Bildungsbericht 2018 Lob und Tadel für Bildung in Sachsen

Das Thema Bildung wird in Sachsen viel diskutiert. Eine wissenschaftliche Analyse zeigt, dass der Freistaat in einigen Bereichen andere Wege geht, als der Rest der Republik. In einigen Belangen wird dem sächsischen Bildungssystem deshalb im Bildungsbericht ein gutes Zeugnis ausgestellt. An anderen Stellen ist jedoch Nachsitzen angesagt.

Der am Mittwoch in Dresden vorgestellte Bildungsbericht lobt das sächsische Bildungssystem, weist aber zugleich auf wichtige Baustellen hin. Als Plus vermerkt der Bericht, dass die Schere zwischen leistungsstarken und -schwächeren Schülern in Sachsen im Unterschied zum Bundestrend nicht größer wurde. Demnach erreichen Kinder und Jugendliche in Sachsen im Durchschnitt höhere Kompetenzwerte als in den meisten anderen Bundesländern. Vielen leistungsstarken Schülern stünden eher wenige leistungsschwache gegenüber.

Bundesweit habe Sachsen entgegen dem Trend den höchsten Anteil an Schülern mit mittlerem Schulabschluss. Ein Großteil der sächsischen Jugendlichen mit diesem Schulabschluss entscheide sich außerdem für eine Berufsausbildung. Kultusminister Piwarz zeigte sich erfreut über diese Entwicklung: "Das bildungspolitische Ziel, die Oberschule zu stärken, trägt erste Früchte." Zugleich zeige sich, dass der Trend zu höherer Bildung in Sachsen schwächer ausgeprägt sei, heißt es im Bildungsbericht. Der Anteil von Schülern mit allgemeiner Hochschulreife steige weniger stark als in anderen Bundesländern.

Sachsen weiterhin mit den meisten Schulabbrechern

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz will die Analyse nutzen, um Schwachstellen im System abzustellen. Der Minister sprach von einem ehrlichen Bericht, "der die Stärken, aber auch die Schwachstellen des sächsischen Bildungssystems klar benennt". Das betreffe unter anderem den Fakt, dass es erneut mehr Schulabgänger ohne Abschluss gebe als im bundesweiten Durchschnitt. Acht Prozent der sächsischen Schüler hatten demnach 2016 keinen Abschluss, deutschlandweit waren es sechs Prozent.

Christian Piwarz
Sachsens Kultusminister Christian Piwarz Bildrechte: dpa

Regional entwickelt sich das Bildungswesen in Sachsen dem Bericht zufolge sehr unterschiedlich. Das zeige sich an einem zunehmenden Gefälle bei Bildungsangeboten zwischen Stadt und Land. Grundsätzlich sei der Freistaat im Vergleich mit anderen Bundesländern jedoch gut aufgestellt, sagte Kai Maaz, Leiter des Forschungsteams. Es gelte aber einige Aufgaben anzugehen, wenn man das Erreichte erhalten oder ausbauen wolle.

Prof. Dr. Kai Maaz
Prof. Dr. Kai Maaz Bildrechte: DIPF/Tom Baerwald

Lehrermangel weiterhin problematisch

Eine dieser Aufgaben ist der Lehrermangel an Sachsens Schulen. Dieser ist laut dem Bericht ein zentrales Problem im Bildungssektor. Viele Lehrer stünden kurz vor der Rente. Sachsen weise unter allen Bundesländern den höchsten Anteil an Seiteneinsteigern im Schuldienst auf. Kultusminister Piwarz will deshalb eine öffentliche Diskussion unter dem Titel "Bildungsland Sachsen 2030" ins Leben rufen. Dabei wolle er in den nächsten zwei Jahren mit Lehrern, Schülern, Eltern und Wissenschaftlern über die künftige Bildung im Freistaat ins Gespräch kommen.

