Bildungspolitik Koalitionszoff um Stundenpläne für Sachsens Schüler

Der Ton zwischen CDU und SPD wird rauer - zumindest in den Pressemitteilungen. "Verhandeln ist Teamsport und kein Einzelwettkampf!", mahnt die SPD-Bildungsexpertin nach Berichten der "Freien Presse" über CDU-Pläne zur Kürzung der Stundentafel. Mit dem Dreh der Berichterstattung hat aber auch das Kultusministerium selbst seine Probleme.

Ein Stundenplan
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"Stundenkürzungen wegen Lehrermangel. Die Sächsischen Gymnasiallehrer sind entsetzt", twittert der Philologenverband. Im Kultusministerium hatte man da schon längst auf die aus Ministeriumssicht unglückliche Verknüpfung reagiert: "Das Kultusministerium bestätigt Pläne, die Stundentafeln zu überarbeiten. Ziel ist es, die Unterrichtsbelastung zu senken."

Pläne sind nicht neu

So wie der Tenor klang am Morgen, entstand ein Eindruck, den keine Seite braucht oder will, nicht CDU, nicht SPD. Nein: Die Kürzung der Stundentafeln sieht tatsächlich niemand als Lösung des Lehrermangel-Problems. Das Ganze ist nicht neu, und dass die Schüler in Sachsen entlastet werden sollen, ist längst Konsens zwischen CDU und SPD. Schon die ehemalige Kultusministerin Brunhild Kurth hatte angekündigt, mit dem neuen Schulgesetz auch die Lehrpläne aller Schularten zu überprüfen, Stunden zu streichen.

Kürzungen können 800 Lehrer-Vollzeitstellen sparen

Tatsächlich will die CDU-Seite vor allem in den Nebenfächern kürzen: in Kunst, Musik und Sport, aber auch in der zweiten Fremdsprache an den Gymnasien. Klar: Fallen Stunden weg, braucht es weniger ausgebildete Lehrer. Das wird ebenfalls hilfreich sein angesichts der angespannten Lehrersituation. Kultus- und Finanzminister machen die Rechnung auf, dass so 800 Vollzeitstellen eingespart werden könnten. Kritiker bezweifeln, dass der Plan aufgeht: "Die erhoffte Personalreserve wird sich [...] nicht einstellen, weil schon jetzt das Fachpersonal fehlt", erklärt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, Cornelia Falken, und kritisiert, dass ausgerechnet in den persönlichkeitsbildendenden Fächern gekürzt werden soll, die ohnehin schon stiefmütterlich behandelt würden in Sachsen.

Ob es so kommt, ist tatsächlich fraglich, denn auch die SPD hält das für den falschen Weg und stimmt dem bislang nicht zu. "Eine 'Bildungspolitik', die sich auf das willkürliche Streichen einzelner Fächerstunden oder auf einen Beamtenstatus konzentriert, ist für uns nicht tragbar. Genau deswegen verhandeln wir so hart und intensiv mit der CDU. Es geht uns um ein Gesamtkonzept, um den Lehrermangel zu beheben", schreibt die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in ihrer Pressemitteilung.

Was sie nicht schreibt, aber wohl Teil der Diskussion ist: Die SPD will beispielsweise an den Gymnasien lieber den Mathe-Lehrplan entschlacken. Verglichen mit den Bildungsstandards, die die Kultusminister vereinbart haben, werde da in Sachsen deutlich mehr und aus SPD-Sicht unnötig zu viel gelehrt.

Verbeamtung bleibt Streitpunkt

Also: Die gesamte Berichterstattung ist eine Wasserstandsmeldung aus den Verhandlungen. Auf manche SPD-Forderung ist die CDU eingegangen, hört man aus beiden Verhandlungslagern. In einem der ersten internen SPD-Papiere fand sich beispielsweise die Forderung nach 17 Millionen Euro mehr für die Ganztagsangebote. Das liest sich in der Freitagsausgabe der "Freien Presse" wie ein reiner CDU-Vorschlag, ebenso die Ankündigung von zusätzlichen Lehrer-Ausbildungsstätten im ländlichen Raum, in Ost- und Westsachsen. Unstrittig scheint, dass die Grundschullehrer höhergruppiert werden, dass die Situation der sogenannten DDR-Lehrer verbessert werden soll, dass es Zuschläge für Lehrer, die in den ländlichen Raum gehen, geben soll und Einstiegsgarantien für Referendare.

Strittig ist nach wie vor die von der Union geplante Verbeamtung für Lehrer die jünger als 42 sind. Die ist teurer als das Modell der SPD. Die Sozialdemokraten haben vorgeschlagen, die Lehrer ohne Verbeamtung netto deutlich besser zu bezahlen und meinen, ohne zahlreiche andere Änderungen allein die Verbeamtung, die werde es nicht reißen und das Lehrerproblem nicht nachhaltig lösen. So will die SPD beispielsweise zusätzliches Personal für die nichtpädagogischen Aufgaben an den Schulen einstellen, um die Lehrkräfte zu entlasten.

