Bundestagswahl 2017 | Direktkandidaten aus Sachsen Ines Kummer (Bündnis 90/Die Grünen)

Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (158)

Allgemein

Alter: 54
Schulausbildung: allgemeinbildende polytechnische Oberschule (10. Klasse)
Beruf: Facharbeiterin für Betriebs-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik, seit 2003 Mitarbeiterin von Bundes- bzw. Landtagsabgeordneten von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Familienstand: verheiratet
Wohnort: Freital

Politischer Werdegang:

  • seit 1998 Mitglied bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
  • seit 2008 Sprecherin des Kreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
  • 2001 Oberbürgermeisterkandidatin für Freital
  • Direktkandidatin bei früheren Landtagswahlen für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
  • 2017 Mitglied der Bundesversammlung für die sächsischen Grünen
  • seit 2014 Stadträtin für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der Großen Kreisstadt Freital

Privat

Was ist Ihre größte Stärke?

  • Empathie, Mut, Kreativität, Humor und ich bin eine tolle Oma.

Was ist Ihre größte Schwäche?

  • Ich habe kein gutes Zeitmanagement.
  • Ich kann nicht sparen.

Welchem sächsischen und welchem nicht-sächsischen Sportverein drücken Sie die Daumen?

  • SG Dynamo Dresden
  • Borussia Dortmund

Wo erholen Sie sich in Sachsen am liebsten?

  • in meinem Garten in Freital oder aber auf dem Permahof in Hohburkersdorf in der Sächsischen Schweiz. Leider komme ich viel zu selten dahin.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

  • Werkzeugkasten, Heißklebepistole und eine handliche Solarenergieladestation für den Strom, damit die Klebepistole funktioniert. Eigentlich würde ich meine komplette Familie mitnehmen. Aber Menschen sind keine Dinge. Und es wurde nach Dingen gefragt.

Politisch

Warum haben Sie sich als Direktkandidat Ihrer Partei zur Verfügung gestellt?
... weil ich mir die Kandidatur zutraue, weil die Mitglieder unseres Kreisverbandes mir diese Kandidatur zutrauen. Ich bin zwischenzeitlich bundesweit bekannt als grüne Stadträtin aus Freital. Es ist sicherlich leichter, über Politik zu meckern, als sich selber aktiv einzubringen. Ich möchte unser Land aktiv mitgestalten. Z.B. eine lebenswerte Zukunft, der Schutz von Natur und Umwelt, soziale Gerechtigkeit, Einhaltung von Menschenrechten, Gleichstellung geht nur mit grünen Ideen und Inhalten. Bündnis 90/Die Grünen haben ein progressives, ambitioniertes Wahlprogramm beschlossen. Ich stehe mit meiner Kandidatur für unsere grünen Ziele und Vorhaben.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?
Die Agenda 2010, sie hat bei mir keine Bewunderung ausgelöst. Aber diese Reform war mutig, weil sie gegen den Widerstand von einem großen Teil unserer Bevölkerung durchgesetzt wurde und noch heute profitiert Deutschland davon. Noch nie waren z.B. so viele Menschen wie jetzt versicherungspflichtig beschäftigt. Aber sie hat auch ihre Schattenseiten. Die Zusammenlegung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe, die sog. Hartz-IV-Reform war gut gemeint, hat aber handwerkliche Fehler und raubt den Betroffenen das Recht auf ein Leben in Würde.

Wenn Sie gewählt werden, was ist Ihr wichtigstes Ziel (für die kommende Legislaturperiode)?

  • die Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes auf Bundesebene
  • die Einführung einer Kindergrundsicherung
  • die Einführung einer Bürgerversicherung

Was wollen Sie für Sachsen erreichen …

... im Bereich Bildung
Bisher ist es dem Bund verboten, die Länder beim Thema Bildung im notwendigen Maße zu unterstützen, wie es eigentlich notwendig wäre. Ich will, dass sich das ändert. Der Bund muss den Ländern und den Kommunen bei den Schulsanierungen massiv unter die Arme greifen und sie beim Aufbau von Ganztagsschulplätzen unterstützen. Damit würden auch in Sachsen mehr Gelder zu Verfügung gestellt, um unseren Kindern eine gute Lernumgebung zu schaffen. Nur so können wir den Schulneubau in wachsenden Kommunen fördern und Schulschließungen in ländlichen Regionen vermeiden. 

Da gute Bildung schon bei den Kleinsten anfängt, brauchen wir verbindliche Qualitätsstandards für Kindertagesstätten. Nach der Einführung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz ist es höchste Zeit für ein Kita-Qualitätsgesetz. Damit würde auch endlich in Sachsen die pädagogische Arbeit gestärkt und der Betreuungsschlüssel so verbessert, dass zukünftig mehr Erzieherinnen und Erzieher für unsere Kleinsten da sind. Auch die Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher muss aus meiner Sicht verbessert, durch den Bund stärker gefördert und bei der Berechnung des Betreuungsschlüssels berücksichtigt werden.

