Ilka Brecht, Leiterin des ZDF-Magazins "Frontal 21", und der TV-Journalist Arndt Ginzel beantworten vor der Polizeidirektion Dresden die Fragen der Journalisten.
Ilka Brecht, Leiterin des ZDF-Magazins "Frontal 21", und der TV-Journalist Arndt Ginzel beantworten vor der Polizeidirektion Dresden die Fragen der Journalisten. Bildrechte: dpa

Polizeiaktion beim Besuch der Kanzlerin Dresdner Polizei entschuldigt sich bei ZDF-Fernsehteam

Mehr als zwei Stunden dauerte das Gespräch zwischen dem ZDF und der Dresdner Polizei. Darin hat sich der Polizeipräsident laut dem Sender für das Vorgehen der Polizisten gegen ein Fernsehteam entschuldigt und sicherte die Aufarbeitung des Falles zu.

Ilka Brecht, Leiterin des ZDF-Magazins "Frontal 21", und der TV-Journalist Arndt Ginzel beantworten vor der Polizeidirektion Dresden die Fragen der Journalisten.
Ilka Brecht, Leiterin des ZDF-Magazins "Frontal 21", und der TV-Journalist Arndt Ginzel beantworten vor der Polizeidirektion Dresden die Fragen der Journalisten. Bildrechte: dpa

Der Dresdner Polizeipräsident Horst Kretzschmar hat sich nach Angaben des ZDF für das umstrittene Vorgehen von Polizisten gegen ein Team des Senders entschuldigt. Die Polizei habe eingeräumt, dass das "Frontal 21"-Team viel zu lange festgehalten wurde, teilte das ZDF am Freitag nach einem Gespräch mit Kretzschmar in Dresden mit. Der Vorgang solle nach Darstellung der Polizei gründlich nachgearbeitet werden und die bisherige Darstellung entsprechend korrigiert werden.

Redaktionsleiterin: Polizei hat Ereignisse falsch dargestellt

Ein Graffiti mit der Aufschrift "Pegizei" ist an einer Hauswand in der Dresdner Neustadt zu sehen. Thematisiert ist der umstrittene Polizeieinsatz gegen ein ZDF-Team am Rande einer Pegida-Demonstration gegen den Besuch von Kanzlerin Merkel.
In der Dresdner Neustadt haben Sprayer den umstrittenen Polizeieinsatz gegen ein ZDF-Team am Rande einer Pegida-Demonstration gegen den Besuch von Kanzlerin Merkel bereits künstlerisch aufgegriffen. Bildrechte: dpa

An dem knapp zweistündigen Treffen nahmen für das ZDF die "Frontal 21"-Moderatorin Ilka Brecht, der Reporter Arndt Ginzel und ein Justiziar teil. Hintergrund des Treffens waren die Vorkommnisse bei einer "Pegida"-Demonstration, bei der das ZDF-Team in seiner Arbeit für das Magazin "Frontal 21" behindert wurde.

Man habe deutlich gemacht, dass die Polizei die Geschehnisse falsch dargestellt habe, sagte die Moderatorin und Redaktionsleiterin von "Frontal 21", Ilka Brecht, nach dem Gespräch am Freitag. Das Videomaterial würde zeigen, dass die Strafanzeige erst nach der Identitätsfeststellung der Journalisten stattgefunden habe. Dadurch stelle sich die Frage, ob das Vorgehen überhaupt rechtmäßig war.

Ginzel sagte nach dem Gespräch am Freitag: "Wir stehen noch am Anfang. Die Abläufe bei der Polizei sind immer noch nicht aufgeklärt." Daher sei es "noch viel zu früh, zufrieden zu sein", sagte der Reporter.

Horst Kretzschmar
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Ungekürztes Statement von Polizeipräsident Horst Kretzschmar "Ich bin froh, dass die Redakteure des ZDF meine Einladung zu einem gemeinsamen Gespräch angenommen haben. Mir war es wichtig, Ihre Sicht der Dinge zu erfahren, damit ich mir ein besseres Bild der Ereignisse machen kann.
Ich möchte jetzt hier, so wie ich es auch in unserem Gespräch getan habe, unmissverständlich feststellen, dass wir als Polizei eine Verantwortung dafür haben, dass die Pressefreiheit in unserem Land gesichert ist.
Wir haben als Polizei sicherzustellen, dass die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit gewährleistet und die freie Berichterstattung durch Medien über Demonstrationen und Versammlungen aller Art garantiert bleibt.

Mein Eindruck aus dem Gespräch war, dass wir uns über diese Punkte absolut einig waren.

Davon zu trennen ist allerdings die Frage, ob der Einsatz, der uns heute zusammengeführt hat, als gelungen anzusehen ist. Vorweg: Ich bin mir meiner Verantwortung für unsere Polizeibeamten sehr bewusst und weiß, dass diese gerade bei Demonstrationslagen besonders schwierige Situationen zu meistern haben. Dennoch gibt das Gespräch Anlass nochmals mit den am Einsatz beteiligten Beamten zu sprechen, um das Bild abzurunden. Unser Ziel ist ausdrücklich, aus dem Vorgang für die Zukunft zu lernen.
Ohne ins Detail gehen zu können, möchte ich nicht verhehlen, dass es mir unverständlich ist, dass die Klärung, nachdem ein Demonstrant den Journalisten rechtswidriges Verhalten vorgeworden hat, so lange dauerte und die Journalisten 45 Minuten lang nicht ihrer Arbeit nachgehen konnten. Ich bedaure diesen Umstand als Polizeiführung außerordentlich und habe zugesichert, dass wir dieses in der Polizei aufarbeiten werden - auch um daraus zu lernen.

Dass es auch an der einordnenden Kommunikation des gesamten Vorganges gefehlt hat - auch da fällt es mir nicht schwer, das einzuräumen."

Das war passiert

Ein "Pegida"-Demonstrant hatte sich am Rande eines Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag vergangener Woche in Dresden massiv bei einem Kameramann beschwert, der aus seiner Sicht widerrechtlich sein Gesicht gefilmt habe. Daraus ergab sich ein Polizeieinsatz, bei dem das Team, einer von ihnen der Reporter Ginzel, nach eigenen Angaben rund 45 Minuten lang festgehalten wurde.

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Quelle: MDR/sth/epd/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.08.2018 | 18.30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden
MDR SACHSENSPIEGEL | 24.08.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 24. August 2018, 20:37 Uhr

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