Pro Frauenquote Landesfrauenrat: "Ohne Quote können wir noch 100 Jahre kämpfen"

Zur Frauenquote in Politik und Wirtschaft hat die Vorsitzende des Landesfrauenrats Sachsen, Susanne Köhler, folgende Meinung:

Eine weibliche Playmobil-Figur steht vor mehreren männlichen Figuren.
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"Es ist immer noch nicht so, dass wir Frauen entsprechend unseres Anteils von 51 Prozent in der Bevölkerung auch in den Parlamenten vertreten sind. Frauenthemen werden nach wie vor mit spitzen Fingern behandelt. Es gibt viele Gründe, weshalb so wenige Frauen in politischen Ämtern arbeiten. Der Hauptpunkt ist die fehlende Möglichkeit Familie, Politik und Beruf unter einen Hut zu bringen. Das sind drei Standbeine, die viel Zeit verbrauchen. Das andere ist die typisch männerbetonte Art in kleineren Parlamenten wie Gemeinderäten. Ich bin eine starke Verfechterin der Quote. Ohne Quote können wir noch weitere 100 Jahre in Sachsen kämpfen. Auch im Sächsischen Landtag waren schon mal mehr Frauen vertreten. Das liegt auch immer an den Parteien und daran, wer meint, dass er Frauen fördern möchte.

Susanne Köhler | Landesfrauenrat Sachsen
Susanne Köhler vom Landesfrauenrat verlangt Ermutigung und frauenfreundlichere Bedingungen. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Für die Quote spricht, dass wir in absehbarer Zeit eine paritätische Besetzung in den Parlamenten bekommen. Wenn Frauen jetzt nachrücken, ziehen sie weitere Frauen mit sich und sind Vorbilder. Eine Quote ist deshalb wichtig, weil Frauen von Frauen gefördert werden, wenn sie vorhanden sind. Man kennt das aus Aufsichtsräten und Vorständen. Es wird oft behauptet, es gäbe keine Frauen, die solche Ämter wollten. Das ist falsch. Viele Frauen trauen sich ein Amt oft nicht zu. Man muss sie dazu ermutigen. Das bedeutet auch, ihnen die zeitliche Möglichkeit dafür einzuräumen. Das betrifft die Sitzungszeiten. Oft sind die abends nach 18 Uhr. Auf kommunaler Ebene werden Termine so gelegt, dass Frauen mit kleineren Kindern zu Hause gar nicht daran teilnehmen können. Das ist das kleinere Problem.

Das viel größere Problem ist, dass nach wie vor viele Frauen im Niedriglohnsektor im Schichtsystem arbeiten. Wenn sie aktiv werden wollten, wüssten sie gar nicht, wie sie das unterbringen sollten. Warum nicht einen Kindergarten in einem Stadtrat mit anbieten, dass Frauen die Kinder mitbringen können? Wir hatten ja auch den Fall, dass eine Mutter im Landtag ihr Kind nicht stillen sollte. Es müssen frauenfreundlichere Bedingungen gestaltet werden. Und es müssen auch Frauen einen Listenplatz zugeordnet bekommen, bei dem sie die Chance haben, wirklich mitmachen zu können. Sie sollten nicht nur auf die Liste gesetzt werden, damit die Quote ab Platz 50 stimmt."

Quelle: MDR

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Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2019, 15:57 Uhr

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