wurde! Muß nur das Feindbild das richtige sein, um hier anzulanden?

30.06.2018 13:53 Sachse43 22

Klein Hansi, was wollen sie denn mit ihren Gegnern machen?

30.06.2018 13:35 mare nostrum 21

@ 19
Ich beziehe mich auf die sogenannte "rote" Brille:
Augenscheinlich benötigen gewisse Leute (nicht nur hier) grundsätzlich eine SEHHILFE ...

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