21.01.2020 | 21:30 Uhr Kommt die Lehrerverbeamtung auf Dauer?

Im Moment werden in Sachsen wieder händeringend Lehrer gesucht. Das Einstellungsverfahren für 600 Lehrer, die zum kommenden Schulhalbjahr anfangen sollen, läuft auf Hochtouren. Ein Argument für die Bewerber ist sicherlich, dass junge Lehrer seit einem Jahr in Sachsen verbeamtet werden können. Eigentlich sollte die Möglichkeit, sich verbeamten zu lassen, nur bis 2023 bestehen. Aber Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat sich dafür ausgesprochen, die Frist aufzuheben.

Eine Lehrerin hilft zwei Schülern bei ihren Aufgaben.
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Rund 70 Prozent der Lehrer, die bereits im Schulsystem angestellt und jünger als 42 Jahre alt waren, haben sich in Sachsen verbeamten lassen  - insgesamt mehr als 5.000 Lehrer. Von den neu eingestellten Lehrern hat sich im letzten Jahr nur jeder dritte verbeamten lassen, rund 600. Eigentlich sollte die Möglichkeit, sich als Lehrer verbeamten zu lassen, befristet sein. Doch Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat angesichts der Zahlen ins Spiel gebracht, an der Lehrer-Verbeamtung festzuhalten.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz in seinem Büro.
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Wir haben uns ja darauf verständigt, das Handlungsprogramm gilt bis 2023. Es ist an uns festzustellen, welche positiven und möglicherweise auch negativen Auswirkungen daraus hervorgegangen sind und wenn die Zahlen, die wir bei den Einstellungen realisieren, weiter in die richtige Richtung gehen, wenn wir merken, dass wir mit der Verbeamtung wettbewerbsfähiger sind, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, die Verbeamtung fortzuführen.

Christian Piwarz Kultusminister Sachsen (CDU)

Weitere 3.000 Lehrer benötigt

Beim aktuellen Einstellungsverfahren für das kommende Schulhalbjahr kommen auf 600 freie Stellen rund 650 Bewerbungen von ausgebildeten Lehrern. Klingt erst einmal gut. Doch trotzdem wird es wieder schwierig werden, den Lehrerbedarf in allen Regionen Sachsens zu decken.

So haben sich beispielsweise 470 von den rund 650 Bewerbern für Schulen in Dresden und Leipzig beworben. Jeder Bewerber solle auf jeden Fall ein oder zwei Angebote für eine Schule in Sachsen erhalten, auch wenn es nicht immer die Wunschregion sein könne, kündigte der Kultusminister an. Auch auf Seiteneinsteiger werden man bei den nächsten Einstellungsverfahren weiter setzen müssen. Allein für die nächsten zwei Schuljahre geht das Kultusministerium von 3.000 Stellen aus, die besetzt werden müssen.

Das sagen die Koalitionspartner Christin Melcher, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:
"Voraussetzung für den Erfolg unseres Schulsystems bilden in erster Linie gute ausgebildete und hochmotivierte Lehrerinnen und Lehrer, genügend Zeit für die pädagogische Arbeit und individuell Förderung unserer Kinder. Wir haben im Koalitionsvertrag viele Maßnahmen beschlossen, um die Attraktivität des Lehrerberufs zu erhöhen. Zudem ist im Jahr 2021 eine Evaluation der Verbeamtung vorgesehen. Danach wird es innerhalb der Koalition eine Verständigung über die Fortführung der Verbeamtung und andere Maßnahmen geben, die für einen attraktive Arbeitsbedingungen für unsere Lehrkräfte sorgen."

Sabine Friedel, bildungspolitische Sprecherin der SPD:
"Grundsätzlich halten wir die Verbeamtung von Lehrern nach wie vor weder für notwendig, noch für richtig. Uns ist aber auch klar, solange alle anderen Bundesländer verbeamten, befinden wir uns quasi in einer Art Wettrüsten. Ich denke, wir sollten 2022 überlegen, schaffen wir es mit allen anderen Bundesländern zu vereinbaren, dass Lehrkräfte langfristig nicht mehr verbeamtet werden und wir das Geld, was da eingespart wird, in mehr Personal für Bildung stecken."

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.01.2020 | ab 15:00 Uhr in den Nachrichten

3 Kommentare

Bernd1951 vor 18 Wochen

Das mit der Prüfung der Verbeamtung von Lehrern im Jahr 2023 war m. E. nur ein Feigenblatt für die damalige Regierung, damit die 180 ° Wende der Verantwortlichen der Staatsregierung auf diesem Gebiet nicht so drastisch ausfällt. Ich kann mir bei der derzeitigen und in der näheren Zukunft vorhandenen Situation nicht vorstellen, dass die mögliche Verbeamtung der Lehrer rückgängig gemacht wird.

Sharis vor 18 Wochen

Es gibt eigentlich genug Lehrkräfte in D. - zu viele arbeiten aber mittlerweile an Privatschulen. Daher kann man mit der Verbeamtung Anreize schaffen, diesem Trend entgegen zu wirken. Allerdings sollten damit dann auch Pflichten verbunden sein, zB die, dass man sich den Arbeitsort eben nicht frei wählen kann, sondern dort eingesetzt wird, wo Bedarf besteht.

Agnostiker vor 18 Wochen

Das überrascht doch niemanden wirklich, dass die Verbeamtung nicht zurückgenommen wird.

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