Landwirtschaftsförderung Agrarminister wollen sächsischen Vorschlag einer Gemeinwohlprämie berücksichtigen

Blühwiese
Wer als Landwirt naturnahe Blühwiesen anlegt, soll dafür finanziell belohnt werden - zumindest wenn die Gemeinwohlprämie tatsächlich kommt. (Archivbild) Bildrechte: MDR / Antje Kirsten

Die Agrarministerkonferenz hat auf Initiative des sächsischen Landwirtschaftsministers Wolfram Günther beschlossen, bei der nationalen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU die Gemeinwohlprämie in Betracht zu ziehen. Der Grünen-Politiker sagte nach seiner Rückkehr vom Treffen im saarländischen Weiskirchen, er freue sich über die Unterstützung seiner Ressortkollegen. "Wenn man Umweltschutz in der Fläche betreiben will, geht das nicht ohne die Landwirtschaft." Günther wolle, "dass Landwirtinnen und Landwirte nicht mehr als Bittsteller abhängig von immer neuen Förderprogrammen sind, sondern dass sie als Umweltdienstleister entlohnt werden und diese Entlohnung verlässlich in ihre betriebswirtschaftliche Planung einkalkulieren können." Es gehe um öffentliches Geld für öffentliche Leistungen.

Modell vom Deutschen Verband für Landschaftspflege

Eine Gemeinwohlprämie sieht vor, Landwirte systematisch für erbrachte Umweltleistungen zu entlohnen. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU regelt die flächengebundenen und an bestimmte Umweltmaßnahmen gebundenen Zahlungen an die Landwirtschaft in den Mitgliedsstaaten. Gemäß Bund-Länder-Arbeitsgruppe der Agrarministerkonferenz soll das Gemeinwohlprämien-Modell des Deutschen Verbands für Landschaftspflege als Variante der Ökoregelungen in die nationale Ausgestaltung aufgenommen werden. Das Modell sieht 19 Maßnahmen vor, die von den Landwirten freiwillig erbracht werden können und die nach einem differenzierten Schlüssel entlohnt werden sollen. Dazu zählen unter anderem die kleinteilige Ackerbewirtschaftung, die Anlage von Blüh- und Nützlingsstreifen, Weidehaltung oder bestimmte Stoffkreisläufe im Betrieb.

Bäuerliche Betriebe für eine Gemeinwohlprämie

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hatte sich bei einer Protestaktion gegen die Mutterkuhprämie Mitte September in Dresden für die Einführung einer Gemeinwohlprämie stark gemacht. Von einer solchen Förderung könnten alle Landwirte profitieren, die entsprechende Maßnahmen zum Umwelt-, Natur-, Wasser- oder Klimaschutz auf ihren Flächen umsetzten, hieß es. Bislang würden von der Politik vor allem Großbetriebe für massenhafte Erzeugung unterstützt, so die Kritik der Familienunternehmen. Agrarindustrie sei aber nicht nachhaltig, argumentieren traditionelle Landwirtschaftsbetriebe.

Aus Sicht der AbL war es "ein richtiger Schritt, die Gemeinwohlprämie in der Agrarministerkonferenz einzubringen". Der Geschäftsführer der AbL Sachsen, Clemens Risse, sagte MDR SACHSEN, man dürfe sich nun aber nicht auf dem Etappensieg ausruhen. Das Ministerium müsse das Thema bis zur Umsetzung weiterverfolgen. Für die AbL habe die Gemeinwohlprämie höchste Priorität, was man der Politik auch deutlich gemacht habe.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.09.2020 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

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