Gleisbett einer Bahnstrecke
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Entscheidung über Bundesverkehrswegeplan Bahnstrecken Dresden-Prag und Leipzig-Chemnitz hochgestuft

Im sächsischen Bahnnetz gibt es an vielen Stellen Aufholbedarf. Jetzt sorgt eine Entscheidung des Bundesverkehrsministers für Freude, zumindest in Dresden, Leipzig und Chemnitz. In Ostsachsen ist weiter Geduld gefragt.

Gleisbett einer Bahnstrecke
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Das Bundesverkehrsministerium hat zwei wichtige sächsische Bahnprojekte im Bundesverkehrswegeplan in die Top-Kategorie mit gesicherter Finanzierung hochgestuft. Es handelt sich um die Neubaustrecke Dresden-Prag und die Verbindung Leipzig-Chemnitz, wie aus einer Liste des Ministeriums hervorgeht. Beide Bahnprojekte sind nun in den "vordringlichen Bedarf" aufgenommen.

 Jubel in Chemnitz

Für die geplante Neubaustrecke zwischen Dresden und Prag ist damit die Finanzierung des deutschen Teils - inklusive eines 26 Kilometer langen Tunnels im Erzgebirge - gesichert. Die Gesamtkosten werden mit gut 1,5 Milliarden Euro beziffert.

Auch die lange erhoffte Elektrifizierung auf der Strecke Leipzig-Chemnitz kann nun in Angriff genommen werden. Damit könnte Sachsens drittgrößte Stadt Chemnitz auch wieder an das Fernverkehrsnetz der Bahn angeschlossen werden. Die Wirtschaftsregion Chemnitz ist vom Fernverkehr auf der Schiene abgeschnitten. Um den Ausbau der Strecke wird seit Jahren gerungen.

"Chemnitz braucht Leipzig als Umsteigebahnhof in die 'Welt'"

Der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Detlef Müller begrüßte die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums. "Jetzt endlich die Gewissheit mit Brief und Siegel zu haben, dass Ausbau und Elektrifizierung kommen werden, das ist schon etwas ganz Besonderes", so Müller. Auf Anfrage von MDR SACHSEN machte er jedoch klar, dass er mit einer Fertigstellung nicht vor 2025 rechnet. Mit möglichen Einsprüchen, beispielsweise von Anliegern, könnte es noch länger dauern. Und Müller rechnet auch nicht mit einem Stunden- oder Zweistundentakt für Fernzüge. Eher werden wahrscheinlich einzelne Züge über den Tag verteilt fahren. Wohin, das stehe jetzt noch nicht fest, so Müller weiter. Denkbar wäre eine Verlängerung der bisherigen IC-Züge Köln - Ruhrgebiet - Leipzig. Möglich wäre aber auch, einzelne ICE-Züge aus Wiesbaden/Frankfurt am Main nach Chemnitz zu leiten. In jedem Fall sei für die Chemnitzer aber der Anschluss nach Leipzig wichtig. "Chemnitz braucht Leipzig als Umsteigebahnhof in die 'Welt'", so der SPD-Politiker.

 Dulig setzt auf zügige Planungen

Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig erklärte am Dienstag in Dresden, die vielen Gespräche auf Bundes- und Landesebene hätten sich ausgezahlt, damit Chemnitz nun wieder an den Fernverkehr heranrückt. Er forderte, dass die Projektplanungen nun schnell fortgesetzt werden. "Wir erwarten in den kommenden Tagen nähere Ausführungen des Bundes, für welche Streckenführung er sich entschieden hat." Sachsen hat in die Planungen der Strecke Leipzig-Chemnitz bisher rund 2,4 Millionen Euro investiert. Nachträglich soll auch geprüft werden, ob der Streckenabschnitt Rochlitz-Narsdorf einbezogen werden soll.

Bahnstrecken Sachsen - Grafik
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 Bahnstrecken in Ostsachsen nicht im "vordringlichen Bedarf"

Nicht in den "vordringlichen Bedarf" wurde indes die Elektrifizierung der Strecken von Görlitz bis Cottbus und von Dresden bis zur polnischen Grenze bei Görlitz eingestuft. Allerdings teilte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ( CSU ) mit, dass beide Schienenwege von einem Elektrifizierungsprogramm des Bundes profitieren sollen. Auch das sei ein Erfolg, meinte Dulig. Beide Strecken müssten dringend elektrifiziert werden, um den bevorstehenden Strukturwandel in der Lausitz abzufedern.

