100 Jahre Frauenwahlrecht Seit 100 Jahren kämpfen Frauen in Sachsens Parlamenten für Demokratie

Seit 100 Jahren gehen Frauen wählen und bestimmen die Politik im Sächsischen Landtag mit. Das Frauenwahlrecht gilt als Meilenstein in der Demokratiegeschichte. Ein Jahrhundert später diskutieren Politikerinnen immer noch über gerechte Teilhabe und Frauen in Führungspositionen in Sachsen.

Werkzeuge auf einem Sitzplan mit der Aufschrift "Sächsischer Landtag.
Mehr Frauen in politischen Ämtern und auf Partei-Nominierungslisten würden die Zusammensetzung des Sächsischen Landtages verändern - dafür haben die ersten Frauenrechtlerinnen vor mehr als 100 Jahren schon gekämpft. Bildrechte: dpa

Mit Kanzlerin Angela Merkel steht seit Jahren eine Frau an der Spitze der deutschen Politik. Vor 100 Jahren wäre das unvorstellbar gewesen. Am 12. November 1918 wurde in Deutschland das Wahlrecht eingeführt. Seitdem konnten Frauen mit entscheiden, wer die Geschicke des Landes führen soll. Darüber hinaus konnten sie sich selbst zur Wahl stellen und damit in die Politik eingreifen. Die Gesellschaft musste sich an diesen Umbruch erst gewöhnen - auch im ehemaligen Königreich Sachsen.

Wanderausstellung zeigt: Themen aktuell wie vor 100 Jahren

Frauen stehen in einer Schlange vor einem Wahllokal.
Frauen und ein paar Männer stehen in einer Schlange vor einem Wahllokal 1919. Bildrechte: AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung/dpa

Ende November 1918 trat in Sachsen das Wahlrecht für Frauen in Kraft. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen erstmals wählen. Drei Frauen gelangten in die Volkskammer, wie das Vorgängergremium des Landtages damals hieß. Daran erinnert eine Wanderausstellung, die ab 15. Januar im Sächsischen Landtag zu sehen ist. Die Schau mit 25 thematischen und biografischen Tafeln wirft Schlaglichter auf die politischen Akteurinnen und ihren Kampf für das Recht auf Mitgestaltung. Das Projekt wurde vom Frauenstadtarchiv Dresden und Sozialgeschichtsexperten der TU Dresden erarbeitet. Im Blickpunkt der ersten Landtagspolitikerinnen und Frauenrechtlerinnen standen ab 1919 Themen, die Frauen auch heute noch umtreiben, sagt Susanne Köhler vom Landesfrauenrat Sachsen. "Sie haben versucht, allgemeine Themen anzusprechen, aber eben auch die Dinge, die Frauen besonders beschäftigen. Es ging um Berufliches und die Frage: Wie schaffen wir es, Familie und Arbeit unter einen Hut zu kriegen und mehr an politischen Entscheidungen teilzuhaben", sagt Köhler.

Frauendebatte auch im Jubiläumsjahr

Die Beteiligung von Frauen in der Politik ist immer noch ein heiß diskutiertes Thema. Die Vorsitzende der Frauenunion Leipzig, Luise Frohberg ärgerte sich unlängst darüber, dass Frauen in ihrer Partei unterrepräsentiert sind. In sieben Wahlkreisen in Leipzig ist keine Frau Direktkandidatin. Bei der Nominierung der CDU-Direktkandidaten in 60 Wahlkreisen sollen nur neun mit Frauen besetzt werden. Frohberg findet, dass Frauen zu selten die Möglichkeit bekämen, sich zu beweisen. Das will die CDU-Parteispitze am 19. Januar ändern. Dann sollen die ersten 20 Listenplätze paritätisch im Wechsel von Mann und Frau besetzt werden - auf den Tag genau 100 Jahre nach den ersten Wahlen zur Nationalversammlung der Weimarer Republik, bei denen Frauen Stimmrecht hatten.

Das waren die ersten drei Frauen im Landtag Else Ulich-Beil (1886 - 1965): Sie studierte Philosophie und Geschichte, promovierte, war Verwaltungsdirektorin und wurde 1917 Leiterin des Frauenreferats beim Kriegsamt Leipzig. In die Sächsische Volkskammer zog sie 1920 als Nachrückerin für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) ein. Sie schuf mehr als 10.000 Arbeitsplätze für Frauen in Sachsen. Unter ihrer Regie entstanden das Landesamt für Wohlfahrtspflege und Mütterberatungsstellen. Mit Machtübernahme Hitlers NSDAP bekam Else Beil Berufsverbot. Nach dem 2. Weltkkrieg setzte sie sich für Flüchtlinge und Vertriebene ein.

Julie Salinger (1863 - 1942): Sie engagierte sich ehrenamtlich in der Sozialfürsorge der jüdischen Gemeinde Dresden. Zwischen 1913 und 1931 leitete sie den Rechtsschutzverein für Frauen und Mädchen. 1918 gründete sie den örtlichen DDP-Verband mit und kandidierte für die Partei. Im Landtag arbeitete sie im Prüfungsausschuss. 1940 wurde Julie Salinger enteignet und von den Nazis ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb sie unter elenden Haftbedingungen.

Anna Geyer (1893 - 1973): Die Journalistin trat 1917 in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) und gab einen Pressedienst heraus. 1919 wurde sie für die USPD in den Landtag gewählt. Nach Parteiquerelen und unerlaubter Daten-Weitergabe an Parteigenossen wurde sie 1921 aus der Partei ausgeschlossen. Später schloss sie sich der SPD an. Ihr Hauptthema war Frauenpolitik. Nach der Machtübernahme der Nazionalsozialisten floh sie erst in die Tschechoslowakische Republik, dann nach Frankreich und über Portugal in die USA.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.01.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2019, 13:50 Uhr

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