Umfrage zur Landtagswahl 2019 Kretschmer beliebter als CDU und sein Kabinett

Sachsens CDU verliert an Zustimmung, ihr Chef und Ministerpräsident ist dagegen deutlich beliebter. Bei einer Direktwahl des Regierungschefs müsste Michael Kretschmer nicht um sein Amt fürchten. Geht es dagegen um die Vertretung ostdeutscher Interessen, hängt die Linke weiter alle anderen Parteien ab.

Die meisten Sachsen bescheinigen Ministerpräsident Michael Kretschmer einen guten Job. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag des MDR hervor. Diese wurde zwischen dem 20. und 25. August 2018 durchgeführt. Acht Monate nach seinem Amtsantritt erklärten 48 Prozent der befragten Wahlberechtigten, sie seien mit der Arbeit des CDU-Politikers zufrieden, elf Prozent waren sogar sehr zufrieden (insgesamt 59 Prozent). Nur ein Viertel bescheinigt ihm keine gute Arbeit. Zudem genießt kein anderer Spitzenpolitiker der im Landtag vertretenen Parteien mehr Rückhalt bei den eigenen Anhängern. Zum Vergleich: Mit der Arbeit der gesamten Landesregierung waren nur 48 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden.

Bekanntheit als entscheidender Faktor

Kretschmer ist dieser Umfrage zufolge der derzeit beliebteste Spitzenpolitiker in Sachsen (59 Prozent). Nur SPD-Chef Martin Dulig kann ihm mit etwas Abstand folgen (47 Prozent). Allerdings sieht sich auch nur bei diesen beiden und Ex-AfD-Chefin Frauke Petry eine Mehrheit der Befragten dazu in der Lage, ihre Arbeit einzuschätzen. Bei Linksfraktionschef Rico Gebhardt sagen mehr als zwei Drittel, dass sie den Politiker nicht kennen (68 Prozent) oder seine Arbeit nicht beurteilen können - und das, obwohl er schon lange in der Landespolitik aktiv ist. 16 Prozent sind mit seiner Arbeit eher zufrieden, 15 Prozent wenig oder gar nicht.

Mit der Arbeit von Sachsens AfD-Vorsitzendem Jörg Urban sind 13 Prozent zufrieden. Bei Wolfram Günther, dem Grünen-Fraktionschef sind es neun Prozent. Die beiden haben mit einer geringen Bekanntheit zu kämpfen: 69 Prozent der Befragten kennen den AfD-Chef nicht. Bei Wolfram Günther sind es 80 Prozent der Befragten, denen der Grünen-Politiker nichts sagt.

Kretschmer als Person mehrheitsfähig

Wäre am Sonntag in Sachsen Landtagswahl, käme die Sachsen-CDU auf 30 Prozent. Ihr Chef würde bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten dagegen deutlich mehr Zustimmung erhalten. Sowohl im direkten Duell gegen Dulig als auch gegen Gebhardt und Urban holt er in der MDR-Umfrage die absolute Stimmenmehrheit bei den befragten Wahlberechtigten.

In einem Direktwahl-Duell Kretschmer – Dulig würden den CDU-Chef 53 Prozent wählen, Dulig dagegen 26 Prozent. Kretschmer könnte vor allem auf die Stimmen von Anhängern der eigenen Partei sowie von FDP und AfD zählen. Die Anhänger von SPD, Linken und Grünen schenken ihre Sympathie dagegen mehrheitlich Dulig.

In einem Direktwahl-Duell mit Linken-Fraktionschef Gebhardt würde Kretschmer 56 Prozent erhalten, Gebhardt zwölf Prozent. Der Fraktionschef der Linken würde nur von den eigenen Parteianhängern mehr Stimmen erhalten als Kretschmer.

Bei einer Direktwahl zwischen Michael Kretschmer und AfD-Chef Jörg Urban ist der Abstand noch größer. 61 Prozent der Wähler würden für Kretschmer stimmen, sieben Prozent für Urban. Er hätte nicht einmal bei den AfD-Anhängern eine Chance auf den Posten des Ministerpräsidenten: 50 Prozent von ihnen würden bei einer Direktwahl Kretschmer ihre Stimme geben, nur jeder Fünfte für den AfD-Chef votieren.

Wer kümmert sich um die Interessen der Ostdeutschen?