Aktuell ist die große Frage, wie viel von dem Zusätzlichen kann und will man sich leisten, was kostet dann ein Gesamtpaket mit Verbeamtung - und würde die CDU-Fraktion dem dann auch noch zustimmen.

Neulehrer brauchen Perspektiven

Die Zeit drängt: In der kommenden Woche beginnt der neue Bewerbungszeitraum, dann brauchen künftige Lehrer das Signal, womit sie in Sachsen rechnen dürfen. Und das Kabinett will am Sonntag, dem 11. März, zur Eckwerte-Klausur für den künftigen Haushalt zusammenkommen. Auch dafür muss klar sein, wie schwer das neue Lehrerpaket finanziell wiegt. Da die Verhandler von SPD und CDU offenbar an ihre Grenzen kommen, scheint es nun so, als ob der Koalitionsausschuss nun zum Thema das letzte Wort haben wird.

Hintergrund Die "Freie Presse" hatte berichtet, durch die geplanten Unterrichtskürzungen würden im übernächsten Schuljahr etwa 800 Lehrer-Vollzeitstellen weniger benötigt. Laut Zeitung sei geplant, ab übernächstem Schuljahr in den fünften Klassen je eine Wochenstunde Kunst und Musik zu streichen sowie in den 6. Klassen eine Wochenstunde für die zweite Fremdsprache. Der Sportunterricht wird demnach generell auf zwei Stunden pro Woche begrenzt. Grundschullehrer sollen dem Blatt zufolge mehr Geld erhalten, dafür aber pro Woche eine Stunde mehr unterrichten.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.03.2018 | ab 06:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 02.03.2018 | 19:00 Uhr

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22 Kommentare

03.03.2018 14:39 Lehrer in Sachsen 22

Unfassbar!!!
Was erdreistet sich die CDU? Ihr eigenes Versagen sollen nun die Kinder in den nächsten Jahren ausbaden. Die Fächer, in denen Neigungen, Kreativität gefragt sind, die auch mal einen Ausgleich schaffen und zur Rhythmisierung des Schulalltags beitragen, sollen nun eingekürzt werden? Kinder mit Bewegungsmangel haben nun auch noch eine Stunde Sport weniger!!
Wo ist hier die Übernahme der Verantwortung für jahrelange Fehlplanung, desaströse Rechthaberei und Arroganz der Macht gegenüber allen, denen es um die Kinder und die Zukunft des Freistaates ging, als sie auf die kommende Misere JAHRELANG hingewiesen haben.
So serviert man den Freistaat der AfD auf dem Silbertablett....vielen Dank CDU!!!

03.03.2018 10:45 Frank 21

Die Ergebnisse kommender PISA-Studien kann man erahnen. Es ist ein Trauerspiel, was unsere politisch Verantwortlichen zelebrieren.

03.03.2018 10:19 Atze 20

Gibt es eine " Landflucht" wie 89? Damals, als zuerst in Berlin an den Ostberliner Schulen die Lehrer reihenweise nach dem Westen gingen? Kann mich erinnern, dass damals aus den Behörden die Lehrer gefragt wurden, ob sie Unterricht geben? Geht eine Weile, aber......hat doch nichts genützt.
Heute gibt es ja auch eine Landflucht innerhalb der Bundesländer und die muss man durch geeignete Massnahmen eindämmen. Wertschätzung den Lehrern und den Schülern ist die Devise. Klar kann man die Lehrpläne in manchen Teilen straffen usw., aber sich an den o.g. Fächern vergreifen wäre fatal. Hoffentlich sind das Fachleute, die hier am Werke sind? MfG

03.03.2018 09:57 Mario Zecher 19

Neben allen richtigen Argumenten, dass Sport und die musischen Fächer Persönlichkeit und intelligenz fördern, scheint mir ein weiteres noch zu wenig beachtet. Die Landesregierung möchte die drei Fächer in den Ganztagsbetrieb auslagern und von externen Lehrkräften im optionalen angebot verorten. Wie soll hier die Qualität des Unterrichts gewährleistet werden? Ganze Fachbereiche werden so deprofessionalisiert. Es hat gute Gründe, warum seit Jahrzehnten eine ausgefeilte Fachdidaktik für jedes einzelne Fach erforscht und entwickelt wird. - Ich bin gespannt, wann man auf die Ausbildung der Fachlehrer in Musik, Kunst und Sport verzichten wird. Billiger wird es so allemal!

