Ein Wimpel mit dem Parteilogo der Alternative für Deutschland (AfD) steht am 28.01.2017 auf dem AfD-Landesparteitag in Klipphausen auf einem Tisch.
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Neugründung unter Poggenburg AfD-Landesverband Sachsen bedauert Austritte von Mitgliedern

In Sachsen haben mehrere AfD-Mitglieder ihren Austritt erklärt. Einige von ihnen sollen der neuen Partei von André Poggenburg angehören - dem "Aufbruch deutscher Patrioten". Markenzeichen: eine blaue Kornblume. Es sind nicht die ersten Abspaltungen bei den Rechtspopulisten.

Ein Wimpel mit dem Parteilogo der Alternative für Deutschland (AfD) steht am 28.01.2017 auf dem AfD-Landesparteitag in Klipphausen auf einem Tisch.
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In Sachsen haben mehrere Mitglieder der AfD ihren Austritt aus der Partei erklärt. Der Sprecher des AfD-Kreisverbandes Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, Rolf Süßmann, schrieb am Donnerstag auf Facebook, Egbert Ermer, Jörg Borasch, Ute Fugmann und Bernhard Wedlich hätten am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Verbandes ihren Austritt erklärt. Dies hätten sie mit der ihrer Meinung nach "falschen Politik des AfD-Bundesvorstandes" begründet. Sie hätten außerdem erklärt, "dass es eine wie auch immer neue Bewegung geben wird, die den Konservatismus stärker betont."

"Das Projekt Parteigründung geht heute los"

Bernhard Wedlich, der bei Facebook als Bernhard Sachs auftritt, bestätigte dort den Austritt und schreibt: "In jedem Ende liegt ein neuer Anfang". Der "Spiegel" zitierte den Ex-Chef des AfD-Kreisverbands Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, Egbert Ermer, einen Mitstreiter Poggenburgs, mit dem Satz: "Das Projekt Parteigründung geht heute los." Geplant sei eine "mitteldeutsche Bewegung", mit Zweigen in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Przybylla: Zu viele Funktionäre

Junger Mann hält eine Zeitung in die Luft
Um Benjamin Przybylla hatte es im Kreisverband Zwickau große Differenzen gegeben. Przybylla war unter anderem wegen seiner Eigenmächtigkeiten in Ungnade bei seiner Partei gefallen. Daraufhin wurde ihm das Direktmandat für die Bundestagswahl 2017 entzogen. Bildrechte: MDR/propicture-fotoagentur

Auch in anderen Kreisverbänden wollen Mitglieder die Partei verlassen. So verkündete unter anderem AfD-Mitglied Benjamin Przybylla aus Zwickau auf seiner Facebook-Seite ebenfalls seinen Austritt. Als Grund nannte er die internen Querelen der Rechtspopulisten. Anstatt den politischen Gegner zu bekämpfen, würden die eigenen Mitglieder unter Druck gesetzt, so Przybylla. Er schreibt unter anderem: "Der Druck, den man nach außen hin vermissen lässt, entweicht nach innen, um dort seine destruktive Wirkung zu entfalten." Der Zwickauer warf der AfD vor, sich immer mehr zu einer Funktionärspartei zu entwickeln. "Stattdessen ist es in der AfD verbreitet, das Erringen von Parlamentssitzen mit Politik zu verwechseln. Wäre allgemein bekannt, was Funktionäre hinter verschlossenen Türen besprechen, würde sich in den Reihen der AfD-Unterstützer auch ganz schnell große Ernüchterung breitmachen." Ähnlich wie Wedlich hat auch Przybylla eine Neugründung zumindest angedeutet: "Der 10. Januar 2019 ist ein guter Tag für einen neuen Aufbruch."

AfD verschiebt Landesparteitag

Nach Informationen von MDR SACHSEN sollen bis zu 20 Mitglieder die Partei verlassen wollen. Der sächsischen AfD waren nach eigenen Angaben bis Donnerstag keine Austritte bekannt. Am Freitag teilte der Landesverband schließlich mit, die Austritte "einiger weniger Mitglieder" zu bedauern. Man halte die Parteineugründung für "überflüssig und schädlich".