Bei der Landtagswahl am 1. September 2019 könnten Wähler ihre Entscheidung auch davon abhängig machen, wer ihre Interessen überregional am meisten vertritt. Im Sachsentrend zeigt sich dabei, dass auch 28 Jahre nach der Wiedervereinigung hauptsächlich die Linke als "Anwalt der Ostdeutschen" (26 Prozent) genannt wird. Deutlich weniger Interessenvertretung wird CDU, AfD und SPD zugeschrieben. Allerdings nannte jeder dritte befragte Sachse gar keine Partei.

Der Sachsentrend August 2018 wurde vom Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap im Auftrag des MDR erstellt. Dafür wurden zwischen dem 20. und 25. August 2018 1.000 wahlberechtigte Einwohner im Freistaat telefonisch befragt. Ihre Zusammensetzung entspricht der Bevölkerungsstruktur in Sachsen. Die Ergebnisse gelten damit als repräsentativ.

Quelle: MDR/stt/ok

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.08.2018 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 30.08.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 30. August 2018, 05:00 Uhr

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28 Kommentare

01.09.2018 12:59 Denkender Bürger 28

Was ist der Unterschied zwischen der CDU und der Titanic?
Die CDU hält sich sich nicht nur für unsinkbar - sie hält sich obendrein auch noch für das Rettungsboot!

01.09.2018 09:54 Räudiger Hund 27

Ich hatte nur die Überschrift gelesen, die lautete: "Kretschmer beliebter als CDU und sein Kabinett", und konnte nicht weiterlesen, weil ich an meiner Bildung aus der Grundschule zweifelte. Das ist doch schon rein mathematisch gar nicht möglich!

01.09.2018 08:53 Ulrich Ingenlath 26

@ 25 / M. Jacob
Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu, was die Beurteilung der politischen Lage angeht.
Vielfach wird der Eindruck erweckt, der jetzige MP Kretschmer hätte nichts mit der heutigen desaströsen Situation im Freistaat Sachsen zu tun. Dabei hat er insbesondere als General der Sächsischen Union und auch durch sein Handeln als MdB wesentlich dazu beigetragen, dass das Bundesland heute so desaströs da steht.
Die Sächsische Union war immer zutiefst autoritär und politisch rechts orientiert. Sächsischer Chauvinismus gegenüber Ausländern und Fremden (Westdeutschen) war hier en vogue (ˋTypisch sächsisch´) Europa wurde immer als die zu melkende Fördermittelkuh verstanden - nicht als Friedensprojekt, politische und historische Bildung heruntergefahren, der Mindestlohn verhindert und prekäre Gesellschaftsschichten befördert. Ich lebe seit über 25 Jahren in einem ˋ CDU-Staat´. Kretschmer ist das Produkt dieser Sächsischen Union und Selbige sollte abgewählt werden - möglichst früh.

31.08.2018 17:13 M. Jacob 25

Wahlkreis verloren und dann nach Dresden entsorgt. Auch der Amtsbonus wird Sachsens CDU nicht vor dem Niedergang retten. Klüger wäre es gewesen nach dem Rückzug von Tillich den Landtag direkt neu zu wählen. Die kommenden Wahlen 2019 werden ein Desaster werden.

31.08.2018 08:36 Hercule 24

Nachtrag Punkt 4 soll nicht geschriebenen sonder gerufenen heißen sorry

31.08.2018 08:34 Hercule 23

1. Mir ist Herr Kretschmar seid gestern echt sympatisch geworden. Er ist ein guter MP für Sachsen
2. Chemnitz hat ein Problem mit rechts und das seid Anfang der 90 und das lässt sich nicht bestreiten und ich bin ehrlich ich habe mehr Angst vor den Rechten als vor den Flüchtlingen
3. Mag sein das auf der Demo am Montag nicht alle Besucher zum rechten Spektrum gehörten
ABER wenn ich auch einer Kundgebung bin und dort der Hitlergruß gezeigt wird und einschlägige Parolen gerufen werden wie "Ausländer raus" und ich weiter auf der Kundgebung bleibe dann identifiziere ich mich mit dem geschriebenen
4. Es muss wieder ein Dialog her aber leider kommt der nicht zustande weil hier Menschen News von Facebook mehr glauben schenken als Fakten und das ist traurig
Errare humanum est, sed in errare perseverare diabolicum
Sollten sich viele wieder ins Gewissen rufen
Danke an den MDR für die gute und neutrale Berichterstattung . Ihr macht nen super Job