02.03.2018 23:35 Auch ein Lehrer 18

Nach so vielen Jahren in den eigentümlich mahlenden Mühlen des Kultus Sachsen stellen sich mir Fragen:
Warum werden denn nicht Stunden in Mathe, Physik, Chemie und anderen Fächern gekürzt? In diesen Fächern gibt es doch weniger Absolventen und somit wenige bis kaum nachfolgende, neue Lehrer an den Schulen.
Wäre es nicht sinnvoll, alle in der Verwaltung eingesetzten Lehrkräfte wieder ihrer ursprünglichen Tätigkeit zuzuführen? Es muss dann nicht weiter ein Mangel an Lehrern verwaltet werden, schon wäre der Mangel reduziert.
Mir würden noch mehr solcher Vorschläge aus der Tastatur fließen, aber meine Sarkasmusreserven sind nach 33Jahren als Lehrer (in Zwangsteilzeit, dann mit erhöhter Stundenzahl und mittlerweile vielen verschiedenen Fächer unterrichtend) nahezu aufgebraucht.

02.03.2018 22:27 Lehrer 14 17

Ich hätte noch eine "gute" Idee - dieser Art...
Warum nicht einfach den Klassenteiler verdoppeln, dann spart man sich auf einen Schlag, die Hälfte aller Lehrer!
Diejenigen, die da sind, kann man dann sogar problemlos in Kurzarbeit schicken.

Das war nur ein Scherz!!!

Will ich Lehrer werben, dann muss mein Angebot besser sein, als das der Konkurrenz.

Um konkurrenzfähig zu sein, kann man das Problem also nur lösen, wenn man viel Geld in die Hand nimmt und zudem die Anzahl der Lehrerwochenstunden senkt.

Mein Vorschlag daher:

- alle Lehrer (die es wollen) bis 47! verbeamten
- älter Kollegen per Tarifvertrag auf das Nettogehalt eines verbeamteten Kollegen anpassen
- Reduzierung der Lehrerwochenstunde auf 25
- Abschaffung der Vorbereitungswoche
- Entlastung von Klassenlehrern durch Schulassistenten, die aufgrund ihres Augabenspektrums auch einen solchen Namen verdienen
- und... einen Dienstwagen!

Wenn sich das rumspricht, müssen wir wieder alle in Kurzarbeit. ;-)

02.03.2018 19:33 Atze 16

Es ist ein alter Schuh, dass man die musischen Fächer bei Krankheit des Lehrers meist nicht vertreten lässt.
Dass man sich jetzt aber am gegebenen Stundenplan und der Stundenverteilung vergreift, ist schon arlamierend. Stunden die einmal wegrationalisiert sind, die werden nicht wiederkommen.
An die Kinder denkt Keiner. Haben unsere Apparatschicks mal nachgedacht, warum es Pädagogik gibt? ....Ich sag es mal, damit den Kindern nicht nur oben am Kopf Zahlen und Wörter usw. eingetrichtert werden, sondern dass diese durch Sport, Musik usw. " gut verdaut" werden können. Es gibt eine Didaktik usw. Lehrer haben hier Kompetenz und Politiker haben den vollständigen Unterricht zu sicher. Unterricht ist obligatorisch. Für alles ist Geld da....,aber........
MfG

02.03.2018 19:22 Lehrerfreund 15

Ich bin mehr als entsetzt. Seit zig Jahren weis die Regierung, wann ihre Lehrer geboren sind und wann diese in den Ruhestand gehen. ...
Und nun werden Fächer gekürzt, die zum Allgemeinwissen gehören. Und dann auch noch Sport, damit man besser mit digitalen Medien umgehen kann? Dazu bedarf es ja keiner Bewegung mehr, also weniger Sport. Aber wehe, wenn die Schüler immer dicker und unkoordinierter werden.
So spielt man leider der AFD in die Karten. Traurig aber wahr. Leider.

02.03.2018 18:01 Lehrer 14

ich frage mich wozu wir universitäten haben, wenn dann unsere politiker entscheidungen fällen, die bildungswissenschaftliche erkenntnisse schlichtweg ignorieren!?

*bedeutung der kreativen fächer
*forderung der täglichen sportstunde
*sport und sozialverhalten
*bewegung und lernen
*und, und, und

02.03.2018 17:51 Ex-EOSler 13

Bildung und Erziehung in der BRD – Nebensache und auf absteigendem Ast! Hier steht ja inzwischen PISA schon auf der Tabu-Liste. Und mit fehlender Bildung und Erziehung sind dabei nicht nur Kinder oder Jugendliche, sondern vor allem Erwachsene gemeint und angesprochen (Einstellung zur Gesellschaft, unzivilisierter Umgang miteinander, fehlende Achtung vor Arbeit und Geschaffenem usw. usf.).
Aktuelles Beispiel: Beitrag zu dem hier üblichen "Gaffer"-Problem.

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