... im Bereich Forschung und Entwicklung
Der Forschungsstandort Deutschland muss weiter gestärkt werden. Wissenschaft und Forschung sind wichtige Ideengeber für viele Unternehmen, aber auch für unsere Gesellschaft und ein wichtiger Innovationsmotor für ländliche Regionen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen - wie wir sie vielfach in Sachsen finden - wollen wir Grüne bei der ökologischen Modernisierung unterstützen, unter anderem durch eine steuerliche Förderung ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Zudem wollen wir mit einer Start-up-Finanzierung die Weichen für eine neue Innovationskultur in Deutschland stellen, was auch der sächsischen Wirtschaft zu Gute kommen würde.

Für eine gute Forschung braucht es starke Hochschulen und gute Studierende. Die Studienfinanzierung in Deutschland muss geändert werden. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass nur ein Viertel der Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien studieren und damit ein enormes Potenzial für Wissenschaft und Forschung verschenkt wird. Deshalb fordern wir ein Zwei-Säulen-Modell in der Studienfinanzierung, um hier mehr Gerechtigkeit zu schaffen.

... im Bereich Wirtschaft und Verkehr
Um der Wirtschaft in Deutschland eine gute Zukunft zu geben, braucht es eine ökologische Modernisierung unserer Industrie. Nur, wenn wir nachhaltig und ressourcenschonend wirtschaften, werden wir innovativ bleiben. Mit dem Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor wollen wir beispielsweise die Automobilindustrie zukunftsfähig gestalten, um so die Arbeitsplätze zu sichern. Hier sehe ich gerade in Sachsen ein enormes Potenzial, entsprechende Strukturen aufzubauen und den Wirtschaftsstandort in unserem Bundesland zu stärken.

Um eine umweltfreundliche und bezahlbare Mobilität zu gewährleisten, brauchen wir eine andere Verkehrspolitik. Ich will mich dafür einsetzen, dass die großen Städte in Sachsen wieder an den Fernverkehr angebunden werden. Damit die Nutzung öffentlicher Verkehrsangebote so einfach wie möglich ist, braucht es ein einfaches Tarifsystem. Ein grüner Mobilpass, bei dem man mit nur einem Ticket verschiedene öffentliche Verkehrsmittel über Verbundgrenzen hinweg nutzen kann, wird die Mobilität der Menschen in Sachsen deutlich verbessern.

... im Bereich Innere Sicherheit
Die Menschen in unserem Land müssen frei und sicher leben können. Wir brauchen nicht immer mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden, damit diese unsere Daten erfassen und in unsere Privatsphäre eindringen können, sondern einen Rechtsstaat, der die Freiheit des Einzelnen wahrt und schützt.

Ich stehe dafür, dass wir eine gut ausgestattete und gut ausgebildete Polizei in Deutschland haben, die in der Lage ist, auf die aktuellen Bedrohungen, zu denen auch und gerade in Sachsen der Rechtsterrorismus gehört, zu reagieren. Es braucht klare Zuständigkeiten und eine Kultur der Verantwortlichkeit zwischen den Sicherheitsbehörden, um die schweren Pannen, die den Terroranschlag in Berlin erst ermöglichten, zukünftig zu vermeiden.
Beim Kampf gegen den Terrorismus dürfen andere Kriminalitätsformen nicht vergessen werden. Aufgrund der hohen Zahl an Wohnungseinbrüchen in Sachsen, ist es gerade hier einmal mehr notwendig, neben der gezielten polizeilichen Arbeit die Prävention zu stärken und beispielsweise entsprechende Schutzmaßnahmen besser zu fördern.

Was ist die wichtigste Aufgabe beim Thema Zuwanderung?
Wir müssen den Menschen, die zu uns gekommen sind, die Chance geben, sich zu integrieren. Dazu braucht es deutlich mehr Kraftanstrengungen, um allen Menschen Zugang zum Spracherwerb, zu Bildung und einer Berufsausbildung zu geben. Wir müssen bei der Integration anpacken, statt weiter wichtige Entscheidungen auszusitzen. Deutschland braucht endlich ein modernes Einwanderungsgesetz, welches Menschen ermöglicht, in Deutschland eine Perspektive zu finden. Ebenso braucht es ein eigenständiges Einwanderungs- und Integrationsministerium, um zukünftig eine Integrationspolitik aus einem Guss zu gestalten.

Mit welcher Partei können Sie sich eine Koalition vorstellen?
Mit einer Partei, mit der wir am besten unsere Inhalte durchsetzen können. Uns Grünen geht es nicht ums Regieren der Macht willen. Wir wollen etwas in diesem Land verändern und voranbringen. Eine Koalition wird es nur geben, wenn wir wichtige Inhalte, wie zum Beispiel einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle, eine nachhaltige Landwirtschaft und eine wirkliche Verkehrswende durchsetzen können. Dabei gilt immer: Je stärker die Grünen im nächsten Deutschen Bundestag und einer Bundesregierung sind, umso mehr Gewicht haben wir auch, um diese Ziele durchzusetzen.

Vervollständigen Sie bitte den Satz: 2019 sollte es in Sachsen ...

... endlich einen verbindlichen Ausstieg aus der Braunkohle geben; weniger Massentierhaltung, dafür mehr ökologisch geprägte Landwirtschaft; endlich so sein, dass Pegida der Vergangenheit angehört.

Zuletzt aktualisiert: 26. August 2017, 22:19 Uhr