Nur in einer konservativen Partei geeint, sind wir stark. Offensichtlich haben einige Schwierigkeiten, sich in die Mannschaft einzufügen - Parteiarbeit ist Teamarbeit. Dennoch ist es schade, dass sich auch teilweise verdiente AfD-Mitglieder hier haben mitreißen lassen.

Jörg Urban und Jan Zwerg AfD-Landesverband Sachsen

Kurz nach Bekanntwerden der Austritte am Donnerstag hatte der Landesverband der AfD mitgeteilt, seinen für den 26. und 27. Januar in Groitzsch geplanten Landesparteitag zu verschieben. Landesvorsitzender Jörg Urban sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN, der Parteitag müsse verschoben werden, weil das Wahlprogramm für die Landtagswahl bis dahin nicht fertig ist.

Weiter unter André Poggenburg

Spekulationen über eine Neugründung unter der Führung des sachsen-anhaltischen Landtagsabgeordneten André Poggenburg wurden am Freitag bestätigt. Am Abend zuvor war bekannt geworden, dass auch Poggenburg die Partei verlässt. Inzwischen hat er eine neue Partei mit dem Namen AdP ("Aufbruch deutscher Patrioten") gegründet, die zu den Landtagswahlen in Ostsachsen antreten will. Im Vorstand der neuen Partei sitzen laut "Welt" die ehemaligen sächsischen AfD-Abgeordneten Egbert Ermer und Benjamin Przybylla.

Der Bundesvorstand der AfD hatte Poggenburg jüngst für zwei Jahre für alle Ämter gesperrt. Er war bei Parteifreunden zuvor mit markigen Sprüchen auf Twitter angeeckt. Poggenburg hatte im Kurznachrichtendienst Twitter am Silvestertag geschrieben: "Den Mitbürgern unserer Volksgemeinschaft ein gesundes, friedliches und patriotisches 2019!"

André Poggenburg
André Poggenburg bei einer Aschermittwochs-Veranstaltung der AfD Sachsen in Pirna im Februar 2018. Seine Äußerungen hatten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach sich gezogen. Er hatte die Türken in Deutschland verunglimpft. Er bezeichnete sie unter anderem als "Kümmelhändler" und "Kameltreiber", die in Deutschland "nichts zu suchen und nichts zu melden" hätten. Bildrechte: dpa

Die 2013 gegründete AfD hat schon mehrere Abspaltungen hinter sich. Parteigründer Bernd Lucke verließ 2015 die Partei, nachdem er im Machtkampf mit dem rechtsnationalen Flügel unterlegen war. Er gründete gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten eine neue Partei, die aber erfolglos blieb. Nach der Bundestagswahl 2017 trat die Parteivorsitzende Frauke Petry aus. Sie gründete die "Blaue Partei".

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.01.2019 | ab 17:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2019, 10:31 Uhr

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54 Kommentare

14.01.2019 10:05 Ekkehard Kohfeld 54

@ Frührentner 52 die steuerbezahlten Fleischtöpfe locken Mit zur Wahrheit predigend, gewählt, ausgetretene aber Mandat behalten um weiter Steuergelder zu raffen, der Magdeburger Landtag spendiert dauerhaft nicht anwesende fürstliches Gehalt von dem gutgläubige Wähler nur träumen##

Das ist nicht nur in Magdeburg so schauen sie mal wie viel Abgeordnete Aufsichtsratsmandate sogar mehrere haben,oder sonstige Auftritte haben die mit ihrem Mandat nichts zu tun haben aber dafür Geld kassieren,eigentlich müßte man ihnen das von ihrem Gehalt als Abgeordneter abgezogen werden,würde allerdings bei einigen gar nichts
mehr übrig bleiben müßten sogar noch was mitbringen.

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13.01.2019 12:35 Zeitgeist 53

Ich persönlich finde es bedauerlich, daß die CSU nicht den Mut hat in den Freistaaten Sachsen und Thüringen anzutreten. Das würde der Parteienlandschaft ein komplett neues Bild geben.

