Bus und Bahn Eckpunkte für künftigen Sachsentarif stehen

Frauen stehen an einem Fahrkarten Automat en der DB Deutsche n Bahn im Hauptbahnhof Freiburg,
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Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb Sachsens soll einfacher werden. Dafür arbeitet ein sogenanntes Kompetenzcenter Sachsentarif seit Ende 2019 an der Entwicklung eines neuen Tarifs für Fahrten zwischen den Verkehrsverbünden im Freistaat. Zwei ehemalige Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums wechselten dafür unter das Dach des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO). Laut VVO benötigen die Fahrgäste aber noch Geduld, denn voraussichtlich erst 2023 soll der Sachsentarif eingeführt werden.

Einheitlicher Tarif über Verbundgrenzen hinweg

Bisher wurden erste Eckpunkte erarbeitet, wie es aus dem VVO hieß. Demnach soll der neue Tarif alle ÖPNV-Verbindungen mit Start und Ziel innerhalb Sachsens abdecken und deshalb auch im sächsischen Teil des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) gelten. Susanne Illichmann vom Kompetenzcenter sagte: "Zudem werden zahlreiche Bahnlinien integriert, die zwar sächsische Ziele verbinden, auf ihrer Fahrt jedoch den Freistaat verlassen wie beispielsweise die Strecke Hoyerswerda – Leipzig, die durch Brandenburg führt."

Fahrkartensortiment für verschiedene Bedürfnisse geplant

Zug in einem Bahnhof
Vogtlandverbund, VMS und VVO - wer längere Strecken auf der Sachsenmagistrale fährt, braucht gute Orientierung im Tarifdschungel. Bildrechte: MDR/L. Müller

Die bisherigen reinen Bahntarife sollen durch den Sachsentarif ersetzt werden, der Bus und Bahn am Start- und Zielort integriert. Das würde die Reise innerhalb des Freistaates vereinfachen, wie ein Beispiel aus dem Kompetenzcenter zeigt: "Bisher benötigt ein Fahrgast, der beispielsweise von Augustusburg bei Chemnitz in die Dresdner Neustadt möchte, drei Tickets: ein Busticket zum Bahnhof nach Flöha, ein Zugticket bis Dresden und schließlich noch ein Straßenbahnticket", so Philipp Gebhardt vom Kompetenzcenter. "Zukünftig genügt ein Fahrschein." Dabei soll ein Ticketsortiment im Sachsentarif geschaffen werden, das Einzelfahrten und Tageskarten sowie Wochen- und Monatstickets beinhaltet.

Vorbild könnte Landestarif in Baden-Württemberg werden

Um die Preise für den künftigen Sachsentarif kalkulieren zu können und später die Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf an die Verkehrsunternehmen entsprechend verteilen zu können, startet das Kompetenzcentrum eine Marktstudie. Dabei geht es darum herauszufinden, wie die Fahrgäste tatsächlich über Grenzen der Verkehrsverbünde hinweg unterwegs sind.

Laut VVO-Sprecher Christian Schlemper gibt es in Baden-Württemberg vergleichbare Angebote mit dem sogenannten BW-Tarif, der auch noch einen Rabatt für Inhaber von Bahncards der Deutschen Bahn AG beinhaltet. Vorbild in Sachsen kann laut Wirtschaftsministerium das Azubi-Ticket sein, das für 48 Euro (für einen Verbund) bis 68 Euro (für ganz Sachsen) angeboten wird.

Minister Dulig arbeitet auf Landesverkehrsgesellschaft hin

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig sagte, er wolle einen "modernen, bürgernahen und preiswerten öffentlichen Nahverkehr – in einer Landesverkehrsgesellschaft, wie im Koalitionsvertrag vereinbart". Diesem Ziel käme man mit dem einheitlichen Sachsentarif näher. "Der Sachsentarif lichtet den regionalen Tarifdschungel, macht den Fahrkartenkauf einfacher und den Nahverkehr insgesamt deutlich attraktiver", ist der SPD-Politiker überzeugt.

Mit der Idee einer Landesverkehrsgesellschaft hat sich der Minister gegen die Verkehrsverbünde gestellt. Eine aus Dresden gesteuerte Landesverkehrsgesellschaft stellt die regionale Kompetenz der von CDU-Politikern geführten Landkreise bei Verkehrsangelegenheiten infrage und stößt dort auf wenig Gegenliebe. Ausgebremst wurde jüngst vorerst das Bildungsticket, weil sich Ministerium und Verbünde nicht über die Kosten einigen konnten.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.08.2020 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

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