Linke und Grüne kritisieren Bildungspolitik

Kritik gab es von den Oppositionsparteien im Landtag. Nach Einschätzung der Grünen gibt es weiter viele Baustellen in der Bildungspolitik. Das betreffe zuallererst die Engpässe beim pädagogischen Personal. Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Grünen, sagte, der Personalschlüssel liege weit unter dem "was die Wissenschaft für ein gutes Betreuungssetting empfiehlt".

Die Landtagsabgeordnete der Linken, Cornelia Falken, erklärte: "Was an der empirischen Bildungsforschung auffällt, das ist die Diskrepanz zu den Erfahrungen, die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern im Schulalltag machen müssen. Gerade zum Beginn eines Schuljahres. Es fehlt schlichtweg das erforderliche Lehrpersonal".

Bildungsbericht 2018 Der Bericht zur Bildungssituation in Sachsen ist vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) im Auftrag des Kultusministeriums erstellt worden. In ihm wird die Situation des Bildungswesens in Sachsen vor dem Hintergrund zentraler Trends und Herausforderungen auf Bundesebene beleuchtet. Als Grundlage dienen dabei amtlichen Statistiken und sozialwissenschaftlichen Studien aus dem aktuellen nationalen Bildungsbericht.

Quelle: MDR/ms/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.01.2019 | 15:00 Uhr in den Nachrichten

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Am 20. Mai ist Weltbienentag. In Sachsen gibt es rund 7.000 Imker, sie halten etwa 55.000 Bienenvölker.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 16:38 Uhr

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5 Kommentare

24.01.2019 15:39 Bernd L. 5

Andrea:
Ich sehe zwar auch Niveaubafall bei den Schülern, aber ihr Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf!

24.01.2019 10:03 Andrea 4

„Die Ursache für das katastrophale deutsche Ergebnis in der internationalen PISA-Studie sind nicht die angeblich dümmer werdenden Schüler oder unfähige Lehrer. Es ist die allgemein wissenschaftsfeindliche und insbesondere mathematikfeindliche Grundstimmung in Deutschland. Symptomatisch ist zum Beispiel folgende Aussage der CDU-Sozialministerin Niedersachsens Ursula von der Leyen vom 10.04.2005 in der ARD: 'Welches Kind würde Mathe machen, wenn es Wahlfach wäre?' Dabei wird völlig verkannt, dass die Beschäftigung mit der Mathematik, der Physik oder der Chemie die Grundlage unserer Kultur und Technik und damit unserer Zivilisation bildet.“ Quelle: WinFunktion Mathematik plus 22 Handbuch, bhv, 2014, S. 19

23.01.2019 17:51 Zeitgeist 3

Ich denke, daß unsere Lehrer in Sachsen schon Ihr Bestes geben.
Noch ist man gut aufgestellt.
Frage nur, warum muß die junge Lehrerin auf dem Bild fast Bauchnabel frei sein?
Da wäre ich auch gern wieder Schüler !

23.01.2019 17:07 Jens 2

Aufgrund meiner beruflichen Erfahrung ist mir bekannt, dass Schulzeugnisse aus Sachsen oder auch Bayern einen guten Ruf haben, im Gegensatz zu den Zeugnissen aus z.B. NRW oder Berlin. Ich will mal so schreiben, unsere Zeugnisse sind "ehrlicher"! Aber die Entwicklung geht leider auch bei uns, langsam aber sicher, den Bach runter.

23.01.2019 16:58 Willy 1

wir hatten eine sehr gute Bildung zu DDR-Zeiten jetzt ist es die reinste katastrophe, wenn Unterrichtsausfälle , diese Demonstrieren können wenn eigentlich Unterricht wäre , Horterzieherinnen als Grundschullehrer genommen werden weil es vorn und hinten nicht langt , sogar Finnland hatte damals unser Schulbildung übernommen, nein die Kinder werden immer dümmer dank dieser nichtsbringenden Politiker, traurig aber wahr.

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