Michael Kretschmer bei CDU Wahlparty Landtagswahl Sachsen
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02.09.2019 | 02:14 Uhr CDU gewinnt Sachsen-Wahl vor starker AfD

Erleichterung bei der CDU, Jubel bei der AfD, Bitternis bei der SPD: Bei der Sachsen-Wahl halten die regierenden Christdemokraten die AfD auf Abstand. Ministerpräsident Kretschmer braucht aber wohl einen neuen Koalitionspartner.

Michael Kretschmer bei CDU Wahlparty Landtagswahl Sachsen
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Die CDU hat die Landtagswahl in Sachsen gewonnen, braucht aber zum Regieren künftig voraussichtlich die Grünen. Die Christdemokraten von Ministerpräsident Michael Kretschmer lagen am Montagmorgen nach dem vorläufigen Ergebnis deutlicher als erwartet vor der AfD, die ihr historisch bestes Landtagswahlergebnis bundesweit erzielte. Die SPD, der bisherige Koalitionspartner der CDU, schnitt so schlecht ab wie noch nie bei einer Landtagswahl in Deutschland. Die Grünen legten deutlich zu und haben Chancen auf eine erstmalige Regierungsbeteiligung. Im Freistaat könnte es nun auf eine sogenannte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen hinauslaufen. Die Linke musste herbe Stimmenverluste einstecken. Die FDP verpasste den Einzug in den Landtag.

119 Abgeordnete im Landtag - deutlich höhere Wahlbeteiligung

Die CDU kommt nach vorläufigem Ergebnis der Landeswahlleiterin auf 32,1 Prozent (2014: 39,4), die AfD kann ihren Stimmenanteil auf 27,5 Prozent fast verdreifachen (2014: 9,7). Die Linke erreicht nur 10,4 Prozent (2014: 18,9), die Grünen steigern sich auf 8,6 Prozent (2014: 5,7) - ihr bislang bestes Landtagswahlergebnis in Sachsen. Die SPD fällt auf ein historisches Tief von 7,7 Prozent (2014: 12,4), die FDP verpasst mit 4,5 Prozent (2014: 3,8 Prozent) zum zweiten Mal in Folge den Einzug in den Landtag. Damit kommt die Union im neuen Landtag auf 45 Mandate, die AfD auf 38 Sitze. Die Linke erhält 14 Sitze, die Grünen zwölf und die SPD zehn Mandate. Insgesamt gehören dem neuen Landtag voraussichtlich 119 Abgeordnete an. Die Wahlbeteiligung lag mit 66,6 Prozent deutlich höher als 2014.

Wegen formaler Mängel waren bei der Aufstellung der Landesliste der AfD nur 30 Kandidaten zugelassen worden. Da aber auch Kandidaten, die nicht unter den ersten 30 Bewerbern auf der Landesliste standen, Direktmandate erzielten, kann die AfD mehr Abgeordnete in das Parlament entsenden.

Kretschmer schließt Minderheitsregierung aus

Die Grünen errangen erstmals bei einer Landtagswahl in Sachsen Direktmandate, zwei in Leipzig und eines in Dresden. In Sachsen-Anhalt regiert seit 2016 ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff empfahl am Abend eine solche Koalition. Allerdings dürften Gespräche mit den Grünen alles andere als einfach werden. Zu weit liegen beispielsweise beide Parteien beim Klimaschutz und dem Braunkohleausstieg auseinander.

Kretschmer, der in seinem Wahlkreis Görlitz auch das Direktmandat gewann, sagte zum Wahlausgang: "Das freundliche Sachsen hat gewonnen." Er fügte hinzu: "Das Entscheidende ist doch, dass hier ein klares Signal von dieser Landtagswahl ausgeht: Es ist möglich, eine Regierung zu bilden mit positiven Kräften, die mit Kraft nach vorn geht." Eine Minderheitsregierung schloss er am Abend erneut aus. "Ich halte gar nichts davon", sagte der CDU-Politiker und betonte, der Freistaat brauche eine stabile Regierung.

Dulig mit Galgenhumor

SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig kommentierte das Wahlergebnis vor seinen Anhängern mit den Worten: "Wir haben das schlechteste Wahlergebnis. Wir sind aber der coolste Landesverband." Die gute Nachricht sei, dass Sachsen politisch stabile Verhältnisse haben könne.

Die Grünen-Spitzenkandidaten Katja Meier und Wolfram Günther erklärten: "Die klare Botschaft, die an diesem Tag von den Wählerinnen und Wählern ausgeht, ist der Wille nach Veränderung. Das heißt, ein Weiter so, wie es sich CDU und SPD wünschen, wäre darauf die falsche Antwort." Es müsse sich ganz klar etwas ändern.

