Multiresistente Keime in einer Petrischale.
Bildrechte: Axel Hamprecht/IMMIH/dpa

Sächsischer Landtag Krankenhauskeime bleiben ein Problem

Im Landtag ging es am Donnerstag um resistente Krankenhauskeime. Erst Ende Oktober waren zwei Patienten in Dresden daran gestorben. Einzelfälle? Wie ist die Lage insgesamt? Sachsens Sozialministerin gab Auskunft.

Multiresistente Keime in einer Petrischale.
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In Sachsen ist die Zahl der mit multiresistente Keimen infizierten Patienten in den letzten Jahren zurückgegangen. Zur Gesamtlage bei den sogenannten Krankenhauskeimen erklärte Sachsens Ministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch (SPD): "In Sachsen gab es zwischen 2013 und 2017 einen Rückgang von 680 auf 510 Fälle." Das spiegele nicht den Eindruck wider, den man von der medialen Berichterstattung vermittelt bekäme. Trotzdem dürfe man das Problem nicht unterschätzen. "Von bundesweit 16 Millionen stationär aufgenommenen Patienten infizieren sich 30.000 mit multiresistenten Keimen."

Reichen die Reserveantibiotika?

Porträt der Sächsischen Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch
Sozialministerin Klepsch. Bildrechte: Sozialministerium Sachsen

Die Frage der Linken-Sprecherin Susanne Schaper nach den Vorräten an sogenannten Reserveantibiotika in den Kliniken konnte die Sozialministerin nicht direkt beantworten: "Mir ist aber nicht bekannt, dass nicht ausreichend davon vorrätig sind." Auch die Frage nach den Faktoren Landwirtschaft, Kläranlagen und Gewässer blieb unbeantwortet. "Damit sollte sich das Netzwerk MRE befassen." Ein dreistufiges Netzwerk MRE (Multiresistente Erreger) mit drei Arbeitsgruppen und einem regionalem Netz aus Gesundheitsämtern, Kliniken und Laboren sei im ständigen Austausch und halte auch Fachtagungen ab, so die Ministerin. Derzeit stehe aber dort noch die Humanmedizin im Mittelpunkt.

Ende Oktober waren sechs Patienten im Städtischen Klinikum Dresden-Neustadt mit einem multiresistenten Keim infiziert. Zwei von ihnen starben. Der medizinische Direktor der Klinik Lutz Blase erklärte, dass gesunden Menschen nichts passiert, die einen multiresistenten Keim in sich tragen. "Gefährlich wird es für den Menschen, wenn er erkrankt und mit Antibiotika behandelt wird. Das tötet viele Bakterien, aber nicht den multiresistenten Keim", so Blase. Dadurch habe der Keim keine Konkurrenten mehr im Körper, könne sich ausbreiten und seine Resistenzen weitergeben. Mit Antibiotika seien solche Keime nur schwer behandelbar.

Multiresistente Erreger Multiresistente Erreger sind Bakterien, die gegenüber den meisten zur Behandlung eingesetzten Antibiotika unempfindlich sind. Die wichtigsten Erreger in diesem Zusammenhang sind der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) sowie multiresistente gramnegative Bakterien (MRGN). In der Regel bestehen bei diesen Erregern jedoch zusätzlich Resistenzen gegen weitere Antibiotika.

Das ECDC (European Centre for Disease Control) sieht in der Verbreitung von multiresistenten Erregern eine der größten Bedrohungen der Gesundheit in unserer Zeit.

Antibiotika-Resistenzen nehmen weltweit zu. Reserveantibiotika sind spezielle Antibiotika, die dafür gedacht sind, Infektionen mit resistenten Erregern zu bekämpfen.

Quelle: Sozialministerium Sachsen, Ärzte Zeitung

Quelle: MDR/st

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.11.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 16:52 Uhr

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1 Kommentar

09.11.2018 13:07 Robert 1

CDU, nicht SPD

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