07.02.2020 | 19:01 Uhr Landwirtschaftsminister Günther trifft auf kritische Bauern

von Daniel Schrödel

Wolfram Günther
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Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther hat sich in Limbach-Oberfrohna mit Bauern getroffen. Einer seiner schärfsten Kritiker hatte den Grünen-Minister dorthin eingeladen.

Wolfgang Vogel spricht den Grünen jede Kompetenz für Landwirtschaft ab. Viele Jahre stand er an der Spitze des sächsischen Landesbauernverbandes.

Meine Sorgen sind, dass wir zu sehr geprägt werden von Ideologie und zu wenig auf Fachlichkeit und Sachlichkeit Wert legen.

Wolfgang Vogel Vize-Präsident Deutscher Bauernverband

Skepsis gegen Pläne des Landwirtschaftsministers

Bei der Fachtagung in Limbach-Oberfrohna sitzen rund 60 Menschen im Saal - zumeist Landwirte. Grünen-Landwirtschaftsminister Wolfram Günther soll hier seine Vorhaben zu skizzieren. Trotz skeptischer Gesichter, die Debatte im Anschluss beginnt mit einem Lacher. "Herr Minister, wie fangen wir an heute, Sie wissen bestimmt, viele der Landwirte, die hier im Raum sitzen, haben Sie nicht gewählt, davon gehen Sie auch aus", sagt Matthias Finck, Vorsitzender des Saatgutverbandes Sachsen-Thüringen. Günther antwortet darauf: "Vielleicht ändert sich das ja in ein paar Jahren." Er will den Verkauf regionaler Produkte in Sachsen in den Fokus rücken. Dass sich die Direktvermarktung rechnet, bezweifelt der Vorsitzende der Agrargesellschaft Ruppendorf AG. Das liege an den Verbrauchern.

Wir kommen immer wieder darauf zurück, dass halt fünf Prozent wirklich bewusst einkaufen, wie sie es gesagt haben, die den Wert des Lebensmittels schätzen, aber die Masse schätzt es halt wirklich nicht, das ist unsere praktische Erfahrung, und wir können dort tun und lassen, was wir wollen, wir sind immer auf dem gleichen Stand. Geiz ist geil und billig ist super und danach wird gekauft.

Peter Baling Vorsitzende der Agrargesellschaft Ruppendorf AG

Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther entgegnet, das Bewusstsein für "regionale" Lebensmittel steige, zentrales Standbein müssten zudem Kantinen werden, wie in Kitas und Krankenhäusern.

Weiteres Thema: Kritik an Bürokratie

Ein weiteres Thema, dass der Minister mit nach Dresden nehmen soll: die Bürokratie. Viele hier kritisieren die Bundes- und Landespolitik. Dort fehle an Augenmaß und Planungssicherheit. Joachim Häntsch, Vorstand der Oberlausitzer Milcherzeugergemeinschaft, sagt „Es entscheidet niemand mehr etwas, die haben alle Willensbekenntnisse und am Ende des Tages habe ich als Landwirt im Prinzip keine Orientierung mehr."

Koventionelle Landwirtschaft und Öko-Landbau zusammenbringen

Günther will vermitteln und bekennt sich zu konventioneller Landwirtschaft genauso wie zum Öko-Landbau.

Was ich möchte ist, dass auch kleinere Betriebe Zugang zur Fläche bekommen, deswegen unterstütze ich die auch wirklich gern, aber das heißt nicht, dass sich das Gesamtsystem ändert.

Wolfram Günther (B'90/Grüne) Landwirtschaftsminister Sachsen

Solche Sätze kommen an - auch bei Grünen-Kritikern wie Wolfgang Vogel. Er will den Minister nun an seinen Taten messen.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.02.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2020, 19:01 Uhr

4 Kommentare

Rotti vor 8 Wochen

Darf man das noch sagen? Den Bock zum Gärtner gemacht? Dem Vampir die Blutbank übergeben? Aber, warum sollte es den Landwirten in Sachsen besser gehen, als ihren Leidensgenossen in Sachsen-Anhalt oder Thüringen?
Das ist dann Kenia. Erst an die Macht. Dann die weißen Farmer enteignen und dann die Farmen runter wirtschaften. Zum Schluß nichts mehr zu beißen haben und die bösen weißen Farmer verantwortlich machen.

Karl Gustav2 vor 8 Wochen

Ich bin kein Freund der Grünen, die sich immer mehr von den ursprünglichen Ideen entfernen. Der Herr Günther kommt aber ehrlich herüber ohne mit dem Verbotsfinger zu drohen. Mal sehen, wie es sich entwickelt.

Dynamo vor 8 Wochen

Der Herr Günther hat die Kläranlage auf seinem Grundstück noch nicht umgerüstet. Stichtag dafür war Ende 2015. Jetzt haben wir Februar 2020. Anscheinend gelten solche gesetzliche Regelungen nur für die einfachen Bürger dieses Landes. Politiker sind so hoch in ihrer Tätigkeit gebunden, dass sie für die Erledigung vorgeschriebener Sachen einfach keine Zeit haben. Wer das glaubt, der … Jeder andere Bürger hätte eine saftige Strafe zahlen müssen. "Alle Bürger sind gleich, bis auf wenige, die sind gleicher." 08.02.2020, 09:01

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