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13.01.2019 06:18 Frührentner 52

die steuerbezahlten Fleischtöpfe locken Mit zur Wahrheit predigend, gewählt, ausgetretene aber Mandat behalten um weiter Steuergelder zu raffen, der Magdeburger Landtag spendiert dauerhaft nicht anwesende fürstliches Gehalt von dem gutgläubige Wähler nur träumen

13.01.2019 02:47 Janes 51

@Horst 1 50: Und es ist fantastisch zu sehen, wie sie sich an ihre eigenen Vorgaben halten. Weiter so! Die Zukunft wird es zeigen...aber bisher in der Evolution hat sich noch niemals das Schwache durchgesetzt. Also wird das Ergebnis wenig überraschend ausfallen....betroffene Hunde bellen

12.01.2019 19:56 Horst 1 50

es ist schön ,wie die "getroffenen Hunde bellen" Wir werden sehen,wie sich die Zukunft zeigt! An Janes:ich habe Ihnen schon ein paar mal gesagt,dass ich mit Ihnen nicht kommuniziere!

12.01.2019 19:19 DD 49

@ Horst 1: es besteht aber auch fraglos die Möglichkeit, dass sie und wir in 5 Jahren merken wie recht wir "Gutmenschen" mit unseren Warnungen haben/ hatten. Mir würden auch keine Beispiele einfallen in denen national, konservative Politik zu dauerhaften Wohlstand und Frieden geführt haben. Eher sind mir gegenteilige Beispiele bekannt. Eine derartige Politik wird immer auf Kosten der Schwachen gehen und schlussendlich nicht mehr haltbar sein. Ich bin deshalb über jede Schwächung einer Partei dankbar, welche eine derartige Politik verfolgt.
Weiterhin fällt mir an den Kommentaren in Forum auf, dass die Kontroverse im rechtsnationalen Spektrum größer ist als vermutet. Ich denke auch, dass eine konservativ, nationale Partei, welche sich strikt am GG ausrichtet durchaus eine Berechtigung hat. Allerdings gibt es diese in Form der CDU/ CSU schon.

12.01.2019 18:20 Janes 48

@Horst 1 45: Also sind sie ein Schlechtmensch? Der Beitrag impliziert, dass es 100 % Wahlbeteiligung gibt. Außerdem schwingt dabei die leise Hoffnung mit, dass alle Nicht-Rechts Wähler Angst vor dieser Partei und deren Wähler haben.
Das hat auch nichts mit Wahrheit zutun, denn meistens kommt aus der braunen Richtung nur Gelüge und Märchen.

Nun ja...wie sie darauf kommen, dass immer mehr Leute ihre Stimme an diese Partei verschwenden bleibt ihr Geheimnis. Mich würde interessieren was sie in 5 Jahren sagen, wenn sie plötzlich 500 Euro weniger verdienen weil wir aus der EU ausgetreten sind, die Altersarmut ins Unendliche gestiegen ist und sie ihre Rente selbst finanzieren müssen, weil ihre Partei das gern so beschließen würde. Die Arbeitslosigkeit würde zwar vermutlich auf Vollbeschäftigung sinken, aber es würde immer schwerer noch Arbeitende Menschen zu finden, weil wir immer älter werden, und es immer weniger Kinder gibt. Hauptsache die Atomkraftwerke laufen wieder...

12.01.2019 18:14 Eulenspiegel 47

Hallo Horst 1 45
„Es ist schwer,die Wahrheit von anderen Leuten zu erfahren und zuzusehen ,wie immer mehr Wähler der AFD das Vertrauen schenken!“
Also ich gehöre nicht zu den Leuten die eine Glaskugel zuhause haben. Darum weiß ich nicht was die Leute in Zukunft wählen werden. Aus meiner Sicht wäre es ja durchaus im Rahmen des Mögliche das in Zukunft immer mehr Leute AfD wählen werden. Aber von der Vergangenheit kann man dies nicht sagen. Bundesweit pendelt die AfD seit geraumer Zeit irgendwo zwischen 10 und 17 %. Die AfD ist nun mal ein Randgruppe.

12.01.2019 16:15 DER Beobachter @ WegWeiser 46

Wobei der Blumenfroind hier ja Pogge schon einlud, der NPD beizutreten. Passt schon - beides ;)

12.01.2019 16:02 Horst 1 45

an alle Gutmenschen hier im Forum: haben Sie so eine Angst vor den angeblich wenigen Leuten, die AFD wählen und wählen werden? Es ist schwer,die Wahrheit von anderen Leuten zu erfahren und zuzusehen ,wie immer mehr Wähler der AFD das Vertrauen schenken! Sie werden das vielleicht einmal in spätestens 5 Jahren merken.wie Recht diese Leute haben und hatten!

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