Sachsen Offenbar verhaltenes Interesse an der Sommerschule

Wissenslücken schließen, die während des Corona-Lockdowns entstanden sind. Das ist das Ziel der sogenannten Sommerschule. Laut der Lehrergewerkschaft GEW werden die freiwilligen Kurse während der Schulferien bislang eher selten angenommen.

Sommerschule Sachsen
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Kurz nach Beginn der Sommerschule am vergangenen Montag verzeichnet die Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft im Freistaat ein eher verhaltenes Interesse seitens der Schüler an dem freiwilligen Bildungsangebot. Das hätten erste Rückmeldungen aus den Schulen ergeben, sagt Sachsens GEW-Landesvorsitzende Uschi Kruse. Sie sieht das Konzept "Sommerschule" in der Praxis skeptisch: "Gerade bei den Schülern, die es besonders notwendig hätten, erwarten wir nicht, dass sie jetzt in den Schulen sind und irgendetwas nachholen." Dazu seien viele Schulen aufgrund des coronabedingt schwierigen Schuljahresendspurts nicht in der Lage gewesen, ein Extrakursangebot kurzfristig zu organisieren. Ein weiteres Problem sei auch der eingeschränkte Nahverkehr zu den Schulen in der Ferienzeit – insbesondere im ländlichen Raum.

Unterricht in den Kernfächern Mathematik und Englisch

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An der Oberschule Dresden-Weixdorf setzt man vor allem auf Englisch und Mathe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unabhängig von der Erreichbarkeit sind auch an der Dresdner Oberschule Weixdorf die Lerngruppen überschaubar. Hier nutzen rund 35 von 380 Schülern das Kursangebot. Laut Schulleiterin Tina Kindermann gehört ungefähr die Hälfte zu den ohnehin engagierten Schülern. Sie geht davon aus, dass insgesamt mehr Schüler Interesse an der Sommerschule hätte, aber aufgrund von Urlaub, Ferienlager und Ferienjobs nicht teilnehmen würden. Zur Auswahl stehen an der Oberschule in der ersten und fünften Schulferienwoche vor allem Unterricht in den Kernfächern Mathe und Englisch.

Angebote für Schüler und Schulen freiwillig

Die Erstbilanz des Landesschülerrats zur Sommerschule fällt unterschiedlich aus. Viele Schulen würden Lerneinheiten anbieten, genauso würden viele Schulen aber darauf verzichten, sagt die Landesvorsitzende Joanna Kesicka. Dabei müsste grundsätzlich jeder Schüler die Option haben, Lücken im Unterrichtsstoff mithilfe einer Sommerschule nachzuholen.

Umso unverständlicher ist es ihr, dass Schulen auf die Kurse ohne Begründung verzichten könnten. Denn freiwillig ist in Sachsen nicht nur die Teilnahme für Schüler, sondern auch, ob Schulen den Ferienunterricht überhaupt anbieten.

Auch innerhalb des Landeselternrats gehen die Meinungen über die Umsetzung der Sommerschule auseinander. Einige Eltern seien zufrieden, andere hätten sich zum Beispiel mehr Unterricht in Mathe und Naturwissenschaften gewünscht oder längeren Unterricht als nur ein Kursangebot von drei Stunden an einem Tag.

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Verwaiste Schulhöfe in den Sommerferien - nur drinnen pauken vereinzelt Schüler, um den Corona-Rückstand aufzuholen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Belastbare Zahlen nach den Sommerferien

Belastbare Zahlen – wie viele Schulen eine Sommerschule anbieten und wie viele Schüler sich angemeldet haben – hat das Kultusministerium derzeit nicht erhoben. Man habe sich wegen der coronabedingten Belastungen bewusst dazu entschieden, die Schulen mit entsprechenden Anfragen in Ruhe zu lassen, damit sie sich auf ihre Schüler konzentrieren können, so das Ministerium. Wie viele Schulen und Schüler tatsächlich an dem Programm "Sommerschule" teilgenommen haben, soll nach den Sommerferien abgefragt werden.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 22.07.2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Oskar75 vor 12 Wochen

Die Sommerschule ist blanker Aktionissmus und geht an den Bedürfnissen von Lehrern und Schülern weitgehend vorbei.
Wesentlich ist, dass dieses Angebot ausdrücklich "... nicht zur Vermittlung von nichterteiltem Unterrichtsstoff dient, sondern nur der Wiederholung und Festigung... " (Zitat).
Dazu innerhalb weniger Tage die komplette Ferienplanung mit Familienurlaub umstellen, einen Fahrdienst für die Kinder organisieren und die Kinder motivieren - Viel Aufwand für wenig Ergebnis...

Ein Hauptproblem ist Ihnen im Artikel aber nur eine Randbemerkung wert.
Wie sollen die Kinder zur Schule kommen?
- Nahverkehr in den Ferien- in 80% der Fläche Sachsens nahezu ein Fremdwort
- (Groß-) Elterntaxi - da gehen ganze Urlaubstage für eine Unterrichtsstunde drauf... kann man machen, aber kaum jemand hat soviel Urlaub
- Laufen oder Radfahren können die meisten Schüler schon lange nicht mehr zur Schule...

Und warum sollen Lehrer zusätzliche Arbeit übernehmen, bei der allgemeinen Wertschätzung?

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