Ministerin dreht an "allen Stellschrauben" Neue Vorschläge gegen Ärztemangel in Sachsen

Auf dem Land ist der Ärztemangel schon seit Jahren zu spüren. Wenn Praxen geschlossen werden, findet sich häufig kein Nachfolger. Die bisherigen Bemühungen der Landesregierung für mehr Ärzte blieben bislang ohne Erfolg. Deshalb bringt Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) nun neue Vorschläge ins Gespräch. Das Wissenschaftsministerium kritisiert diese Vorschläge.

Sachsen gehen so langsam die Ärzte aus, in vielen Regionen droht schon jetzt eine Unterversorgung. Dabei gibt es eigentlich genügend junge Menschen, die sich für ein Medizinstudium interessieren. Genau dort will Gesundheitsministerin Barbara Klepsch nun ansetzen. Sie fordert, dass der Zugang zum Medizinstudium erleichtert wird. "Es muss eine andere Gewichtung bei der Studienplatzvergabe erfolgen", sagt Klepsch. "Wir brauchen mehr Studienplätze und es muss eine gewisse Öffnung beim Numerus clausus geben." Nach Angaben der Ministerin kommen auf einen Studienplatz zehn Bewerber.

Die Ministerin befürwortet außerdem, dass neben der Abiturnote auch die soziale Kompetenz der Bewerber eine stärkere Rolle spielen soll. Tatsächlich muss die Kultusministerkonferenz bis Ende des Jahres neue Regeln für die Zulassungsverfahren finden. Das Bundesverfassungsgericht hatte das bisherige Verfahren schon im Jahr 2017 beanstandet, weil es teilweise dem Grundrecht auf freie Ausbildungswahl widerspricht.

Aktuelle Zahlen zum Ärztemangel in Sachsen Aktuell arbeiten im Freistaat rund 17.000 Ärzte – knapp 7.400 davon ambulant, rund 9.500 Mediziner sind in Krankenhäusern tätig. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben die 2.600 Hausärzte im Land ein Durchschnittsalter von 54,1 Jahren. In 27 von 47 Regionen in Sachsen droht eine Unterversorgung. Besonders betroffen sind Vogtland, Erzgebirge, Mittel-, Nord-, West- und Ostsachsen. Schon jetzt würden rund 255 Hausärzte fehlen und die Zahl der offenen Stellen würde noch zunehmen.

Klepsch für mehr Studienplätze und Landarztquote

Sachsens Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch.
Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) Bildrechte: Staatsministerium/Christian Hüller

Mit dem neuen Hochschulstaatsvertrag soll nach dem Willen der Gesundheitsministerin auch die Zahl der Studienplätze für Medizin aufgestockt werden. Allein in Sachsen könnte sich Klepsch 50 weitere Plätze vorstellen. Außerdem soll eine Landarztquote die akuten Versorgungsengpässe auf dem Land beheben. "Damit hätten wir die Möglichkeit, innerhalb des Rahmens für 40 Ärzte je Jahrgang klar zu definieren, dass sie in den ländlichen Raum gehen und dafür bei der Studienplatzvergabe bevorzugt berücksichtigt werden", sagt Klepsch.

Der Freistaat fördere bereits über 100 Nachwuchsmediziner mit Stipendien, die sich für eine berufliche Zukunft auf dem Land verpflichtet haben. Die ersten fünf Absolventen seien im vergangenen Jahr bereits in die Praxis gegangen. An diesem 2008 begründeten Förderprogramm will Ministerin Klepsch auch in Zukunft festhalten. "Wir versuchen, an allen Stellschrauben zu drehen. Und die, die hier studieren, sollen auch hier praktizieren."

Wissenschaftsministerin Stange kritisiert Vorschläge

Die Vorschläge aus dem Sozialministerium wollte die sächsische Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange nicht unkommentiert lassen. In einer schriftlichen Mitteilung erklärt sie, dass die Vorschläge von Gesundheitsministerin Barbara Klepsch aus ihrer Sicht überraschend und zum falschen Zeitpunkt kommen. "Ich bin gern bereit, mich für eine Erhöhung der Studienplätze einzusetzen. Aber das kostet Geld, das zusätzlich bereitgestellt werden muss", so Stange. Die medizinischen Fakultäten in Sachsen seien jetzt bereits an der Grenze und würden für die Forschung mehr Mittel benötigen. Der Doppelhaushalt 2019/2020 sei zudem bereits im Dezember vom Landtag beschlossen und die Medizinstudienplätze bis 2025 damit ausfinanziert worden.