Landtagswahl in Sachsen: Der Tag in Bildern

Spitzenkandidaten im Wahlstudio
Die Spitzenkandidaten im MDR-Wahlstudio Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Spitzenkandidaten im Wahlstudio
Die Spitzenkandidaten im MDR-Wahlstudio Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Katja Meier (2.v.r.) und Wolfram Günther (l), Spitzenkandidaten von Bündnis90/Die Grünen sowie Katrin Göring-Eckardt (2.v.l), Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen im Bundestag sowie Anhänger der Grünen verfolgen auf der Wahlparty die Bekanntgabe erster Ergebnisse zur Landtagswahl in Sachsen.
Jubel nach der Wahl bei den Grünen. Die Partei legte laut vorläufigem Ergebnis 2,9 Prozentpunkte zu und kommt auf 8,6 Prozent. Erstmals holten die Grünen drei Direktmandate. Bildrechte: dpa
CDU Wahlparty
Die CDU kommt auf 32,1 Prozent. Bildrechte: xcitePRESS
Antje Feiks (l), Politikerin Die Linke in Sachsen, steht neben Anhängern und Parteimitgliedern der Linken auf der Wahlparty nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse zur Landtagswahl in Sachsen.
Katerstimmung bei den Linken. Die Partei verlor gegenüber 2014 8,5 Prozentpunkte und kommt auf 10,4 Prozent. Bildrechte: dpa
"Auf zum letzten Gefecht" steht auf einem Beutel eines Mannes
Anhänger der SPD hatten sich offensichtlich auf einen harten Kampf eingestellt. Das Ergebnis: 7,7 Prozent mit einem Verlust von 4,7 Prozent gegenüber der Wahl 2014. Bildrechte: dpa
AfD Wahlparty
Die AfD wurde mit 27,5 Prozent zweitstärkste Kraft und holte 15 Direktmandate. Spitzenkandidat Jörg Urban feierte mit seinen Anhängern ... Bildrechte: xcitePRESS
CDU Wahlparty
Jubel und Erleichterung auch bei den Anhängern von Ministerpräsident Michael Kretschmer. Bildrechte: xcitePRESS
CDU Wahlparty
Kretschmer wertet das Ergebnis als Erfolg, bleibt aber selbstkritisch. "Wir haben hart gearbeitet in den vergangenen 20 Monaten", sagte er und fügte an: "Ich weiß, dass ich nicht alles in diesen Monaten schaffen konnte." Bildrechte: xcitePRESS
CDU Görlitz Wahlparty
Auf der Wahlparty in Kretschmers Wahlkreis Görlitz 2 freut sich OB Octavian Ursu über das Wahlergebnis. Bildrechte: MDR/Viola Simank
CDU Görlitz Wahlparty
Kretschmer hat seinen Wahlkreis Görlitz 2 mit 45,4 Prozent gewonnen. AfD-Kandidat Sebastian Wippel bekam 37,9 Prozent der Erststimmen. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Holger Zastrow, Spitzenkandidat der FDP für die Landtagswahl in Sachsen, bei der Wahlparty seiner Partei.
Die FDP hat den Einzug in den Landtag verpasst. Sie bekam 4,5 Prozent der Stimmen. Bildrechte: dpa
Petra Köpping
Kein einziges Direktmandat konnte die SPD erringen. Gleichstellungsministerin Petra Köpping erhielt im Landkreis Leipzig Land 2 nur 16,5 Prozent der Stimmen. Das Direktmandat ging an Oliver Fritzsche von der CDU mit 33 Prozent. Bildrechte: dpa
Die AfD feiert ihre Wahlparty auf dem Schiff Gräfin Cosel
... auf dem Schiff Gräfin Cosel. Bildrechte: MDR/Christof Stumptner
AfD Wahlparty
Gegenüber auf der Brühlschen Terrasse regte sich Protest. Rund 100 Leute riefen in Sprechchören den AfD-Anhängern "Seenotrettung ist kein Verbrechen" und "Eure Kinder werden so wie wir" zu. Bildrechte: xcitePRESS
An einer Demonstration von Connewitz bis vor das Neue Rathaus beteiligen sich fast 300 Menschen. Es sind Flaggen der Antifa zu sehen.
Auch in Leipzig kam es zu einer Demonstration. Am Connewitzer Kreuz sammelten sich die Teilnehmer der Demo. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Demo Leipzig
Rund 300 Menschen schlossen sich letztendlich dem Zug in Richtung des Leipziger Rathauses an. Bildrechte: MDR/Lars Tuncay
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Urban: Heute ist ein historischer Tag

Sachsens AfD-Chef Jörg Urban sagte: "Heute ist ein historischer Tag. Unsere Partei hat die CDU-Hochburg Sachsen gehörig ins Wanken gebracht." Er strebe eine Neuwahl an, sollte seine Partei mehr Sitze erreicht haben, als sie Kandidaten aufstellen durfte.

Linke-Spitzenkandidat Rico Gebhardt nannte das Abschneiden seiner Partei "eine Katastrophe". FDP-Chef Holger Zastrow wollte am Abend noch abwarten, bis er sich zum Wahlergebnis äußert. Die Zuspitzung des Wahlkampfes sei nicht günstig gewesen für die FDP. Zastrow hatte als Spitzenkandidat im Gespräch mit dem MDR angekündigt, zurückzutreten, sollte seine Partei den Landtagseinzug verpassen.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR FERNSEHEN | 01.09.2019 | ab 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2019, 02:14 Uhr

407 Kommentare

der_Silvio vor 11 Wochen

Ich finde es sehr gut, mit welchem Ergebnis die AfD aus der LTW hervorgegangen ist.
Diejenigen, ob Parteien oder deren Wähler, die behaupten, die AfD sei demokratiefeinflich, dürfen gerne über ihr eigenes Demokratieverständnis nachdenken.
Der Hass und die Hetze, die der AfD entgegengebracht werden, haben NICHTS mit Demokratie zu tun!

Altmeister 50 vor 11 Wochen

Wenn die AfD nicht auf dem Boden des GG stünde, wäre sie nicht zugelassen. Darüber hinaus steht sie als einzige für direkte Demokratie im Sinne von Volksentscheiden. Sachlich falsch, was sie da gepostet haben.

Agnostiker vor 11 Wochen

Bedeutet also, wenn die AfD bei den Bundestagswahlen in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten nicht über 15 oder mehr Prozent kommt, darf sie nie mitregieren?? Clever.

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