Die Elektrifizierung der beiden Strecken ist dringend notwendig, um den anstehenden Strukturwandel in der Lausitz abzufedern, damit sich die Region positiv in der Zukunft entwickeln kann und neue Arbeitsplätze entstehen. Dieses klare Signal ist ein wichtiges Zeichen für die Lausitz.

Martin Dulig Verkehrsminister Sachsen

Linke: "CSU-Bundesverkehrsminister schiebt Lausitz aufs Abstellgleis"

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn monierte dagegen, das sei eine nicht hinnehmbare Verzögerung. Das Elektrifizierungsprogramm existiere bisher nur auf dem Papier und die genaue Ausgestaltung sei offen. Der ländliche Raum in Sachsen dürfe nicht weiter von den Metropolregionen abgekoppelt werden.

Die Linken haben zu "massiven Protest aus Sachsen" aufgerufen. Der mobilitätspolitische Sprecher im Landtag, Marco Böhme, erklärte am Dienstag, er könne die "Lobhudelei auf den CSU-Minister" nicht verstehen. Die Infrastruktur in der Lausitz müsse "ins 21. Jahrhundert" geholt werden. "Dass dies der CSU-Verkehrsminister nicht für nötig hält und Dulig ihm dabei auch noch dankt, ist für mich mehr als unverständlich. Es ist einfach das falsche Signal, das der Freistaat ins Bundesverkehrsministerium sendet - nämlich Zufriedenheit, wo man nicht zufrieden sein kann!" Böhme forderte die Landesregierung auf, selbst Eisenbahnstrecken auszubauen.

Hintergrund Im August 2016 wurde der Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) vom Bundeskabinett beschlossen und im November 2016 vom Bundestag bestätigt. Der BVWP ist das zentrale Steuerungsinstrument bei der Planung, Finanzierung und beim Neu- oder Ausbau von Verkehrsinfrastrukturprojekten im Bereich Schiene, Bundesfernstraßen und Wasserstraßen.

Im Bereich Schiene wurden zehn der elf angemeldeten Vorhaben in den Plan aufgenommen, jedoch unter verschiedenen Prämissen. Die Elektrifizierung der Strecken Dresden - Görlitz, Cottbus - Görlitz und die Elektrifizierung der Strecke Leipzig - Chemnitz sind bisher im Potenziellen Bedarf enthalten, wurden aber (bis heute) noch nicht abschließend entschieden. Die Eisenbahn-Neubaustrecke von Dresden nach Prag ist inzwischen im Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans ausgewiesen. Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und sein tschechischer Amtskollege Dan Tok haben dazu im August 2017 eine Absichtserklärung für den Bau unterzeichnet.

Von den weiteren von Sachsen angemeldeten und heute bestätigten Projekten waren fünf bereits im BVWP 2003 enthalten (Dresden - Berlin; Leipzig - Dresden; Karlsruhe -Nürnberg - Leipzig/Dresden - Sachsen-Franken-Magistrale; Hof - Marktredwitz - Nürnberg; Knoten Dresden und Leipzig/Halle). Diese Projekte und die neu angemeldete Elektrifizierung der Strecke Hof - Marktredwitz - Regensburg sind alle im Vordringlichen Bedarf eingestuft.

Nicht geschafft hat es die ebenfalls von Sachsen angemeldete Elektrifizierung der Bahnstrecke Plauen - Bad Brambach - tschechische Grenze. In Abstimmung mit dem Vogtlandkreis lässt der Freistaat jedoch derzeit eine Wirtschaftlichkeits-/ Machbarkeitsuntersuchung für diese Strecke erarbeiten.
Quelle: Verkehrsministerium Sachsen

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 06.11.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2018, 07:49 Uhr

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8 Kommentare

07.11.2018 09:09 Martin 8

Es ist gut, dass die Bundesregierung erkennt, dass es einen Nutzen gibt, die Strecke Chemnitz-Leipzig auszubauen und zu elektrfizieren. Laut dem Entwurf zum Deutschlandtakt ist das dort beschriebene Pensum mit der eingleisigen Strecke aber nicht zu schaffen. Bereits jetzt ist sie bei geringen Verspätungen eine unzuverlässige Strecke mit jeweils gerade einem RE pro Stunde und Richtung. Mehrverkehr nicht realisierbar. Deshalb unbedingt die Zweigleisigkeit erhöhen, sonst bringt die Elektrifizierung und Linienverbesserungen keine nenneswerte Wirkung und ein Fernverkehr ist so auch nicht realisierbar ohne den SPNV zu behindern. Ich hoffe die Entscheidungsträger in Land und Städten stellen noch ein paar Euro der Steuerzahler zur Verfügung für dieses sinnvolle Projekt. Das unterstützt auch den S-Bahnausbau sowie das Chemnitzer Modell. Woanders werden Millarden vergraben und wir dürfen uns bedanken, wenn die SPNV-Infrastruktur der 1920er Jahre wieder aufgebaut und verbessert wird...