Wissenschaftsministerin Stange hält auch vom Vorschlag einer Landarztquote nichts: "Das bringt keine zusätzlichen Studienplätze und begegnet zudem verfassungsrechtlichen Bedenken, weil die Quote gegen die Berufswahlfreiheit verstoßen könnte." Sachsen bilde genügend Mediziner aus, heißt es weiter. Kommunen, Krankenversicherungen, Ärztebund und Gesundheitspolitik müssten sich allerdings für eine bessere Verteilung einsetzen. Im Wissenschaftsministerium wolle man nun einen Maßnahmenkatalog prüfen, der vor wenigen Tagen vom Sozialministerium übermittelt wurde.

Quelle: MDR/cg/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 16.01.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 16:04 Uhr

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14 Kommentare

01.02.2019 15:58 Bingo 14

Ärtztemangel,Lehrermangel,Pflegerm..,Richterm...,Kindergärtnerinenma...,allgemeiner Fachkräftemangel,Wohnungsmangel,.... Ach ja, Geldmangel gibt es auch noch bei vielen, drotz Arbeit. Wer regiert eigentlich dieses Land ??? Gute Nacht, wenn da noch mal ein Abschwung kommt und der wird kommen...

01.02.2019 11:54 Mediator an NN(7) 13

Wollen sie jetzt die ganze Welt retten oder erst mal kleinere Brötchen backen und Lösungsvorschläge für den Ärztemangel in der sächsischen Provinz sammeln?

Wie kommen sie auf das schmale Brett, dass ein syrischer Arzt keine ausreichende Qualifikation besitzen würde, bzw. dass unser Gesundheitssystem das nicht evaluieren kann? Vorurteile sind ja schon, wenn einem das differenzierte Denken schwer fällt, aber letztendlich stehen sie einem doch irgendwann im Weg.

01.02.2019 11:27 Frank 12

Hier wird mal wieder alles miteinander vermischt, Ärzte in Ausbildung sind doch genügend vorhanden, auch genügend Bewerbungen, was fehlt sind Ärzte die auch auf dem Lande als Arzt arbeiten möchten, und der Grund dafür ist nunmal die schlechte Bezahlung, die vielen Überstunden, und der ""Krieg"" mit übergeordneten Organen, und da können die Politiker an den Zulassungen für ein Medizinstudium herumpfriemeln wie sie wollen, ohne eine bessere Bezahlung werden auch nicht die neu zugelassenen zum Studium ein Arzt auf dem Lande werden. ............

01.02.2019 10:41 Atze 11

@Jakob 4:
Ja, in den Metropolen Niederlassungsstopp und auf dem Lande Förderung.

Nebenbei gesagt, hier stösst die Demokratie an ihre Grenzen.
In der " Diktatur des Proletariats" gab es da keine Probleme. Schon vor dem Studium wusste man in der Regel so man eingesetzt wurde.Planwirtschaft!
Aber das ist ja in dieser Gesellschaft verpönt. Genauso wie Einsatz von anderenen. Ressourcen. Aber die Produktivkraft Mensch ist ja auch eine Ressource und die sollte nicht sinnlos eingesetzt werden, sondern zum Wohl der Leute. Ich sage immer, Hauptsache die Spesen der Politiker stimmen, ob da ein kranker Mensch auf dem Lande einen Arzt hat, wen juckt es?
MfG

01.02.2019 07:12 Janine 10

Sicher sind mehr Ärzte eine Lösung um dem Mangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Attraktiver wird die sächsische Provinz dadurch trotzdem nicht. Wenn sich niemand freiwillig dort niederlässt, dann muss man das ganze eben finanziell versüßen, denn auch ein Arzt ist letztendlich ein Gewerbetreibender der auf finanziellen Erfolg aus ist. Zur Not muss der Staat das selbst organisieren.

@Mediator: Ein syrischer Arzt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wäre sicher interessant. Ihn und seine Familie vor der Verfolgung im Heimatland zu schützen wäre noch das kleinste Problem. Auch das hat etwas mit Attraktivität zu tun. Ob manche Leute zwischen einem Rumänen und Syrer unterscheiden können und wollen, wage ich zu bezweifeln.

