Symbolfoto: Lehrermangel
Bildrechte: MDR/Max Schörm

Daten-Projekt der MDR-Volontäre Wer unterrichtet Sachsen in Zukunft?

Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres steht noch immer nicht fest, wie viele Lehrer an Sachsens Schulen demnächst unterrichten werden. Weil seit Jahren Lehrer fehlen, bleibt die Unterrichtsplanung bis zum Schluss unsicher. Nicht nur ein Problem für Schüler und Eltern, sondern auch für alte und neue Lehrer. Ein Datenprojekt analysiert Gründe und Perspektiven zum Lehrermangel in Sachsen.

von Franziska Hentsch, Anne-Marie Kriegel, Marie-Sophie Rudolph, Max Schörm

Symbolfoto: Lehrermangel
Bildrechte: MDR/Max Schörm

Der Großteil von Sachsens Lehrern ist 50 Jahre und älter. Sie verdienen weniger als ihre Kollegen in anderen Bundesländern und müssen in Zukunft noch flexibler sein. Dass sich die Situation in den nächsten Jahren entspannt, ist unwahrscheinlich. Denn bis 2030 wird deutlich mehr als die Hälfte der sächsischen Lehrer in den Ruhestand gehen.

Deshalb versucht die Landesregierung gegenzusteuern. Laut Koalitionsvertrag will sie in ihrer Legislaturperiode 6.100 neue Lehrerinnen und Lehrer unbefristet einstellen. Im vergangenen Schuljahr waren es 1.760 neue Lehrer, im bevorstehenden Schulhalbjahr sollen es weitere 1.200 werden. Doch schon vor den Sommerferien signalisierte das Kultusministerium, dass es schwierig sei, die Stellen zu besetzen, denn der Lehrermarkt in Sachsen sei "leergefegt".

Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf

Das Kultusministerium sucht nach Notlösungen. Schon jetzt zeigen Bewerberzahlen für das neue Schuljahr, dass es deutlich mehr Bewerber für das Gymnasium gibt als für andere Schulformen. An Grund-, Ober- und Förderschulen fehlt der Nachwuchs.

Wie groß die Not ist, zeigt sich auch an der wachsenden Zahl von Seiteneinsteigern, die in den Lehrerberuf eintreten. Das sind Akademiker mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss, ohne grundständige Lehramtsausbildung. Sie können sich entweder mit einer verkürzten pädagogischen und methodisch-didaktischen Ausbildung oder durch den einjährigen Vorbereitungsdienst als Lehrer nachqualifizeren. Nach Angaben des Sächsischen Lehrerverbandes bewarben sich auf die 1.200 möglichen unbefristeten Neueinstellungen 1.068 ausgebildete Lehrer sowie 942 Seiteneinsteiger. Damit sind es fast so viele ausgebildete Lehrer wie Seiteneinsteiger.

Aktuelle Zahlen am Donnerstag

Ob wirklich alle Stellen besetzt werden können, will das Kultusministerium auf seiner Pressekonferenz am Donnerstag bekanntgeben.

Bundesversammlung Kandidaten Linke
Rico Gebhardt Bildrechte: Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag

Kritik und Bedenken kommen aber nicht nur von den Gewerkschaften. Auch die Linke im Sächsischen Landtag hat Bedenken, dass alle neuen Stellen besetzt werden können. Fraktionsvorsitzender Rico Gebhardt sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN, seine Partei kritisiere seit Jahren, dass die Staatsregierung vergessen habe, Lehrer einzustellen. Viele Stunden fielen aus, weil nicht genügend Fachlehrer im System seien.

Wir gehen davon aus, dass der Unterrichtsbeginn nicht abgesichert werden kann und dass vor jeder Klasse tatsächlich der Fachlehrer steht, der für das Unterrichtsfach notwendig ist.

Rico Gebhardt Fraktionsvorsitzender Die Linke

Wie sich die Lehrerschaft in Sachsen derzeit zusammensetzt und entwickelt hat, zeigt das interaktive Datenprojekt "Sachsens Schulen in Not", das vier MDR-Volontäre mit aktuellen Zahlen zusammengestellt haben. Wir empfehlen zur besseren Darstellung der Grafiken, den Browser Mozilla Firefox zu verwenden:

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2016, 14:53 Uhr

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