06.11.2018 19:40 GEWY38 7

an @Zeitgeist, was soll man in Chemnitz schnallen? Das ist doch uralt was Sie da schreiben. Was nutzt eine elektrifizierte Strecke die die DB Netz gebaut hat, wenn die DB Fernverkehr diese nicht nutzt? Die DB Netz verdient trotzdem Geld, wenn Dritte dort fahren. So sind die Strukturen. Man kann auch sofort, nicht nur von Rostock im IC nach Dresden sondern sogar bis Hof über Freiberg -Chemnitz - Zwickau - Plauen fahren. Will man nicht. Warum???? Man kann auch sofort den IC, der das letzte Stück mit Diesel ab 2018 bis Gera über die Mitte Deutschland Linie fährt, über Glauchau (ab dort elektr.) über Chemnitz-Freiberg-Dresden bis Görlitz fahren lassen. Wie seit 100 Jahren. Will man nicht. Warum???? Naja, die DB ist eben ein Staatsbetrieb. Da gehen die Uhren manchmal :-)) anders.

06.11.2018 19:36 Wolfgang Nawalny 6

@ Oberlausitzer 4 - "Für die Lausitz gibt es nirgends eine Lobby. "

Dieser kurze ehrliche Satz von Ihnen bringt es auf den Punkt. Der Satz macht sehr nachdenklich und auch ein wenig traurig.

06.11.2018 19:20 Wolfgang Nawalny 5

M. Dulig: "Die Elektrifizierung der beiden Strecken ist dringend notwendig, um den anstehenden Strukturwandel in der Lausitz abzufedern, damit sich die Region positiv in der Zukunft entwickeln kann und neue Arbeitsplätze entstehen. Dieses klare Signal ist ein wichtiges Zeichen für die Lausitz."

Die Strecke von Dresden nach Görlitz ist zweigleisig, mehrmals schon ausgebaut worden und hatte früher eine recht dichte Belegung mit D-Zügen aufzuweisen. Es herrschte auch ein reger Güterverkehr. Die Strecke war nicht elektrifiziert und ist es auch heute nicht. Es wäre zwar schön und gut, wenn Oberleitungen hingen, doch auch so können Züge recht leistungsstark fahren.

Nun verstehe ich nicht ganz, dass wenn die Strecke dann mit E-Loks betrieben wird, der "Strukturwandel in der Lausitz abgefedert werden könnte". Kann er das jetzt nicht? Die Streckenbelegung ist zur Zeit so dünn, dass noch eine Vielzahl Züge Platz im Streckenbelegungsplan hat.

06.11.2018 18:18 Oberlausitzer 4

Für die Lausitz gibt es nirgends eine Lobby. Und so wird es auch bei der Einstellung der Kohleförderung werden. Es wird viel geredet und am Ende werden lausitzferne Projekte finanziert. Die Lausitz wird entvölkert (von jungen Leuten) und ein einziges Altersheim.

06.11.2018 16:57 FCWler 3

Baubeginn???

2025 ??

Oder doch erst 2030 , weil wieder eine besonders seltene Fledermausart entdeckt/ ausgesetzt wird ??

06.11.2018 15:17 Zeitgeist 2

2 Strecken welche nun nicht dringend gebraucht werden.
Dresden- Prag da rollen schon Schnellzüge !
Leipzig- Chemnitz, kompletter Unsinn, Zeitvorgabe 2025, könnte dann so wie bei der Autobahn nach Leipzig abgehen. Termin war 2006, heute noch nicht fertig.
Wann schnallt man den in Chemnitz endlich mal, daß mit der Verbindung Chemnitz- Riesa- Berlin schon eine Strecke komplett fertig ist. 2 Gleise, elektrisch
120 /160/200 wer Tempo möglich. Ein ICE ist in 30 Minuten in Riesa. Von dort rollen Züge nach Prag, Köln und Frankfurt ! Und wenn der Bahnchef will fährt da was im Winterfahrplan 2018 /19!

06.11.2018 15:11 Contoso 1

Detlef Müller ist kein CDU-Politiker!

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