31.08.2018 00:55 SOE 22

@ReneS [21] nach der Wende haben viele Leute aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation ihrer Arbeit verloren, nicht weil die Politik versagt hat. Es ist mir aber unerklärlich, warum jemand in der derzeitigen Arbeitsmarktsituation auf Praktika und unbefristete Arbeitsstelle angewiesen sein sollte. Vielmehr scheinen die von Ihnen angesprochenen jungen Leute nicht die benötigten Qualifikationen und den nötigen Fleiß aufzuweisen, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Sie könnten selbst mit einem schlechten Schulabschluss eine Ausbildung im Handwerk beginnen und hätten damit einen anerkannten, sicheren und gut bezahlten Job. Ich verstehe nicht, warum sich Leute abgehängt oder um ihre Lebensleistung betrogen fühlen, wenn doch jeder für seinen beruflichen Erfolg selbst verantwortlich ist. Mit etwas Fleiß und Arbeitsbereitschaft kann in diesem Land wirklich jeder ein einigermaßen gutes Leben führen. Das Zauberwort heißt: Motivation und Eigeninitiative statt meckern und Protest!

30.08.2018 18:11 ReneS 21

@SOE [16]: Sie finden es beschämend? Gut.

- Ich kenne Leute die gleich nach der Wende arbeitslos geworden sind und außer Billigsjobs nie wieder einen Fuß in den 1. Arbeitsmarkt bekommen haben. Heute haben diese Leute eine Armutsrente.
- Ich kenne junge Leute, die sich von Praktika zu Praktika durchhangeln müssen oder in so schlecht bezahlten Jobs (i.d.R. auch befristet) sind, dass diese sich nie im Leben etwas eigenes aufbauen können werden - geschweige denn später mal eine ordentliche Rente erhalten werden.

... so ich höre jetzt hier auf... denn das finde ICH beschämend!

Wenn in diesen reichen Land kein Geld für die einfachen Leute da ist, aber für vieles andere schon, da braucht man sich doch nicht zu wundern, dass die Menschen irgendwann mal den "Kanal voll haben" und sich "abgehängt" und um Ihre Lebensleistung belogen und betrogen fühlen.

Sachsen - erfolgreich kaputtgespart durch 28 Jahre CDU und ihre Steigbügelhalter!

30.08.2018 18:02 Eberhard Stopp 20

Ich finde es beschämend, wenn man hier ! anonym ! andere beschimpft und der Lüge bezichtigt -SOE!!!! Als Stadtrat, als Versicherungsmakler, als Bürger könnte ich ganze Bücher mit den Problemen füllen, die von der CDU/ SPD Politik erst geschaffen wurden. Thema Rente, Privatisierung Berufsunfähigkeit und Altersvorsorge, NSU, Pleite der SachenLB, Ausbluten der Finanzen bei Kommen und Privatisierung, Pflegenotstand, und behördlicher Zwang, ohne Urteile, massenhaft, Schreiben ohne Unterschrift, ständige Erhöhung von Gebühren für Wasser, Strom, Gas...Niedriglohnland Sachsen, marode Schulen, kein Geld für Lehrer, ..und das Volk wird tagtäglich belogen, mit Sprechblasen von angeblichen Facharbeitermangel, vom angeblichen demogr. Wandel ( den es bei Beamten aber nicht gibt ) und Nichtfinanzierbarkeit der Rente. Für Militär, Diätenerhöhung, Banken. Was man so an schönen Dingen sehen kann ( Immobilien) gehört in. d.R. nicht dem Volk, auch keinen Sachsen.

30.08.2018 18:00 Oberlausitzer 19

Kretschmer macht eigentlich keinen schlechten Job. Im gegensatz zu seinem Vorgänger geht er zu den Leuten, und hört ihnen zu. Ohne Vorauswahl der Leute und Fragen. Und er hat kapiert das man die Provinz nicht länger vernachlässigen darf, wie das 28 Jahre zuvor CDU-Politik war (Leuchtturmpolitik).
Nur wird ihm das nichts nützen, weil die Stimmung im Land sich aufgrund der Bundespolitik und der Folgen der "Willkommenskultur" gegen die etablierten Parteien dreht.

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