28.02.2020 | 17:51 Uhr Streit um mehr Geld für Landtagsabgeordnete in Sachsen

Die Abgeordneten und Gäste sitzen während einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus im Sächsischen Landtag. 75 Jahre nach der Befreiung des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz wird in vielen Orten im Freistaat der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
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Einen Tag nach Bekanntwerden der Pläne von Sachsens Jamaika-Koalition für höhere Abgeordneten-Entschädigungen kommt Kritik von der Opposition. Die AfD im Sächsischen Landtag bekräftigte am Freitag noch einmal ihre ablehnende Haltung. Fraktionschef Jörg Urban kritisierte das vorgesehene höhere Budget für Mitarbeiter von Abgeordneten. Er unterstellte CDU und SPD, nach ihren Wahlverlusten "Versorgungsposten" für nicht wiedergewählte Abgeordnete und deren Mitarbeiter schaffen zu wollen. Eine höhere Grundentschädigung lehnt er als "Selbstbedienungsmentalität" ab.

Die Linke sagt jein

Auch die Linke bezeichnete die geplanten Erhöhungen der Grundentschädigung als kaum vermittelbar. Dagegen begrüßte sie aber ein höheres Budget für Abgeordnetenmitarbeiter, weil der Arbeitsumfang im Landtag seit Langem wachse.

FDP spricht von "falschem Zeichen"

Die sächsische FDP als außerparlamentarische Opposition nannte die Diätenpläne ein falsches Zeichen in Zeiten steigender Politikverdrossenheit. Landesschatzmeister und Bundestagsabgeordneter Torsten Herbst kritisierte zudem die vorgesehene Änderung der Berechnungsgrundlage. Dadurch würden die Diäten noch stärker steigen.

Was plant schwarz-rot-grün?
  Derzeitige Regelung Geplante Regelung
Grundentschädigung Jährliche Anpassung zum 1. August entsprechend der Einkommensentwicklung im Freistaat Sachsen (u.a. Bruttolöhne, Sozialhilfe, Hartz IV und Renten)



Aktuell: 5.943,50 Euro

Ab 1. August 2020: rd. 6.100,-- Euro
Anpassung an die Beamtenbesoldungsgruppe R2/6 – entspricht dem Sold eines Richters am Oberlandesgericht.

Anpassungstermin ab 1. Januar 2021 jährlich zu Jahresbeginn.

Anpassungsgrundlage künftig Nominallohnindex (Veränderung der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste inklusive der Sonderzahlungen)



Aktuell:  5.943,50 Euro

Ab 1. August 2020: 6.150,93 Euro
Kostenpauschale Berechnung in vier Stufen, je nach Entfernung des Hauptwohnsitzes vom Sächsischen Landtag, jährliche Anpassung zum 1. April



Aktuell: 3.284,62 Euro bis 4.294.63 Euro

Ab 1. April 2020: 3.330,60 Euro bis 4.354,75 Euro
 
Rentenregelung Renteneintrittsalter in der Regel: 67 Jahre



ABER: Abschlagsfreie Rente ab 63 Jahre, wenn mindestens 15 Jahre Mitglied der Sächsischen Landtags.
Renteneintrittsalter in der Regel: 67 Jahre



ABER: Nur für Parlamentarier, die nach Inkrafttreten des Neuregelungen im Abgeordnetengesetzes in den Landtag einziehen
Budget für Mitarbeiter von Abgeordneten (Gesamtsumme, unabhängig von der Mitarbeiterzahl) Pro Abgeordnetem das 1,5fache des monatlichen Beschäftigungsentgelts der Tarifgruppe 11/3 im öffentlichen Dienst der Länder.



Aktuell: rund 6.019 Euro im Monat plus Arbeitsgeberanteil an Sozialbeiträgen und Sonderzahlungen
Pro Abgeordnetem das 2,5fache des monatlichen Beschäftigungsentgelts der Tarifgruppe 11/3 im öffentlichen Dienst der Länder.



Voraussichtlich: 10.032 Euro im Monat plus Arbeitsgeberanteil an Sozialbeiträgen und Sonderzahlungen
     

Mehr Geld - mehr Leistung

Dass sich nach einer Landtagswahl die neue konstituierte Regierung der Diätenregelungen annimmt, ist nicht ungewöhnlich. Das war auch nach der Landtagswahl 2014 in Sachsen so. Damals gehörte allerdings die SPD-Politikerin Sabine Friedel zu den Kritikern der Diätenpläne, diesmal zu den Verteidigern. Ihre Begründung im Gespräch mit MDR SACHSEN: Diesmal stünden nicht die direkten Bezüge der Parlamentarier im Mittelpunkt, sondern die Möglichkeiten, mehr Mitarbeiter zu beschäftigten und damit die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Anforderungen gestiegen

Grünen-Fraktionsvize Valentin Lippmann betonte bei MDR SACHSEN ebenfalls die stark gestiegenen Anforderungen der Bürger an die Abgeordneten. Er verwies dabei auf den gesamten Social-Media-Bereich und zunehmende Zahl eingereichter Bürgeranliegen. Um dies neben der parlamentarischen Tätigkeit bewältigen zu können, würden mehr Kapazitäten gebraucht. Eine Auffassung, die auch der große Koalitionspartner in dem Dreier-Bündnis, die CDU, vertritt.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.02.2020 | 13:00 Uhr im Radioreport

9 Kommentare

Harry20 vor 13 Wochen

Scheinbar ist die Wahl in Sachsen viel zu glatt gelaufen? Vergessen ist jede Form von Demut! Ganz vorn dabei, die moralisch so überlegenen...Ganz besonders maßlos ist die Regelung zur Bezahlung der Mitarbeiter. Insbesondere wenn man weiß, wie diese Stellen vergeben werden! In der freien Wirtschaft wird das als "Klüngel oder Vetternwirtschaft" bezeichnet. Die Klientel braucht auch nicht stolz darauf sein, dass die Bezüge dann im deutschen Mittelfeld liegen. Das Einkommen der sozialsteuerpflichtigen Sachsen liegt nämlich ganz weit hinten!! Aber die, die es betrifft können mit "sozialsteuerpflichtig" so und so nichts anfangen...

Marko vor 13 Wochen

Die sollten erstmal den öffentlichen Dienst besser bezahlen. Aber es ist wie es immer ist. Kaum gewählt, schon erhöhen sie sich die Diäten. Für den Murks den die regieren nennen dürfte es gar nichts geben.

Leachim-21 vor 14 Wochen

nach meiner Meinung nach zeigt dieser Artikel nur auf was in ganz Deutschland durch die Politiker betreiben wird und zwar die Bereicherung durch Steuergelder zu lasten der Steuerzahler. man könnte auch sagen hier wird Vetternwirtschaft zu lasten des Souverän betreiben und noch nicht einmal die Presse bezeichnet es als das was es ist. tut mir leid so sehe ich das persönlich. die unfähigen Politiker plündern diesen Staat aus und die Wähler wählen diese auch noch wie verrückt muss man da sein.

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