01.02.2019 05:25 G. Ober 9

Sachsen wird nie genug Ärzte auf dem Land bekommen. Für Ärzte ist es doch gar nicht attraktiv eine Praxis auf dem Land zu betreiben. Für Ärzte gibt es doch viel bessere Angebote im Westen oder in den Krankenhäusern! Die paar Patienten auf dem Land und die meisten auch noch älter wie 50 machen den Job nicht lukrativer. Der Staat sollte den Ärzten finanziell das praktizieren auf dem Land fördern. Was anderes als Geld zählt doch in dieser Zeit nicht mehr.

01.02.2019 02:05 Christine 8

Apotheker in öffentlichen Apotheken fehlen auch. Vor allem in der Fläche, aber zunehmend auch in den Großstädten. Aktuell sind über 100 offene Stellen bei der Apothekerkammer gemeldet. Die Studienzahl müsste auch dringend angepasst werden. Und dann braucht man eine anständige Finanzierung und Bürokratieabbau sowie Rechtssicherheit bei den bereits genannten Regressen und Gängeleien durch die Krankenkassen. Sonst landen die teuer ausgebildeten Kollegen in der Pharmaindustrie. Da winken deutlich höhere Gehälter ohne die Belastungen durch Spät-, Wochenend- und Nachtdiensten 24/7. Aber auch die Bewohner müssen sich im Klaren sein, dass Bequemlichkeit durch Internetbestellungen Arbeitsplätze bedroht. Während man auf Dauermedikamente womöglich 2-3 Tage warten kann, ist eine Akutversorgung am selben Tag schon wünschenswert. Wenn die Fahrtwege dann weiter werden und die Beratung anonymer wird, wird es schnell viel teurer für den Einzelnen.

31.01.2019 22:31 NN 7

Werter Mediator: Super Idee, während die hier ausgebildeten Ärzte in Afrika ihren Beruf ausüben, entziehen wir den Rumänen und Syriern ihre Krankenversorgung. Mit jeder Fachkraft, die wir hier her "locken", entziehen wir deren Ausbildung und Arbeitskraft deren Heimat....und nebenbei lernt die Oma noch rumänisch, damit der Arzt sie auch versteht.. Hier hilft nur Mediziner hier ausbilden: einerseits gibt es hier eine zahlenmässige Beschränkung zur Zulassung zum Studium , um die Qualität zu wahren, andererseits sollen wir Zugereisten Ärzten, deren Qualitätsstandards wir garnicht kennen , zur Versorgung heranziehen. Klares "Nein"!

31.01.2019 17:38 J.Heder 6

Da auch mein Hausarzt und einige niedergelassene Fachärzte kurz vorm regulären Rentenalter sind, werden diese Praxen über kurz bald leer stehen. Die Ministerin sollte sich einmal Gedanken zur realen Praxis der Krankenkasse machen bei welcher Ärzte für abgerechnete und unstrittig erbrachte Leistungen Geld per Regress zurückzahlen sollen. Ich kenne solche Fälle auch von meinen Ärzten. Niedergelassene Ärzte sind "selbständige Unternehmen" und wenn die Krankenkasse eine erbrachte Leistung mit sehr fadenscheinigen Gründen nicht bezahlen will oder bereits gezahlte Gelder zurück fordert, ist das als wenn der "beauftragte Handwerker" nicht bezahlt wird und Verlust. Wer arbeitet unter dieser Voraussetzung gern für diesen Auftraggeber?? Wer kommt für den Verlust auf?? Der nächste Punkt sind die im direkten Zusammenhang stehenden finanziellen Risiken und die realen Arbeitszeiten der niedergelassenen Ärzte. Da ich auch 8 Jahre selbständig war, sind 50 - 70 Wochenstunden üblich.

31.01.2019 17:32 Mediator 5

Seltsam, dass keiner in den ländlichen Regionen Sachsens eine quasi Monopolstellung einnehmen will. Wenn sich da schon kein deutscher Arzt niederlassen will, dann vielleicht einer aus Rumänien oder Syrien? In Zeiten der Globalisierung sollte so ein Transfer doch bei möglich sein, vor allem wenn es nicht am Geld mangelt.

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